Ein Konflikt in einer Bilderbuchfamilie

Was passiert wenn ein tot geglaubter Vater zurück in die Familie kommt, um sich mit seinem Sohn zu versöhnen? Diese Frage lässt Raum für viele verschiedene Antworten. In Alfred Neven DuMonts zweitem Roman Vaters Rückkehr wird eine Antwort gefunden, leider keine allzu überzeugende.

Von RICARDA ALTVATER

Der Roman schildert eine aufregende Woche im Leben des überdurchschnittlich erfolgreichen und gutaussehenden Karls. Er lebt mit seiner wunderschönen und liebenswürdigen Ehefrau und seinen natürlich ebenso goldigen zwei Zwillingsmädchen in seinem Elternhaus, wurde gerade als jüngster der Firma in den Vorstand erhoben und genießt sein überaus ruhmreiches Leben in vollen Zügen. Bis sein für tot erklärter Vater an Karls 42. Geburtstag plötzlich vor der Tür steht. Die so wunderbar geschilderte Familienidylle scheint auf einen Schlag auseinanderzubrechen. Schnell wird klar, dass viele Konflikte zwischen Vater und Sohn stehen und eine harmonische gemeinsame Zeit leider nicht in Aussicht steht. Doch das plötzliche Auftauchen des Vaters ist nicht Karls größtes Problem, sondern die Beliebtheit, die sein Vater sowohl bei Ehefrau und Töchtern und in der Firma erfährt. Er benimmt sich äußerst charmant und kann in kürzester Zeit alle Herzen in Karls Umfeld im Sturm erobern. Karl, der plötzliche Außenseiter der Figurenkonstellation, muss sich zusammen mit seinem Vater mit der gemeinsamen Vergangenheit auseinandersetzen. Die Schuld für die unharmonische gemeinsame Zeit wird von der einen Seite zur anderen geschoben und letztendlich kann auch keine Lösung bei der Diskussion über die Schuldfrage beim Tod von Karls Mutter gefunden werden. Genauso schnell und unverhofft der Vater in Karls Leben getreten ist, verschwindet er auch wieder nach einer Woche und Karls perfektes Leben kann wieder gewohnt weitergehen.

Thematisiert wird im Roman des mittlerweile 84-jährigen Autors der Versuch einer Versöhnung zwischen Vater und Sohn, der im Großen und Ganzen auch durchaus nachvollziehbar und schlüssig ist. Doch nun kommt das große Aber: Aus dem Vater-Sohn-Konflikt wäre alleine durch eine bescheidenere Schilderung der Überfamile und durch einen Verzicht von allzu sehr gestellten, altertümlich wirkenden Dialogen zwischen den Protagonisten ein lesenswerterer Roman werden können. Was beispielsweise damit gemeint ist: Marie, die bildschöne, engelhaft beschriebene Ehefrau hindert Karl durch ihr Aussehen beim Frühstück („Ich versuchte, meinen Blick auf das Frühstücksei, den Schinken und die Marmelade zu konzentrieren, aber er wurde immer wieder von meiner geliebten Ehefrau in der Morgensonne abgelenkt.“). Dieses Beispiel ist nur eines von vielen sprachlichen Fehltritten, Übertreibungen oder den viel zu oft genutzten Metaphern. Schon auf der zweiten Seite des 160 Seiten langen Romans kann man über kitschige Formulierungen oder zu offensichtlich geschilderte sexuelle Andeutungen nicht mehr hinwegsehen. Und so hofft man auf das Eintreten des Konfliktes, damit die spießige Harmonie ins Wanken gerät und Karl und Marie endlich keine Bilderbuchehe mehr führen müssen.

Wenn man es doch bis zum Schluss geschafft haben sollte, regt das letzte Kapitel wenigstens noch zum Nachdenken an, da plötzlich durch einen Traum Karls das tatsächliche Erscheinen des Vaters in der Schwebe gelassen wird.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Roman den Versuch unternimmt, eine Versöhnungsgeschichte zu schildern, leider durch die zu gestochene und blumige Sprache zu einem Roman wird, der aufzeigt, wie man es als Autor vielleicht eher nicht machen sollte.

Alfred Neven DuMont: Vaters Rückkehr
Hoffmann und Campe, 160 Seiten
Preis: 17,99 Euro
ISBN: 978-3-455-40348-0
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