Der Bananenmann

Wer kann die Vorteile des folgenden Lebens verschmähen: Glücklicher Single sein, die Stadt unsicher machen können wann man will, dabei sein eigener Herr sein – privat sowie geschäftlich – und einen großen Freundeskreis haben, der einen versteht und unterstützt…

Alles dies hat Judith, die neue Heldin Daniel Gattauers, in Ewig Dein – doch sie soll es nicht behalten dürfen.

Von SARAH HERHAUSEN

Das Erste, was wir als Leser machen müssen, wenn wir Ewig Dein als Glattauer-erprobte Leser in den Händen halten und uns in die Geschichte stürzen wollen, ist, uns von allen wunderschönen Erinnerungen um Leo und Emma (Gut gegen Nordwind und Alle sieben Wellen) zu verabschieden. Wir haben sie geliebt, mit ihnen gelacht, geweint und uns für sie gefreut. Aber Daniel Glattauer zeigt mit seinem neuen Roman, dass er auch böse kann.

Abgründe tun sich auf

Judith steht mitten im Leben. Sie ist Single und das ist auch gut so. Sie braucht keinen Mann.

Bis ihr im Supermarkt ein Mann mit seinem Einkaufswagen in die Hacken fährt. Er ist unscheinbar, hat jedoch acht Bananen bei sich. Klare Sache: Vater von zwei Kindern. Hannes, der tatsächlich natürlich kein Familienvater, sondern Single wie Judith ist, begegnet ihr nun in regelmäßigen Abständen wie zufällig immer wieder. Sie treffen sich, sind kurze Zeit später ein Paar. Ihre Mutter vergöttert ihn, ihre Freunde schätzen ihn – nur Judith wächst alles über den Kopf.

„ein absolut menschenwürdiges Dasein“

Glattauer leitet die Story gekonnt in eben keine Liebesgeschichte über, sondern beschreibt die Abgründe, die sich in Hannes‘ Kopf nach der Trennung von Judith auftun. Sein Handeln ist psychologische Kriegsführung: Judith bekommt keine Ruhe mehr, Hannes nimmt ihr Leben mit den besten Wünschen ihrer Mutter und ihren Freunden in die Hand und führt es in eine Richtung, die eine Zukunft mit viel Kronleuchter-Licht und vielen Bananen verspricht. Ein, wie er findet, „absolut menschenwürdiges Dasein“. Eines, das die arme Isabella Permason, mit der die Geschichte seinen Wendepunkt findet, bereits hat…

Dieses Buch birgt viele Überraschungen. Wer denkt, er kenne Glattauers Schreibstil durch die beiden vorangegangenen Romane, irrt. Ewig Dein offeriert keinen Rosamunde-Pilcher-Kitsch, wie der Titel vermuten lässt. Das Buch bringt grausame und realitätsnahe Taten mit einem Mann in Zusammenhang, den man, träfe man ihn, zu guter Recht für einen liebenden Ehemann oder netten Onkel halten würde.

Absolut empfehlenswert ist dieses Buch, weil man als Leser glaubt, das Ende erahnen zu können, Glattauer es aber trotzdem schafft, der Geschichte eine unglaubliche Wendung zu geben.

Freuen dürfen wir uns auf die passende Lesung mit Gesprächsrunde, sowie auf das Werkstattgespräch bei der LitCologne am 18.03.2012! Beide Veranstaltungen sind bereits ausverkauft.

Daniel Glattauer: Ewig Dein
Deuticke, 208 Seiten
Preis: 17,90 Euro
ISBN: 978-3552061811
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