Auf ein unliterarisches Wochenende, 34. KW

F/Wv1.80Gestatten Hemgesberg. Idylle, ein schlechtes Rumpsteak, Seife, Quietscheenten und Senf: Wenn sie sich einen Reim auf diese pikante Akkumulation machen können, sind sie entweder ein gestörter Fleischfanatiker aus der Sesamstraße, der es extra „scharf“ mag oder sind – so wie ich – im beschaulichen Monschau gestrandet.

von NADINE HEMGESBERG

Eigentlich müsste ich Ihnen nun die Sexismusdebatte des Literaturbetriebs darlegen, denn genau die war bestimmend in der vergangenen Woche. Aber am besten ist, Sie lesen das selbst nach: Dana Buchzik mit dem geforderten #Aufschrei im Literaturbetrieb, Jan Drees sammelte Stimmen aus dem Betrieb zu verschiedensten Fragestellungen, die die Benachteiligung von Frauen und die Einführung einer Frauenquote bei Literaturpreisen erruieren sollten (auch auf der Facebookseite von Jan Drees wurde äußerst divers und kontrovers debattiert, u.a. von Florian Kessler, Christoph Schröder, David Hugendick, Anousch Müller, Angela Leinen). Auch Frau Berg schreibt in ihrer Spon-Kolumne zur Debatte: „Das Bashen von Künstlern ist so langweilig wie das Betrachten von Betonmischern“.

Und uneigentlich schreibe ich Ihnen nun von meinem wunderbar unliterarischen Wochenende im noch-Sommer vergangener Wochen. Einfach so, weil. Die Eifel ist bekannt für ihre Regionalliteratur, im besonderen Maße für ihre Krimis und die dazugehörigen „einfachen“ Menschen und idyllischen Landschaften. Man kann sich hier – ganz unliterarisch und im real-life-Abenteuer – auf eine atemberaubende Spurensuche oder auch „Blutspur“ begeben, an „Originalschauplätzen“  herumlungern (Kippen, Haare und sonstige Gegenstände verlieren, die solche Orte normalerweise verunreinigen), „Tatorte“ besichtigen und die frisch vertikutierten Orte des Grauens mit Highheels durchstaksen. Man könnte aber auch im Krimihotel seine knisternden Flitterwochen verbringen und beim Höhepunkt kreischend in Miss Marples schlupflidrige Augen schauen – Wer hat nicht schon immer davon geträumt? Und ebenso könnte man einen ordentlich gebrauten Latte im Café Sherlock, dem ersten Krimi-Café Deutschlands, schnabulieren. Ach herrlich, frohlockend quietscht in mir die Idylle.

Doch was war das? „Dramatisch“ war der Boykott des Monschauer Wochenspiegels im Jahr 2010, als dieser nichts mehr über das Eifel-Literatur-Festival schrieb – es „darf kein einziges Wort mehr über das Eifel-Literatur-Festival erscheinen, keine Ankündigung, kein Gewinnspiel.“
Das literarische Fest der Extraklasse der Zensur ausgesetzt? In diesem Jahr scheint die Marketingmaschine ganz wunderbar angelaufen zu sein, die meisten Veranstaltungen sind ausverkauft.

Aber, all das hat eher weniger meine Aufmerksamkeit geweckt. Bis auf die exegetische Auslegung einiger Fußball-WM-Kommentare – denn zu dieser Zeit spielt meine Reise im pittoresken Örtchen der Eifel, in der das Kopfsteinpflaster und holländische Motorradausflügler regieren –, war es ein Wochenende ganz ohne Literatur. Denn Monschau lässt sich eben wie folgt zusammenfassen: Wirtshäuser, die es sich leisten können, schlechte Steaks zu servieren, Quietscheenten die einem an jeder Ecke als Mitbringsel auflauern, Schnaps, Seife und Senf in den nur erdenklichsten Kombinationen mit anderen Lebensmitteln und Geschmacksrichtungen. So viel also zum unliterarischen Wochenende.

Senfhäppchen alle, auf Wiederlesen.

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