Viel Lärm um nichts – Oder das Mysterium des relativen Geschmacks

Jan Peter Bremer regt mit seinem neuen Roman Der amerikanische Investor zum Nachdenken an. Nicht nur bezogen auf die Frage wie ein solches Buch den Alfred-Döblin-Preis 2011 gewinnen konnte, sondern besonders hinsichtlich der Tatsache, beim Lesen über alles nachzudenken – abgesehen von dem Gelesenen selbst.

von LEA JOCKISCH

Protagonist des Romans ist ein Schriftsteller, zugleich Vater, Ehemann und Alkoholiker. In seinem Beruf scheint er zu versagen, kreativlos und deprimiert bringt er nicht einmal den Anfangssatz seines neuen Kinderbuches zustande. Seine Ehe läuft gleichwohl schlecht, zumindest lassen die getrennten Schlafzimmer darauf schließen und auch zu seinen Kindern scheint er keine Verbindung aufbauen zu können. Das eigentliche Problem in seinem Leben stellt jedoch seine Wohnung dar, die nach und nach im Begriff ist abzusacken. Er verliert in jeglicher Hinsicht den Boden unter seinen Füßen.

Sein Alltag besteht mit Beginn der Erzählung von nun an darin, mit einem Zollstock die täglichen Veränderungen der Altbauwohnung festzuhalten. In der Hoffnung seinen liebgewonnenen Lebensraum retten zu können, sucht er rechtlichen Beistand, sieht sich jedoch enttäuscht durch den Rat, einfach umzuziehen. So entsteht seine Idee, dem Besitzer des Gebäudekomplexes, dem „amerikanischen Investor“, einen Brief schreiben zu müssen, mit der Absicht, dessen Mitleid durch die Schilderung seines Schicksals zu erzeugen und somit eine Sanierung des Hauses zu bewirken.

Es folgen, nach nur wenigen Seiten der Erläuterung des Handlungstranges, zu viele, endlos erscheinende Seiten, die nichts als die Gedankengänge des Schriftstellers füllen, bestehend aus Selbstmitleid und Schuldzuweisungen. Eine Handlung lässt sich schon nach kurzer Zeit des Lesens nicht mehr erkennen. Vielmehr scheint man gezwungen, sich durch die Überlegungen des Protagonisten zu quälen, die sich hauptsächlich mit der Frage beschäftigen, ob denn die Notwendigkeit bestehe, sein Bett am Tage überhaupt noch zu verlassen und ob es sich lohne, dem amerikanischen Investor wirklich schriftlich sein Leid zu klagen, um dann zu dem Entschluss zu kommen, dass er sich den Aufwand in beiden Fällen auch sparen könne.

Es wundert letztendlich kaum, dass die Geschichte endet, ohne dass man eine Handlung hätte ausmachen können. Es wird der „Fantasie“ des Lesers überlassen, ob der Protagonist wieder Herr seines eigenen Lebens werden und sein Vorhaben, dem amerikanischen Investor zu schreiben und somit die Möglichkeit seine Wohnung nicht zu verlassen, umsetzten konnte.

Der Roman besteht somit aus seinen Gedanken, Fantasien von Gesprächen, die er hätte führen, Handlungen, die er hätte ausüben, Taten die er hätte vollbringen können. Das von dem Angeführten jedoch nichts passiert, bringt den Leser nach nur kurzer Zeit dazu, genervt in eigene Gedanken abzuschweifen, denn es scheint alles spannender, als diese nichtssagende Geschichte, ausgedehnt auf 156 Seiten.

Dieses Buch liefert ein Beispiel für das Phänomen des Lesens, bei dem man nach zig Seiten trocken feststellen muss, rein gar nichts verinnerlicht zu haben. Zudem versucht er eine Kritik an der Gesellschaft und dem „bösen Reichen“ zu äußern, die in diesem Fall einfach nur konstruiert und klischeehaft erscheint. Dass der Roman dann auch noch offen enden muss, wirkt letztendlich wie eine Provokation.

Ich habe mich wahrscheinlich selten mehr gefreut ein Buch ausgelesen zu haben. Und doch scheint es in der literarischen Welt auf viel Zuspruch zu stoßen, wenn man bedenkt, dass Bremer für seinen „amerikanischen Investor“ immerhin einen angesehen Preis gewann. Empfehlen würde ich den Roman nicht, vermutlich weil mir Sinn und Aussage nicht verständlich wurden, vielmehr jedoch belanglos und uninteressant erschienen.

Jan Peter Bremer: Der amerikanische Investor
Berlin Verlag, 120 Seiten
Preis: 16,90 Euro
ISBN: 9783827010353
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