Die Vorleser. Oder: Wer schweigt, der bleibt.

Die Lesung in der Mayerschen Buchhandlung sei, so Rainer Küster in seinen Einführungsworten zu Wolfszorn. Kriminalroman aus dem Ruhrgebiet, die erste öffentliche Lesung dieses im Herbstprogramm erschienenen Buches. Bisher habe man das Buch in kleinen privaten Runden vorgestellt und Passagen gelesen. Nun haben Rainer Küster und Rüdiger Schneider ihr Publikum vergrößert und in der Mayerschen Buchhandlung in Bochum gelesen – leider lässt ihre Vorlesefähigkeit zu wünschen übrig.

von SARAH HERHAUSEN

Der dritte Kriminalroman des Autorenduos beschäftigt sich mit der brutalen Tötung von drei Menschen durch, wie es scheint, den Biss eines Wolfes. Die Auswahl der Kapitel, die gelesen wurden, lieferte ein gutes Bild über den Verlauf der Geschichte. Der Krimi spielt, wie der Untertitel bereits verrät, an Schauplätzen des Ruhrgebietes, genauer in Bochum, Hattingen und Essen. Die Straßennamen und Gebäude aus dem Umkreis lassen das Herz eines eingefleischten „Pottkindes“ höherschlagen.

Leider kann dieser Heimat-Bonus die Qualität der Lesung nicht aufwiegen. Beide Autoren hätten eine Einführung in gutes Vorlesen hinsichtlich Pausensetzung, Lesefluss und vor allem Intonierung dringend nötig. Besonders unpassend waren auch die stetigen Haftungsausschlüsse durch Hinweise, dass die dargestellten Personen natürlich lediglich Fiktion seien, im Besonderen die Figur des Polizeipräsidenten, dessen realem Pendant sie damit nicht zu nahe treten wollten.

Die geschätzt 70 Anwesenden schienen nicht, als bräuchten sie eine Lehreinheit darüber, dass ein Kriminalroman aus der Fiktion der Autoren stammt. Auch diese Zwischeninformationen zur Sicherstellung und Wahrung der Neutralität der Autoren haben die Lesung nicht flüssiger oder attraktiver gemacht.

Den absoluten Fauxpas des Abends leistete sich allerdings die Angestellte der Buchhandlung, die die Lesung moderierte: Sie begrüßte und verabschiedete die Autoren und bereicherte die Zuhörerschaft vorweg mit der irrigen Information, dass dieses Buch das zweite der beiden Autoren sei – eine Peinlichkeit, die auf mangelnde Vorbereitung der Dame schließen lässt. Sie bemerkte ihren Fehler nicht einmal, sondern wurde erst durch die Autoren selbst darauf hingewiesen, dass Wolfszorn deren dritter Roman ist.

Was nach der Lesung bleibt, ist die Hoffnung, dass der Roman insgesamt mehr zu bieten hat als die vorgestellten Passagen und deren Darbietung, zumal bei der Recherche Ärzte, Biochemiker, ein Kriminalkommissar und ein Jurist zu Rate gezogen wurden.

Lesung in der Mayerschen Buchhandlung, Bochum, Freitag, 10. Februar 2012:
Rainer Küster und Rüdiger Schneider
Wolfszorn. Kriminalroman aus dem Ruhrgebiet.
Dr. N. Brockmeyer, 282 Seiten
12,90 EUR
ISBN: 978-3-8196-0828-5
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3 Gedanken zu „Die Vorleser. Oder: Wer schweigt, der bleibt.

  1. Du hast den Roman nicht gelesen, oder? Sollte man das nicht tun, bevor man eine Lesung bespricht? Müssen Angestellte einer Buchhandlung genau wissen, wer was wann und wo veröffentlicht hat? Der erste Teil der Reihe erschien noch in einem anderen Verlag, daher wohl die Verwirrung. Will man der Dame trotzdem mangelnde Vorbereitung vorwerfen, dann aber bitte nicht, wenn man als Möchtegern-Journalist nichtmal das Buch liest, dessen Autor man in einer Besprechung verreißt. Der Roman spielt auch nicht in Essen, soweit ich mich erinnere, aber da kann ich mich auch täuschen.
    Und ich habe an deinem Text auch so schon angemerkt, dass du eine sehr, sehr kluge Denkerin und gute Germanistin bist, den Hinweis, dass du keine Erklärung zu Figuren vs. reale Personen brauchst, kannst du beim nächsten Mal dann weglassen.

  2. Die Rezension bespricht hier nur die Veranstaltung, nicht den Roman.
    Die Lesung bietet einen generellen Einblick in das Buch. Wenn ich das Buch hätte kommentieren wollen, läse ich es natürlich auch.
    Meines Erachtens nach sollte sich eine Angestellte, die die Moderation einer Veranstaltung übernimmt, vorher mit den Autoren auseinandergesetzt haben, ansonsten kann man die Moderation seitens der Buchhandlung weglassen bzw. die Autoren können sich auch selbst vorstellen.
    Da die Zielgruppe dieses Blogs und den Artikeln eine sehr breite ist, stehen wir als Rezensenten auch in der Pflicht, gewisse Dinge zu erklären bzw. können nicht alles bei unseren Lesern als gegeben voraussetzen. Es tut mir Leid, wenn Ihnen dies am Stil der Rezension missfallen ist.

    Wie vorab gesagt, die Rezension bezog sich lediglich auf die Lesung selbst. Ich habe in meiner Kritik darauf hingearbeitet den Inhalt einerseits so klar und andererseits so neutral wie möglich darzustellen.
    Sollte mir dies in Ihren Augen nicht gelungen sein, so bin ich immer offen für konstuktive (!) Kritik – denn wir alle lernen aus dem Feedback, das uns unsere Leser bereit sind zu geben.

    Für allgemeines Feedback würden wir uns freuen, wenn Sie uns eine E-Mail an die hinterlegte Adresse schicken würden. So können wir generelle Verbesserungsvorschläge, die über diesen Artikel hinausgehen, am besten aufnehmen und umsetzen.

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