Ku(c)K mal all der TANZ

KUK Award - Meythal Blanaru   Foto:  Leif Firnhaber PinosTanz und noch mehr Tanz bei der Langen Nacht der Kurzen und Knappen Stücke in der Casa des Schauspiels Essen. Dort wurden am letzten Maitag die drei besten Choreografien aus allen Tanzrichtungen gekürt.

von SILVANA MAMMONE

Unkonventionell und wenig pompös, dafür umso aufregender ging es bei dem diesjährigen KuK Award 2014 zu. Das Minifestival fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe 638 Schritte Tanz, gefördert von der Stiftung Kulturhauptstadt Ruhr.2010, statt und wurde geleitet von Jelena Ivanovic und Sabina Stücker. Nicht weniger als siebzehn Tanzstücke wurden im Rahmen des Festivals präsentiert. Erlaubt ist alles von Ballett über zeitgenössischen Tanz bis zu Flamenco und Folklore. Nur kurz müssen sie sein und einem professionellen Hintergrund entspringen. Für den Wettbewerb angenommen werden die ersten achtzehn Bewerberinnen und Bewerber, das heißt eine Vorauswahl findet nicht statt. Gleiches Recht für alle, die Tanz ihren Lebensinhalt nennen dürfen und eine eigene Choreografie zu präsentieren haben. Der Altersdurchschnitt ist eher niedrig und so haben auch einige Tanzstudenten der Folkwang Universität der Künste mit ihren eigens erarbeiteten Choreografien teilgenommen. Aber auch reifere Tänzer waren dort, wie Paul Hess, welcher mit seiner imitierten und authentisch kommentierten Pferdekür das Publikum einige laute Lacher gekostet hat. Auch technisch gesehen war das Festival wenig aufwendig und frei nach der Devise, dass die jeweiligen Choreografien im Mittelpunkt stehen sollen. So war die Lichtstimmung stets gleichbleibend und Requisiten oder Ähnliches wurden nicht verwendet.

Tiefe Einblicke in die weite Welt des Tanzes

Tanz pur und in seiner ganzen Vielfalt, ohne Kontext oder Vorwissen zu den jeweiligen Tänzerinnen und Tänzern oder zu den präsentierten Stücken, gibt das Festival nicht nur professionellen Choreografinnen und Choreografen eine Chance sich auszuprobieren und ihre Ideen zu verwirklichen. Auch dem Publikum, ob tanzerfahren oder nicht, wird die Möglichkeit geboten, viel über Tanz zu lernen und mitzunehmen. Darin ist das Festival einzigartig, denn nicht oft hat man die Chance siebzehn Tanzstücke am Stück zu sehen und zu bewerten. Und auch die Situation der Rezeption ist keine herkömmliche. Sitzt man sonst doch meist nach reifer Überlegung, ob einen dieses oder jenes Stück denn auch interessiert, in Theatern, Programmheft auf dem Schoß, gespannt, dass das Saallicht ausgeht und das Stück beginnt. Wie bewertet man Tanz, ohne jegliches Wissen über den Hintergrund des Stückes und des ausgewählten Themas, sowie der Tänzerinnen und Tänzer? Wenn man nicht einmal weiß, welche Tanzrichtung einem im nächsten Stück begegnen wird?

Diese Tänzer umgehauen

So war die Situation eine überaus spannende, die jeden Zuschauer dazu einlud, seine eigene Reaktion und subjektive Beurteilung stets zu reflektieren und zu hinterfragen. Das Festivalformat bietet die pure Unmittelbarkeit von Tanz, und das allein verdient großes Lob. Zudem wurden viele großartige TänzerInnen und PerformerInnen gezeigt. Zu den Höhepunkten zählte Charlotte Virgills Choreografie Schwarzbach 79, ein Duo getanzt zusammen mit Safet Mistele, in der sie es schafften, eine ruhige und doch elektrisierende Spannung zwischen sich zu erzeugen. Ebenso beeindruckt haben die verzerrten Gesichter und verkrampften Bewegungen von Alejandra Jenny Palma in ihrer an Physical Theatre angrenzenden Choreografie Wille. Darin kommuniziert sie in ironischer Manier den Schmerz und die Absurdität eines nicht zu brechenden Willens.

Von Akrobatik über Tanztheater, Contemporary und Physical war einiges zu bestaunen, sodass die Entscheidung, in welche Urne man die zwei kleinen Abstimm-Weihnachtkügelchen plumpsen lassen sollte, allen Zuschauern schwerfiel. Am Ende gab es zwei zweite Plätze, Sekt und einen strahlenden ersten Sieger. Der Preis von eintausend Euro ging an Frederico Zapata und Luis Viana für ihre Solo-Choreografie Arrojo, eine Choreografie zu Maurice Ravels Bolero, welche mich vor allem durch ihre subtile Intimität beeindruckte. Die zweiten Plätze gingen an Marie Lena Kaisers Tanztheaterstück Glühendes Orange und das bereits erwähnte Stück Wille von Alejandra Jenny Palma.

Mit Sekt, Giotto und Häppchen im Bauch, sowie vielen tänzerischen Eindrücken und Anregungen gingen TänzerInnen und Publikum nach Hause. Der KuK Award war nicht nur ein gelungener Tanzabend, sondern stellt vor allem eine Plattform dar, die dem Ruhrgebiet und seinen tanzwütigen Einwohnern hoffentlich erhalten bleibt.

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