Auf einen literaturkritischen Eklat, KW. 21

Stefan_Zweifel_wikimedia user HaemmerliGestatten Hemgesberg. Es gibt ordentlich Beef im Literaturclub des SRF: Elke Heidenreich und Stefan Zweifel gerieten bei der Diskussion über Martin Heideggers Schwarze Hefte heftig aneinander. Heidenreich zitierte falsch, Zweifel wird degradiert.

von NADINE HEMGESBERG

Im Gespräch über eben diesen Eklat sagte Freundin S. am Freitag zu mir, die Heidenreich, die lese doch alles, wo vorne ein Papagei drauf sei oder eine Palme. Das mag stimmen oder nicht, auf Heideggers Schwarzen Heften jedenfalls ist weder ein Papagei noch eine Palme, alles nur schwarz auf grau. In der Diskussion mit Zweifel sagte sie dann: „Ein Satz wie, ich kann ihn ja kaum lesen, also auch Klügere als ich verstehen ihn nicht, ich schäme mich dessen nicht, dass ich vieles nicht verstehe: Die verborgene Deutschheit müssen wir entbergen und das tun wir, indem wir die Juden endlich beseitigen aus Deutschland.“ Zweifel erwidert, dass dieser Satz nicht in den Schwarzen Heften stehe, „Doch.“, „Nein.“, „Doch!“, „Nein.“, Heidenreich knallt das Buch in erbostem Furor auf den Tisch: „DOCH!“

Man könnte meinen, Heidenreich und Zweifel seien an Stelle einer Barbara Schönebergers von Homann für das Productplacement irgendeiner Fertigsalatkreation in bester Louis de Funès Manier angeworben worden.

Aber, Spaß bei Seite: Heidenreich bestand zunächst vehement darauf, das Zitat sei korrekt. Auf Nachfrage der Basler Zeitung korrigierte sie, sie habe Heidegger zitiert und mit Wendungen aus einem SZ Artikel und „eigenen Gedanken“ gemischt. In einem weiteren Artikel der SZEklat um Heidenreichs Heidegger-Fälschung“ heißt es wiederum: „In der Tat gibt es in Heideggers ‚Schwarzen Heften‘, wie in der SZ am 25. März zu lesen, die ‚verborgene Deutschheit‘ und das ‚entbergen‘, aber nicht ein klares Bekenntnis zum ‚Beseitigen‘ der Juden. Auf die SZ kann sich Heidenreich für ihr selbstgebasteltes Zitat nicht berufen.“ Benedict Neff kommentiert ebenfalls in der Basler Zeitung das Vorgehen der SRF Redaktion, Stefan Zweifel seinem Moderationsamt zu entheben und nur noch als Kritiker in der Runde agieren lassen zu wollen, in der nächsten Sendung sei er jedoch bereits nicht mehr dabei: „Das Schweizer Fernsehen bestätigt derweil, dass Zweifel in der nächsten Sendung vom 23. Juni nicht mehr anwesend sein wird, weder als Moderator noch als Kritiker. Der Dilettantismus hat im Leutschenbach gesiegt.“

Die ganze Sendung mit Elke Heidenreich, Stefan Zweifel, Rüdiger Safranski und Julian Schütt ist beim SRF einsehbar. Neben Heideggers Schwarzen Heften werden noch Yasmina Rezas Glücklich die Glücklichen, Transatlantik von Colum McCann, Martin Mosebachs Blutbuchenfest und Sibylle Lewitscharoffs Killmousky besprochen.

Und wie das alles bei Raddatz war? Das lesen Sie am besten beim Umblätterer nach: „Der Fall Elke Heidenreich“.

Häppchen alle, mehr Beef in der nächsten Woche. Schüss.

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4 Gedanken zu „Auf einen literaturkritischen Eklat, KW. 21

  1. Stefan Zweifel war der faehigste Mensch, der in den letzten Jahren in einer deutschsprachigen Literatursendung ueber Buecher gesprochen hat. Dass der SRF ihn nun fuer Heidenreich opfert, ist schlicht ein Schuss ins Knie.

  2. Stefan Zweifel ist übrigens auch Komparatist 🙂

    Man kann in der Sendung in Heidenreichs Gesicht geradezu ablesen, wie sie es nicht schafft, seinen Ausführungen zu folgen. Zweifels Degradierung und faktischer Ausschluss aus dem Literaturclub ist eine Blamage sondergleichen für den SRF.

  3. Hält das Buch in der Hand, ist aber unfähig, das Zitat rauszusuchen. Stattdessen donnert sie das Buch auf den Boden. Braucht man noch mehr klare Beweise für die Unfähigkeit eines Menschen (und eines Senders) (zumindest in dieser einen Situation)?

  4. Was Heidenreich über Heidegger gesagt hat war ja so in etwa: Ich habe ihn nicht verstanden, ich habe ihn auch nicht gelesen, aber trotzdem will ich jetzt mal was sagen … – Mit so einer Grundhaltung im Fernsehen als Literaturkritikerin aufzutreten ist schon stark.

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