STADT durch Kunst neu denken und erleben – Urbane Künste Ruhr 2015

Logo Urbane Künste RuhrSeit nunmehr vier Jahren inspiriert das Festival Urbane Künste Ruhr das Ruhrgebiet und seine Bewohner. Auch in diesem Jahr präsentiert es, unter der künstlerischen Leitung von Katja Aßmann, experimentelle, grenzüberschreitende und nachhaltige Kunstprojekte. Von Mai bis November wird das Programm diverse Stadtlandschaften im Ruhrgebiet neu erforschen und dazu anregen, es bleibend zu verändern.

von SILVANA MAMMONE

Urbane Künste Ruhr ist seit 2011 bei der Kultur Ruhr GmbH angesiedelt und baut unter anderem auf den Errungenschaften der Kulturhauptstadt Europas Ruhr.2010 auf. Seit Anbeginn stellt das Festival eine überaus weitläufige Plattform dar, die nicht nur Künstler, sondern auch einzelne Kulturstätten und Anwohner des Ruhrgebiets miteinander verbindet und zum Austausch anregt. Auf der Pressekonferenz für die kommende Saison wurde besonders deutlich, dass die Beweggründe für das Festival weit über ein rein künstlerisches Interesse hinausgehen. Denn durch die Ausschöpfung verschiedener Kunstformate sollen „Spuren in der Stadtlandschaft hinterlassen“ werden, die zu neuartigen und letztendlich produktiven Diskussions- und Denkanstößen führen, wie Pressereferent Nikolaos Georgakis betonte. Die Zukunft stets vor Augen, sucht Urbane Künste Ruhr die drängenden Fragen und Problematiken des urbanen Raums aufzudecken und Lösungsansätze zu ergründen.

Das Netzwerk an regionalen und internationalen Künstlern sowie kulturellen Akteuren ist mittlerweile bemerkenswert weitläufig und für Außenstehende kaum mehr nachzuvollziehen. Während der Fokus definitiv auf der Entwicklung des Ruhrgebiets liegt, werden gleichzeitig internationale Künstler, die vor ähnlichen Herausforderungen bezüglich des Urbanen stehen, vielfach mit einbezogen, um kontinuierlich Anregung und Austausch zu schaffen. Ergebnis dieses Bestrebens ist in diesem Jahr unter anderem das Gemeinschaftsprojekt Nomanslanding von Urbane Künste Ruhr/Ruhrtriennale, Glasgow Arts/Merchant City Festival und der Sydney Harbour Foreshore Authority. Dabei handelt es sich um eine schwimmende, zweiteilige Flüsterkuppel, die an verschiedenen Orten der Welt errichtet werden kann und im August am ehemaligen Eisenbahnhafen im Duisburg-Ruhrort Premiere bzw. Einweihung feiern wird. Die Ufer-zu-Ufer-Installation nimmt die Thematik des Ersten Weltkriegs zum Anlass und untersucht die Beziehung zwischen Stadtgemeinschaft und Wasser. Es wird eine Live-Performance in Form eines Klageliedes im Innern der Kuppel geben. Ebenso Zeugnis des bemerkenswerten Netzwerkes, welches Urbane Künste Ruhr aufgebaut hat,  ist In/Visible City 2015, die dritte Auflage von Urban Lights Ruhr, dieses Jahr in Zusammenarbeit mit dem internationalen Medienkunstnetzwerk Connecting Cities. Hierzu versammeln sich internationale Künstler unter einem Kuratoren-Team aus Deutschland, Großbritannien und Kanada, um verborgene und in Vergessenheit geratene Orte im Ruhrgebiet im wahrsten Sinne des Wortes neu zu beleuchten und künstlerisch zu betrachten.

Zukunft von Mensch und Stadt

Das Festival vereint nicht nur Kunstschaffende miteinander, es begründet ebenso einen Ort der Begegnung für Menschen der verschiedensten Nationalitäten und Generationen und erweitert so das Konzept der Stadtgemeinschaft im Ruhrgebiet. In diesem Jahr verwandelt sich das Gelände der Jahrhunderthalle in ein Zukunfts- und Kunstlabor, in welchem Jugendliche der gesamten Ruhr-Region der Frage nachgehen: „In welcher Welt willst du leben und was bist du bereit dafür zu tun?“ Das dazugehörige Projekt Pottfiction startete im Zuge von RUHR.2010 und genießt mittlerweile einen hohen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad. Es lädt Jugendliche dazu ein, auf möglichst selbstständige Weise Themen wie Konsum oder die aktuelle Flüchtlingsproblematik zu diskutieren und künstlerisch auszuloten. Um möglichst viele junge Menschen mit ihren Ansichten und individuellen Fähigkeiten unter einen Hut zu kriegen, kooperieren Theater aus den unterschiedlichsten Ruhrgebietsstädten. Ein weiteres, nicht minder herausragendes Projekt in Zusammenarbeit mit dem Impulse Festival und unter dem Titel Silent University, richtet sich insbesondere an Flüchtlinge, Migranten und Asylbewerber, die ihre akademische Ausbildung in Deutschland weder nutzen noch erweitern können. Das Konzept stammt von dem kurdischen Künstler Ahmet Ögüt und soll autonom wie auch nachhaltig (11. Juni 2015 – Ende 2017) einen Raum des intellektuellen Austauschs schaffen, der für alle Bewohner zugänglich ist. Dazu wird ein unabhängiger, universitärer öffentlicher Raum geschaffen, der allen Interessierten zur Verfügung steht und in dem gemeinsam und voneinander gelernt sowie diskutiert wird.

Letztlich geht es bei Urbane Künste Ruhr auch darum, die vielfältigen Stadtlandschaften des Ruhrgebiets zu bespielen, neu zu entdecken und positiv zu verändern. ‚Neu entdeckt‘ wird ab dem 15. Juni der Kreis Wesel im Zuge von Reisen im Kreis. Dazu haben sechs Künstler sechs verschiedene „Tagesreisen“ konzipiert, die die kontrastreiche Umgebung erkunden werden – und das nicht nur zu Fuß, sondern auch mal mit dem Fahrrad, Reisebus oder Boot. Innovativ gestaltet und zugänglich gemacht wird dieses Jahr ebenso das Parkgelände der Zeche Carl in Essen, unter der Leitung der Künstlerin und  Kuratorin Tanja Goethe. Durch Skulpturen, Performances und Interventionen soll das „identitätsstiftende, soziale und kulturelle Potential“ des Areals erforscht und zugleich erweitert werden. Präsentiert wird das Ganze ab dem 05. Juli in Form von Führungen, kuratierten Spaziergängen und Workshops.

Man kann sich bei Urbane Künste Ruhr 2015 auf einen Schwall an innovativer Kunst und anregendem Input freuen, der die verschiedensten Orte des Ruhrgebiets mit einbezieht und gleichzeitig stets dessen Grenzen zu erweitern sucht. Mit den Worten von Katja Aßmann zusammenfassend gesprochen: „Die Projekte von Urbane Künste Ruhr sind ein Abbild der Vielfalt von urbanen Wirklichkeiten und der Möglichkeiten der Kunst, neue Perspektiven in die Diskussion um die Zukunft unserer Gesellschaft und der Städte, in denen wir leben, einzubringen.“ Bleibt nur noch zu sagen: Asphalt frei!

Informationen zu den Veranstaltungsorten, Terminen und weiteren Projekten

 

 

 

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