Auf einen literarischen Mettigel KW 44

Ein stacheliger Genuss: der Mettigel   Foto der_dennis flickr CC BY-NC-SA 2.0Gestatten: Hemgesberg. Ich lade Sie hier und heute auf den literarischen Mettigel der vergangenen Woche ein – das vermeintlich stacheligste Häppchen aus dem Literaturbetrieb. Setzen Sie sich, es ist genug geschehen in dieser Welt der Philosophenschaumschläger und linken Goethe-Leserinnen, damit wir ein wenig plaudern können: Frau Wagenknecht liest Safranskis Goethe, die FAZ lenkt ein, und ein indischer Porno-Comic sorgt für Diskussionen.

von NADINE HEMGESBERG

Der Mettigel ist kein sonderlich scheues Tierchen, vielmehr ist das – Achtung schlechter Wortwitz – durchgedrehte Tier der widerborstige Star auf jeder militanten Anti-Veganer-WG-Party. Ein, möchte man fast meinen, kompiliertes kulinarisches Kulturgut erster Güte, neben dem schon fast vom Aussterben bedrohten Fliegenpilzei. Um ein solches Gut handelt es sich auch bei unserem alten Freund, dem Herrn von und zu Goethe, dem sich Monografienschreiber Rüdiger Safranski nun nach Heidegger, Nietzsche und Schiller und den ganzen anderen Größen freundlich zugewendet hat. Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht interpretiert Goethe als früheren Marx und goutiert diese „Biografie“ bis auf Safranskis abschätzige Meinung, Fausts Ende sei „erbärmlich“. (Den kompletten Artikel unter … )

FAZ lenkt ein

In einer Mitteilung der FAZ heißt es nun zur Causa „Lizensierung von Rezensionen“: „Lizenzfrei und ohne gesonderte Genehmigung möglich ist die Nutzung von Auszügen aus Rezensionen, die aus bis zu 25 aufeinanderfolgenden Wörtern bestehen.“ Die Regelung gelte zunächst nur für Mitglieder des Börsenvereins, so die FAZ auf Nachfrage von buchreport.de. Der Rechtsstreit mit buch.de ist davon jedoch nicht betroffen, das Urteil wird am 8. November erwartet. Im Zuge dieser Diskussion ist in der WELT vom vergangenen Wochenende die äußerst lesenswerte Verteidigung des Blurbs von Richard Kämmerlings zu lesen.

Ausgezeichnet

Sibylle Lewitscharoff wurde mit dem Georg Büchner Preis ausgezeichnetund die beiden Kanadierinnen Alice Munro und Margaret Atwood schnasseln zusammen ein Gläschen auf ihre Fabulierkünste und die Nobelpreisehren:

Kuriosa und Porno-Comics

Dass manche Fragen, die LeserInnen Autoren stellen können, eigentlich nur noch zum Kopfschütteln animieren, haben wir schon in einer anderen Kolumne festgestellt. Dass es sich dabei keineswegs allein um eine Kuriosität des Berufsstands SchriftstellerIn handelt, hielt Julya Rabinowich nun in einem Artikel für den österreichischen Standard fest: Und dass es wirklich noch viel bescheuertere Fragen an BuchhändlerInnen gibt, als die ewig quälende Erkundigung bei AutorInnen, ob ihr Schriftgut denn nun autobiografisch zu verstehen sei, belegt folgendes Beispiel: „Haben Sie Der Finger im Rücken?

Und dass so mancher Fan, ähnlich pubertierenden Teeniegirls, so völlig einen an der Waffel hat, beweist vielleicht ein Foto aus der vergangenen Nacht, bei einer Signierstunde von Neil Gaiman:

https://twitter.com/neilhimself/status/396580106950692864

Diane Metha macht in ihrem Artikel für New Republic eine interessante Beobachtung im Hinblick auf die pornografische indische Comicserie Savita und die Rezeption von Comics. Metha zufolge handele es sich bei der Rezeptionsgeschichte dieser und ähnlicher Comics um eine zu begrüßende Entwicklung, die Rückschlüsse auf das aufkeimende Selbstverständnis indischer Frauen und ihrer Sexualität zulasse.

Und in der nächsten Woche – ach, aufgemerkt, einen hab’ ich noch: Die wirklich bahnbrechende Erkenntnis, dass der große Philosophenschaumschläger für die Weisheiten-to-go-Generation Paulo Coelho genau 93 Menschen auf Twitter folgt, eine davon Dita Von Teese; seine buchprominente Kumpelschar wird dagegen eher mäßig verfolgt.

Häppchen alle, auf Wiederlesen.

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