Kalbende Steine und andere wundersame Dinge

Weihnachten steht vor der Tür, die Kassenschlangen in deutschen Buchhandlungen erreichen ihr Jahresmaximum und die lieben Kleinen wollen beschenkt werden: Liebe Eltern, scheuen Sie nicht den Gang in den Konsumtempel und erstehen sie dieses wunderbare Kinderbuch Rico, Oskar und der Diebstahlstein von Andreas Steinhöfel.

von NADINE HEMGESBERG

In der Dieffe 93 in Berlin ist was los. Der tiefbegabte Rico und sein hochbegabter Freund Oskar finden die Leiche ihres Nachbarn Fitzke im Hausflur. Klare Sache: Es war das Herz. Aber was geschieht nun mit der Steinsammlung des alten Meckerkopfs, den außer Rico keiner im Haus vermissen wird? Per Testament verfügte Fitzke kurz vor seinem Tod den Übergang der Steinsammlung in Ricos Besitz. Aber der eine, wirklich kostbare Stein, ein Kalbstein, der von Fitzke gezüchtet wurde, so Ricos Glaube, wird gestohlen. Ricos Mutter verabschiedet sich kurz nach Fitzkes Beerdigung mit Freund Bühl in den Urlaub nach Sri Lanka und alle anderen Hausbewohner verschlägt es an die Ostsee. Und genau dort befindet sich des Rätsels Lösung des gestohlenen Steins. Rico und Oskar schnappen sich Hund Porsche und begeben sich auf eine Reise mit ungewissem Ausgang.

Charaktere mit Ecken und Kanten

Der mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnete Autor Andreas Steinhöfel versteht sein Handwerk. Die Trilogie rund um die Abenteuer von Rico und Oskar sind Lesegenuss für Groß und Klein. Steinhöfel schafft es, mit Rico einen Charakter zu schaffen, der die Welt mit ganz eigenen Augen sieht. In Ricos Kopf rummst es, die Bingotrommel lässt ihn nicht klar denken, graue Gefühle befallen ihn, er kämpft sich mit Hilfe seines Freundes Oskar durch eine Welt, die manchmal wirklich ganz schön komisch ist. Und Steinhöfel macht dies möglich durch wunderbare Wortneuschöpfungen, die er Rico in den Mund legt. Dann werden Müffelchen gefuttert und über seltsame Dinge nachgedacht: Warum die Spartaner Spartaner heißen, was Moses in der Wüste trieb und warum die Nordsee eigentlich nicht Westsee heißt. In äußerst humorvollen Kästchen, versucht Rico im Lexikonstil die Welt zu erklären. Rico ist eine Figur mit ganz viel Herz und seine Ehrlichkeit ist eine verblüffende Tugend. Aber die Figuren in Steinhöfels Kosmos haben eben auch Ecken und Kanten. Oskars Vater Lars hat nicht mehr alle Tassen im Schrank und scheitert daran, für die beiden Jungs Verantwortung zu übernehmen, der Nachbar Mommsen hat ein Alkoholproblem und Fitzke war ein stieseliger, alter Mann, der lieber Zeit mit seinen Steinen als mit den Menschen seiner Umgebung verbracht hat. Steinhöfel gelingt es jedoch, sensibel und zugleich mit spielerischem Sprachgefühl vor allem dem jungen Lesepublikum gerecht zu werden. Ein äußerst schmaler Grad, der von ihm gemeistert wird.

Frischkäse in der Bommelmütze

Ob die beiden so unterschiedlichen Freunde dem Rätsel des gestohlenen Steins auf die Spur kommen? Wenn Oskar mit der Bommelmütze mit Frischkäseeinlage einen Plan schmiedet, kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Rico, Oskar und der Diebstahlstein ist der äußerst gelungene Abschluss der Trilogie und wie auch in den beiden Vorgängern steuerte Peter Schössow liebevoll gezeichnete Illustrationen zu diesem stimmigen Gesamtwerk bei. Dieses Buch gehört unter den Weihnachtsbaum!

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