Auf einen literarischen Dominostein KW 51

Leckere Dominosteine   Quelle: Wikimedia User Daniel SchwenGestatten: Hemgesberg. Ich lade Sie hier und heute auf ein schokoladiges Häppchen, den Dominostein der vergangenen Woche ein – den geschichteten Weihnachtsschmaus aus dem Literaturbetrieb. Setzen Sie sich, es ist genug geschehen in dieser Welt der Soap-LiteraturkritikerInnen und ListenschreiberInnen, damit wir ein wenig plaudern können: Verbotene Liebe – Elke Heidenreich hat es wieder getan, das Feuilleton zieht Bilanz für das Jahr 2013, Lisbeth hackt weiter und David Foster Wallace wird verfilmt.

von NADINE HEMGESBERG

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, und im deutschen Feuilleton werden Ratschläge gegeben, was denn nun noch unbedingt den Weg unter die grüne Nordmanntanne finden sollte. Die FAZ gibt Tipps für Unentschlossene, die WELT wählt die besten Krimis des Jahres, die Redaktion der ZEIT gibt Ihnen persönliche Buchtipps und die Presse macht gar die große Abrechnung in Gold, Silber Bronze und Schrott. Wenn Sie jetzt nichts Adäquates auf den letzten, vorweihnachtlichen Drücker finden, dann weiß ich aber auch nicht weiter. Seien Sie aber vorsichtig, denn SIE sind wieder unterwegs: Die in Horden auftretenden, verhuschten Menschen, die sich in einer Art schwarmintelligenter Choreographie um Bestsellerlistenregale schlängeln, Papeterieartikel einfangen und Bücher kaufen, von denen sie glauben, sie könnten etwas für den Schwippschwager der Tante zweiten Grades sein und völlig verkennen, dass Bücher zwar grundsätzlich ein nettes Geschenk sind, aber bei höchstens 2% der VielleserInnen in Deutschland wirklich zu einem überschwänglichen Freudentsunami im Synapsensystem führen. Den Sie beim Schwippschwager ihrer Tante zweiten Grade aber nur vage vermuten konnten. Und dennoch, ja, verschenken Sie Bücher, seien Sie renitent und verschenken Sie die bibliophilen Freudenwellen an jeden und jede! Pathos aus, kommen wir zum Geschäft: der Rückblick …

Literatur und Fernsehen

Es passierte ein Mal, es passierte noch ein zweites Mal und im Dezember 2013 passierte es wieder: Elke Heidenreich, bekennender Verbotene Liebe-Fan, hat es wieder getan. In der Rolle der Privatdetektivin Felizitas Haverdorn futtert sie Leberwurststullen ohne Gürkchen, bestellt sich ein kühles Blondes und erfüllt Aufträge für den weichgespülten Bösewicht Ansgar von Lahnstein. Und was soll ich Ihnen sagen, Frau Heidenreich ist gewohnt sympathisch und ihre Auftritte entbehren nicht eines charmanten Witzes, den man bei der Kombination ‚Literaturkritikerin und Fernsehsoap‘ vorerst nicht im Sinn hatte. Und Frau Heidenreich würde vielleicht sagen: „Machen Sie sich den Spaß, GUCKEN!“

Und eine weitere Kombination aus Literaturgeschäft und Bewegtbild sorgt für Aufsehen: die Verfilmung von Although of Course You End Up Becoming Yourself von David Lipsky, das 2010 erschien und die Konversationen mit David Foster Wallace auf dessen Lesereise zu Infinite Jest im Jahr 1996 dokumentiert. Die Wahl der Schauspieler, vor allem im Fall der Verkörperung von David Foster Wallace, wird heiß diskutiert. Jason Segel, der für seine komödiantischen Rollen in Hollywoodfilmen und seine Rolle des Marshall Eriksen in der Serie How I Met Your Mother bekannt ist, soll Wallace spielen und Jesse Eisenberg den Part des David Lipsky übernehmen. Was sich zunächst skurril anhört und als Besetzung nicht so recht passen will, könnte eine große Chance für Segel sein, von seinem ewigen Comedy-Image wegzukommen und sich für ernsthafte Rollen zu empfehlen.

Aller guten Dinge sind drei? Nein! Die Millenium-Trilogie rund um Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander von Stieg Larsson, die mit dem dritten Teil ein, wenn auch unfreiwilliges Ende, aufgrund des Todes ihres Autors fand, soll nun in einem vierten Teil fortgesetzt werden. So will es zumindest der Norstedts-Verlag, der eigens für den vierten Teil David Lagercrantz angeheuert hat. Doch soll nicht etwa das Fragment von Larsson selbst (um das Erbe tobte ein erbitterter Streit zwischen der Familie Larssons und seiner Witwe) Grundlage für diese Fortsetzung sein, sondern einen unabhängig davon konzipierten Plot haben. Dass es sich bei dieser Gemenge- und Interessenlage um eine gute Entscheidung seitens des Verlages handelt, mag bezweifelt werden.

Und in der nächsten Woche: Legen wir eine Kolumnen-Pause ein – denn kulinarisch-komatös geht es an den Feiertagen ja eh schon zu – und frönen dem Einkauf mythologischer Knallkörper und schießen mit 100 Schuss die pyrotechnischen Raketen-Gottheiten Zeus, Venus oder Caligula in den Nachthimmel. Welch schon längst fällige Synthese an Deutschlands Knallkörper-Grabbeltischen. Häppchen alle, auf Wiederlesen.

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