Durch die Dunkelheit

Tony Blacks neuer Roman Geopfert erzählt die Geschichte eines Mannes, der am Boden ist. Zwischen Alkoholismus und Selbstmitleid soll der ehemalige Journalist Gus Dury seinem Gönner und Kneipenwirt Col einen Gefallen tun und den Fall seines unlängst ermordeten Sohnes aufklären. Auf seinem Weg durch die Unterwelt Edinburghs, lässt der versoffene Romanheld kein Hollywoodklischee zwischen Polizeigewalt und Pointe à la Mission Impossible aus. Die abschließende Auflösung der Konflikte ist für jeden krimierfahrenen Leser vorhersehbar und auch die wenig originellen Beweggründe der Hauptfigur werden auf dem Silbertablett serviert.

Von ALINE PRIGGE

Der Protagonist des Romans Gus Dury, ehemaliger Spitzenjournalist mit Kontakten zur Unterwelt Edinburghs, lässt uns aus der Ich-Perspektive auf knapp 400 Seiten an seinem Leben und seinen Ansichten teilhaben.

Nachdem seine Karriere durch einen ungewollten tätlichen Angriff auf eine hohe politische Persönlichkeit Schottlands beendet wurde, stürzt er in ein tiefes Loch aus Alkohol und Selbsthass. Daran scheitert auch seine Ehe, sodass er in ein kleines Apartment über seiner Stammkneipe zieht. Billy, der Sohn seines Kneipenwirts, Gastgebers und Freundes Col, wird ermordet aufgefunden. Die Polizei tut den Fall jedoch als Selbstmord ab. Doch Billys Vater glaubt nicht daran und will Gerechtigkeit. Aus diesem Grund bittet er Gus der Sache auf den Grund zu gehen.

Gus scheint weder Erfahrung noch glaubwürdige Ansätze für seine Suche nach Antworten zu haben, dennoch fügt sich das Eine zum Anderen und schnell sind die größten Gangster der Hauptstadt seine Feinde geworden. Alles was er ihnen entgegensetzten kann ist eine Handfeuerwaffe, eine junge Journalistikstudentin, ein verfetteter Bauunternehmer und  ein altersschwacher Greis. Dennoch gelingt es Gus auf unterhaltsame Weise, nicht nur seine gescheiterte Ehe zu kitten und seine Blockade gegenüber seines Vaters zu überwinden, er trotzt auch diversen Ungerechtigkeiten der Staatsgewalt und kommt den Mördern auf die Spur.

Der Roman liest sich wie eine Mischung aus inneren Monologen, Tagebuchauf-zeichnungen  und relativ neutralen Schilderungen von Ereignissen, immer mit dem Beigeschmack von Bier und Kippen. Der Roman schildert nicht nur die Geschichte einer Mordermittlung, sondern ist auch eine Hommage an Alkohol und Zigaretten jeder Art. Der Protagonist braucht eben diese beiden Dinge wie die Luft zum Atmen und wer vorher noch nicht informiert war, kennt jetzt das Sortiment vom Kiosk nebenan auswendig. Fast sooft wie die Rede von seiner Sucht ist, werden Namen bekannter oder nicht so bekannter Künstler aller Art fallen gelassen. Was zu Beginn nach wahllosem Namedropping aussieht, entwickelt sich im Laufe des Romans zu einer interessanten Skizze aus Einflüssen, die wohl auf den Ermittler eingewirkt haben. In jeder Lage weiß er einen großen Philosophen oder bekannten Mann zu zitieren und zu jedem Outfit findet er einen Vergleich.

Obwohl der Roman zu Anfang verwirrend, durcheinander und wenig durchdacht anmutet, entwickelt er sich zu einem komplexen Konstrukt, das jedoch leider sehr klischeebeladen aufwartet. Trotzdem gelingt es der Geschichte den Leser zu begeistern und mitzureißen, wenn man sich auch manchmal ungläubig den Kopf schüttelt vor lauter konstruierter Dummheit der Nebenfiguren oder ausgelutschter Klischees.

Was jedoch wirklich begeistert ist, wenn auch nicht der Wille etwas aus seiner Situation zu lernen, dann die Fähigkeit des Helden allen Schicksalsschlägen zu trotzen und sich selbst aus der aussichtslosesten Lage zu befreien.

Tony Black zeichnet das Bild eines Ermittlertypens, der bezaubernd unperfekt ist und seine Schwächen kennt und feiert. Der Roman ist abstrus, an vielen Stellen unglaubwürdig und das Ende ab einem relativ frühen Punkt vorhersehbar, dennoch, oder vielleicht auf Grund der vielen uns bereits bekannten Motive und Wendungen, schließt man die Hauptperson ins Herz und muss den Roman zu Ende lesen. Eine Empfehlung für alle, die es nicht so spannend mögen, aber das Krimigefühl nicht missen wollen.

 

Tony Black: Geopfert
Zsolnay, 384 Seiten
Preis: 19,90 Euro
ISBN 978-3-552-05547-6

 

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