„Der Inbegriff von Theater“

Jana Schulz und Friederike Becht erhalten den Bochumer Theaterpreis 2014, Hannelore Hoger wird mit dm Bernhard-Minetti-Preis ausgezeichnet   Foto: Sabine KoserDer Kemnader Kreis ehrt Hannelore Hoger mit dem Bernhard-Minetti-Preis und der Freundeskreis Schauspielhaus Bochum e.V. kürt zum nunmehr 9. Mal die besten Schauspielerinnen und Schauspieler des Hauses mit dem Bochumer Theaterpreis. Friederike Becht und Jana Schulz nehmen die Bronzekugeln in den Kategorien Nachwuchs und Arrivierte nach Hause.

von NADINE HEMGESBERG

Bereits im vergangenen Jahr war Friederike Becht für den Bochumer Theaterpreis in der Kategorie Nachwuchs nominiert, musste jedoch der Kollegin Kristina Peters den Vortritt lassen. In diesem Jahr konnte sie die Freunde und Freundinnen des Bochumer Schauspielhauses im besonderen Maße überzeugen und gewinnt gegen die Ensemblekollegen Torsten Flassig und Matthias Kelle den Bochumer Theaterpreis. Über den Begriff Nachwuchs ließe sich bei Becht fast streiten: 5 Jahre Bühnenerfahrung ist die Grenze für die Vergabe in dieser Kategorie, so zu lesen in den Statuten des Freundeskreises – es ist Bechts fünftes Jahr. Sie gehört doch mit zahlreichen Rollen am Bochumer Haus (u.a als Maria Molina in Falladas Ein Mann will nach oben [Anselm Weber], Desdemona in Shakespeares Othello [David Bösch], Ljudmila in Wassa Schelesnowa [Jan Neumann]) und kleineren und größeren Rollen in Fernseh- und Kinoproduktionen (u.a. Der Vorleser, Westwind, Hannah Arendt und Im Labyrinth des Schweigens) bei Weitem nicht mehr zu den Newbies im Schauspielgeschäft. Als nächstes ist sie als Luise in der Inszenierung Kabale und Liebe des Bochumer Intendanten Anselm Weber zu sehen [Premierenkritik, Fabian May]. Die Laudatio hielt die Kulturkritikerin Ronny von Wangenheim, Friederike Becht betonte wie glücklich sie sei, dass ihr Berufswunsch, den sie mal als kleines Mädchen von 9 Jahren geäußert hatte, nachdem sie Walt Disneys König der Löwen sah und fasziniert davon war, dass Menschen sich eine Geschichte gemeinsam ansahen, in Erfüllung gegangen ist: „Ich bin ein sehr glücklicher Mensch.“

Vollgastheater

Als Roger Vontobel, Hausregisseur am Schauspielhaus Bochum, auf die Bühne eilte und jeglichen Spannungsbogen vermied, da war es eigentlich schon klar: Jana Schulz erhält hochverdient den Bochumer Theaterpreis in der Kategorie Arrivierte (Die Nibelungen, Was ihr wollt, König Richard der Dritte, Hedda Gabler und Einsame Menschen). Vontobel, den mit Schulz eine langjährige Zusammenarbeit seit ihrer beider Ausbildung in Hamburg verbindet, hielt eine bewegende Laudatio auf eine Schauspielerin, die keine Kompromisse zulässt und als Gast am Bochumer Haus eine nicht mehr wegzudenkende Größe ist. Ebenfalls in der Kategorie Arrivierte waren Felix Rech (u.a. Die Nibelungen, Hedda Gabler, Othello, Ein Mann will nach oben) und der Musiker Torsten Kindermann (Bochum) nominiert.

Hans Joachim Salmen, Vorsitzender des Freundeskreises, stellte Jana Schulz in eine Reihe mit anderen großen Schauspielerinnen in Bochum: Hannelore Hoger, Ilse Ritter und Imogen Kogge. Regisseur Vontobel lobte Schulz’ „tiefenterroristische“ Herangehensweise an ihre Rollen, Jana Schulz nehme keine Rücksicht, gehe immer an die Grenzen und sei bedingungslos in ihrem Spiel. Er verdeutlichte diese Eindrücke mit mehrerlei Anekdoten: 2001 arbeiteten sie das erste Mal zusammen an dem Monolog [FI’LO:TAS], Schulz habe vor der Premiere zunächst selbst das Mehl auf der Bühne ausgestreut, sich dann einen elektrischen Haarschneider geschnappt und sich die Seiten „ratzekahl“ rasiert, sich mit Mehl und Haar eingerieben und gespielt. Auch bei der Arbeit am Käthchen von Heilbronn sei Vontobel beeindruckt gewesen von Schulz: In einer Szene müsse das Käthchen in ein brennendes Haus zurücklaufen, auf der Bühne stand Schulz ein Stuntman und Brandschutzexperte zur Seite, in Flammen stand sie in einem einstürzenden Gebäude, „wenn Käthchen das muss, dann Schulz nicht weniger“. Bei Schulz ginge es immer um „Vollgastheater“, um die „theatrale Tiefenbohrung“ und „eine feine Forschungsarbeit in Sachen Mensch“, die nicht unterscheidet zwischen Mann und Frau, sondern sich immer um das Menschliche drehe. Und das, so Vontobel, das sei „der Inbegriff des Theaters“. [Das ausführliche Portrait von Jana Schulz folgt in Kürze]

Stehende Ovationen für Hannelore Hoger

Hannelore Hoger erzählt von ihrer Bochumer Theaterzeit   Foto: Sabine KoserIch liebe meinen Beruf, ohne ihn hätte ich mein Leben nicht geschafft“, sagte Hannelore Hoger am Ende ihrer durch die Jahrzehnte mäandernden Rede. Eine sehr gute, vielleicht die beste Theaterzeit, habe sie am Bochumer Schauspielhaus mit Zadek gehabt. Der Kemnader Kreis ehrt sie mit dem nun zum dritten Mal vergebenen Bernhard-Minetti-Preis.

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