Die Schuld in unseren Sternen

Mit den gerade verfilmten Romanen Superhero von Anthony McCarten und Was am Ende bleibt von Jenny Downham sind krebskranke Teenager und ihr Umgang mit der Krankheit gerade hochaktuelles und kommerzialisiertes Material. Kann John Greens hochgelobter Jugendroman Das Schicksal ist ein mieser Verräter dem Thema noch neue Seiten abgewinnen?

von NINA BLÄSIUS

John Green sei für Teenager das, was Philip Roth für Männer und John Updike für Ehepaare ist, sagt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Die großen Namen mit denen der Autor von The Fault in Our Stars, wie Das Schicksal ist ein mieser Verräter etwas poetischer im Original heißt, hier verglichen wird, bringen große Erwartungen mit sich.

Diese großen Erwartungen haben die beiden krebskranken Protagonisten schon nicht mehr an ihr Leben. Hazel Grace Lancaster und Augustus Waters sind sich ihrer Krankheit wohl bewusst – schließlich bestimmt sie seit Jahren ihren Alltag. Doch immer wieder brechen sie die Ernsthaftigkeit ihrer Situation mit Ironie, und als sie sich verlieben, wagen sie sogar ein wenig unangebrachten Optimismus.

Sätze mit Kultstatus

Hazel verliebt sich in Augustus und er sich in sie – die Sätze in welche diese Liebesgeschichte verpackt ist, haben teilweise jetzt schon Kultstatus: „Manche Unendlichkeiten sind größer als andere Unendlichkeiten“ und „Während er las, verliebte ich mich in ihn, so wie man in den Schlaf gleitet: langsam zuerst und dann rettungslos“, um nur Beispiele zu nennen. Besonders in der von John Green und seinem Bruder Hank Green begründeten Internet-Gemeinschaft Nerdfighters (die Bezeichnung für eine stetig wachsende Community, die sich vor allem durch ihre Begeisterungsfähigkeit für bestimmte Filme und Bücher auszeichnet) hatten Zitate und Charaktere aus dem Buch schon sehr früh eine besondere Stellung inne.

Shakespeare und America’s Next Topmodel

Der Roman ist nicht zuletzt deswegen so besonders, weil er voller intertextueller und literarischer Anspielungen ist. Hazel und Augustus zitieren Shakespeare und Walt Whitman, Magrittes Pfeife spielt später noch eine wichtige Rolle. Aber sie schauen auch Filme wie V wie Vendetta und Fernsehserien wie America’s Next Topmodel. Hazels Mutter formuliert einmal sehr treffend, sie halte ihre Tochter für eine intelligente junge Frau mit einer tragischen Schwäche für schlechte Fernsehserien – eine Aussage, die schmunzeln lässt und mit der man sich identifizieren kann. Wer ist schon ohne Makel?

Die größte Herausforderung

Die Essenz dieses Buches kann vielleicht verglichen werden mit der Rede This Is Water von David Foster Wallace: Mensch sein heißt, die Welt um einen herum tatsächlich zu bemerken und wertzuschätzen. Und genau das ist die größte Herausforderung. „Ich glaube, dass das Universum bemerkt werden will“, sagt Hazels Vater – mit all seiner Eleganz und Schönheit, aber eben auch mit seinem Schmerz. Dieser Roman eröffnet auf diese Weise keine neue Seite dieses kritischen und momentan sehr präsenten Themas, aber sprachgewandt formuliert und gut zu lesen ist es allemal.

John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Hanser, 285 Seiten
Preis: 16,90 Euro
ISBN: 978-3-446-24009-4
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