„Weil wir alles zerstören, was sich auf die Seite der Natur stellt“

Ilija Trojanow nimmt den Leser in seinem Roman Eistau mit auf die Reise in die Antarktis und zeigt, dass diese Welt nicht einfach eine tote, weiße Welt ist, sondern dabei ist zu sterben.

von NATALIA KNICKMEIER

Zeno, Zeit seines Lebens Glaziologe, lässt sein altes Leben hinter sich, um sich der Rettung des ewigen Eises zu widmen.

Der 60-jährige Wissenschaftler fühlt sich seit seiner Jugend mit einem Gletscher verbunden. Während seiner Arbeit an der Universität muss er mit ansehen wie sich dieser Jahr um Jahr weiter zurückbildet bis er letztlich nur noch dessen Überreste zwischen den Händen halten kann. Zeno erträgt seine eigene Untätigkeit nicht mehr und heuert auf einem Kreuzfahrtschiff mit dem Ziel Antarktis an, um den Menschen vor Ort klar zu machen, dass etwas geschehen muss, um die Natur zu erhalten.

Doch er muss schnell erfahren, dass er mit seinen Idealen alleine da steht. Er stößt lediglich auf taube Ohren und die Ignoranz der Touristen gilt letztlich als extrem. Als schließlich auch noch ein Künstler eine Aktion zur Rettung des Eises plant, greift Zeno zu drastischen Mitteln.

Ilija Trojanow unterbricht durch bruchstückhafte Kapitel, aus Funkgesprächen und Nachrichtenmeldungen, seinen anekdotischen Erzählcharakter, in dem der Leser auch rückblickend vom Leben des Protagonisten erfährt. Nach und nach fügen sich diese Bruchstücke zu einem Ganzen zusammen und geben ein immer klareres und verständlicheres Bild Zenos und dessen Absichten.

Trojanow behandelt in Eistau ein brisantes Thema. Bei hiesigen 20 Grad im November lässt sich der Unmut des Protagonisten nachempfinden. Er hält dem Leser auf empfindsame Art und Weise einen Spiegel vor, ohne zu verurteilen. Der Leser empfindet vielleicht dieselbe Misanthropie wie der Protagonist oder wird sich seiner eigenen Naivität und Ignoranz bewusst, den Schmerz Zenos empfindet man jedoch allemal.

Letztendlich löst die Lektüre beim Leser die Frage aus, ob der Mensch überflüssig und gefährlich ist. Zeno hat diese Frage für sich beantwortet.

Lesenswert!

Ilija Trojanow: Eistau
Hanser Verlag, 176 Seiten
Preis: 18,90 Euro
ISBN: 978-3-446-23757-5
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