Ist das (zeitgenössische) Lyrik?

Darf eine Rezension zu subjektiv sein? Bei Ulrich Ziegers Aufwartungen im Gehäus scheint es keine andere Möglichkeit zu geben.

Von NATALIA KNICKMEIER

So muss ich vielleicht anmerken, dass die Verfasserin dieser Rezension keine fundierten
Lyrikkenntnisse vorweisen kann, was zumindest die zeitgenössische Lyrik betrifft. Und nun kam es endlich dazu, dass ich mich dieser durch Aufwartungen im Gehäus näherte.
Ganze 96 Gedichte präsentiert uns Zieger. Dabei hält er sich an keine feste Form. Mal macht es den Eindruck als hätten seine Gedichte Verse, mal halt nicht. Auch Titel sind bei ihm kein Muss, auf die Großschreibung wird ganz verzichtet. So erreichen seine Gedichte auch mal die Länge von mehreren Seiten und mal nur von wenigen Sätzen. Strukturell lässt sich wohl noch hinzufügen, dass er seinen Band in zwei Teile gliedert. So teilen sich der erste Teil und der Band selbst den selben Titel. Der zweite Teil nennt sich „Rede an die Brennnessel“.
So nahm ich den Band in die Hand und las. Am Lesen selbst hat es nicht gehapert, ein Zugang jedoch war unmöglich. Sätze wie „kaum was zu tun Verhängnisse sind älter, sterben (?) (wieder sterben wollen)?“ hinterlassen bei weitem keine Leselust. Eher deprimieren sie… und nein, sie haben mich nicht emotional berührt.
Wie ich schon anmerkte, bin ich keine große Freundin „dieser Art“ von Lyrik (bzw. ist sie nicht meine Freundin) Und dieser Gedichtband zeigt mir einmal mehr warum. Ich als „Einsteigerin“ empfand Groll, da ich das Gefühl bekam, dass der Autor dem Leser erst gar keinen Zugang ermöglichen möchte. Vielleicht setzen seine Gedichte ein Vorwissen oder das Kennen seiner anderen Werke voraus. Ich persönlich erwarte jedoch von einem Künstler, der in der Theater- und Filmwelt gewirkt hat, dass er in der Lage ist, jedem Leser einen Zugang zu ermöglichen.
Eine weitere, vielleicht übergeordnete Frage ist: „Wer hat den Band zusammengestellt?“ Es fühlt sich lieblos an. Als haben die Gedichte schon ewig in der Schublade gelegen, welche nun einfach wahllos zusammengebunden wurden.

Nun wage ich mich mal an eine Beschreibung des Themas. Da würde ich die Einsamkeit nennen, welche sich schon auf dem Titelblatt finden lässt. Das Bild der Holzhütte auf dem gemähten Feld, steht da schon sehr einsam. Auch der Titel, gibt den Eindruck wieder als hätte sich der Autor verkrochen. Ob er in „Rede in die Brennnessel“ nun aus seinem Versteck wieder heraus kriecht, wird mir nicht klar.
Mit der Erkenntnis, beginne ich nun wieder zu lesen. Und? Nein wieder nichts, mal wieder ist es für mich nur eine Aneinanderreihung von Wörtern, welche in den Sätzen genauso einsam da stehen wie die Hütte auf dem Feld.

Und da gibt es noch eine Sache, die so deutlich ist, aber unklar bleibt. Warum bezieht er sich auf Picasso und van Gogh? Rezensiert oder rezipiert er diese? Ist der Verweis auf den Kubismus und den Impressionismus ein Hinweis darauf, nicht die wahre Welt darstellen zu wollen? Vielleicht geht es Zieger in seinen Werken, wie den beiden Künstlern auch, um die Gliederung und Ordnung, bzw. die Stimmung. Weg vom Objekt, hin zur Subjektivität.
Womit wir wieder bei der Subjektivität wären und einer weiteren Unklarheit.
Ulrich Ziegers Aufwartungen im Gehäus ist nichts, was man erstmal verdauen muss, denn man hat ja das Gefühl, auch nichts zu sich genommen zu haben.

 

Ulrich Zieger: Aufwartungen im Gehäus
Rugerup, 144 Seiten
Preis: 17,95 Euro
ISBN: 978-3-942955-05-8
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