LCD – Wannen voll Glück und rauchende Hodschas

Der Aprilabend im Literaturclub Düsseldorf fängt mal wieder vielversprechend an. Heute sollen drei Autoren wie immer recht kurzweilige 15 Minuten lang Einblicke in ihr Werk geben. Zunächst präsentiert Claudia Gabler Auszüge aus ihrer Lyrik, dann liest Robert Kraiss  bildender Künstler und Verfasser von Prosatexten. Zuletzt kommt noch Guy Helminger zu Wort, der neben der Schriftstellerei bereits ein Panoptikum verschiedener Tätigkeiten hinter sich hat, so etwa Barkeeper und Stadtschreiber von Hyderabad, um nur zwei zu nennen. Alle Autoren haben bereits diverse Preise gewonnen.

Von SARAH ZIMMERMANN

…seit Tagen nur aufgetaute Wraps und geschlossene Pubs…(C.Gabler)

Swantje Lichtenstein, Mitveranstalterin des LCD und Moderatorin des 03. Aprils, attestiert der Lyrik Claudia Gablers einen „performativen und inszenierenden Gestus“.

Was hochtrabend klingt, wird  schnell verständlich, wenn man die Autorin lesen hört. Mit klarer, angenehmer Stimme trägt sie ihre lyrischen (Gedanken-)Ausflüge vor. Sie liest aus ihrer Sammlung Die kleinen Raubtiere unter ihrem Pelz (Rimbaud Verlag) sowie aus ihrem Baden-Baden Zyklus. Die Texte sind tatsächlich so unmittelbar und schnörkellos, ohne dabei trivial zu wirken, dass ich das performative Element sofort begreife. Allerdings ist es nicht die Autorin die performt, sondern ihre Sprache, die im Kopf klare Bilder und Stimmungen hervorruft. Die Anglizismen, die sie in ihren Texten verwendet, wirken nie peinlich-angeberisch oder fehl am Platz, sondern fügen sich wunderbar natürlich in ihre Lyrik ein.

Vom Hamam zum Hodscha und zurück

Robert Kraiss erzählt in seiner Prosa von seinen Reiseeindrücken aus Istanbul.

Einige Pointen bringen mich zum Schmunzeln, andere wirken ziemlich gewollt. Als dann aber der Hodscha im Nichtraucher-Sufikloster  rauchend „noch Gleichnisse erzählt“, bin ich, trotz teilweise holprig wirkenden Telegrammstils und gestelzter Witzigkeit, wieder  wohlwollend gestimmt.

Theater(t)räume

Schließlich trägt Guy Helmiger aus seiner Kurzgeschichtensammlung Etwas fehlt immer (Suhrkamp) die athmosphärisch dichte Erzählung von einer etwas wahnhaften Theaterschauspielerin vor. Es bleibt unklar, ob die Dame sich die Familie, die seit langem ihre Vorstellungen besucht und danach wortlos am Hintereingang des Theaters verharrt, nur einbildet, oder ob sie wirklich existiert. Die 18 Geschichten des Bandes sind miteinander dergestalt verknüpft, dass jeweils die Nebenfiguren einer Geschichte zu den Hauptfiguren einer anderen werden. Helmiger zeigt das Abgründige seiner Figuren  und bildet dank seiner unterhaltsamen, eloquenten Art den krönenden Abschluss des Abends.

Der nächste LCD findet am 08.05.2012 statt. Ein Besuch lohnt sich immer.

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