Saul Goodman is back

Better Call Saul mit Bob OdenkirkWiedersehen mit alten Bekannten: Netflix bringt das Breaking Bad Spin-Off Better Call Saul an den Start. Ob der Ableger mit Bob Odenkirk in der Hauptrolle (und als Produzent) an den gigantischen Erfolg von Breaking Bad anknüpfen kann?

von NADINE HEMGESBERG

Im September 2013 war alles vorbei, in den USA lief die letzte Folge von Breaking Bad. Nach fünf Staffeln Crystal-Meth-Cooking in Wohnwagen und sterilen Großraumlaboren sowie einer beeindruckenden Verwandlung des Familienvaters Walter White (Bryan Cranston) in den kompromisslosen Meth-Koch Heisenberg überzeugte ein großes Finale die eingefleischten Serienfans, und Breaking Bad kam – im Gegensatz zu manch anderer Serie (Lost, for heaven’s sake!) – zu einem äußerst runden Ende. Mit Better Call Saul ist man nun – endlich – zurück in Albuquerque, New Mexico – und Nebraska.

Vom Regen in die Traufe

Die Einstellungen sind schwarz-weiß: Man sieht, wie Saul Goodman in einer Cinnabon-Filiale in Nebraska Teig knetet und den Laden sauber macht, ein Schnauzer ziert seine Oberlippe, auf der Nase eins dieser dünnen Kassengestelle. Der Erzählstrang knüpft an das Ende von Breaking Bad an; Goodman hat sich von seinem alten Leben verabschiedet und eine neue Identität angenommen, in der er stetig glaubt, erkannt zu werden und den alten Zeiten mit einer Videokassette mit all seinen Werbeclips nachhängt. Aber eigentlich geht es bei Better Call Saul darum, wie Goodman zu dem wurde, der er ist: ein krimineller Anwalt, der sich gemeinmacht mit den Drogen-Ganoven von Albuquerque. James McGill, wie Saul Goodman zu Beginn der Geschichte rund sechs Jahre vor seiner Zeit mit Walter White und Jesse Pinkman noch heißt, ist jedoch das komplette Gegenteil des schmierigen Entertainers, der er in der erzählten Zeit von Breaking Bad sein wird. Als Pflichtanwalt schlägt er sich gerade so durch, das eigene Büro ist im Heizungsraum eines Fußpflege-Salons, und um seinen arbeitsunfähigen Bruder Chuck, der Partner in einer großen Anwaltskanzlei ist, sich jedoch nicht einfach ausbezahlen lässt, muss er sich auch noch kümmern. Mit dem Ethos eines rechtstreuen Anwalts ist es aber bald schon vorbei. In McGill regt sich die kriminelle Ader, um an bessere Aufträge und mehr Geld zu kommen. Vom Regen kommt er in die Traufe: Am Ende der ersten Staffel steht er vor einer geladenen Waffe, die ein alter Bekannter hält, der völlig irre Drogenboss Tuco Salamanca (Raymond Cruz).

Serie mit Potenzial und Wiedererkennungswert

Serienmacher Vince Gilligan, der ebenfalls für Breaking Bad verantwortlich zeichnet, bleibt auch bei Better Call Saul ganz seiner Bildästhetik und der sich Zeit lassenden Narration ohne schnelle Schnitte treu. Auch die gewählten Perspektiven sind typisch für Gilligan, der bereits in Breaking Bad mit ungewohnten Einstellungen einerseits sehr nah am Geschehen war und andererseits oft mit Bildtotalen arbeitete, die eine größtmögliche Distanz zum Geschehen gaben, allerdings auch immer den Rahmen öffneten für das – im eigentlichen wie im metaphorischen Sinn – „bigger picture“. Man darf gespannt sein, wie sich diese Serie entwickeln wird: Dass Gilliganein genialer Showmaster ist, hat er bereits bewiesen. Better Call Saul bietet trotz des gesetzten Erzählgerüsts durch Breaking Bad enormes Potenzial, um nicht nur die Figur von James McGill alias Saul Goodman auszubauen, sondern auch eine ganz eigenständige Geschichte zu entwickeln.

Die ersten beiden Folgen sind bereits auf Netflix zu sehen, jeden Dienstag kommt eine weitere Folge hinzu.

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