Tanzt umschlungen in Bass und Licht!

Ritournelle

Ritournelle“ der Ruhrtriennale an der Jahrhunderthalle. Foto: Marcus Simaitis

Une Ritournelle – ein Lied, ein Refrain, ein sich wiederholendes Musikstück, zirkulierend, durchdringt es den frühen Abend und die Nacht in und rund um die Jahrhunderthalle. Nach dem Einläuten des Eröffnungswochenendes der Ruhrtriennale am Freitag durch Accattone in Dinslaken dient das ehemalige Industriegelände in Bochum in- und outdoor der Festivalnacht für elektronische Musik Ritournelle als Heimstatt. Imposant will man sie nennen, beeindruckend und laut.

von SYLVIA KOKOT

Die Erschließung ehemaliger Industrielandschaften für kulturelle Events kann im Ruhrgebiet schon beinahe als tradiert gelten. Eine feste Größe in dieser Tradition ist die Ruhrtriennale, und so wundert es wohl kaum jemanden, wenn an diesem Wochenende elektronische Beats vom Festivalgelände durch den Westpark wabern und die Nacht zum Tag machen.

Vor dem Eingang zur eigentlichen Ritournelle passiert man erst einmal die begehbare Großinstallation The Good, the Bad and the Ugly des Ateliers Van Lishout – diese ist für sich schon einen Besuch wert und soll auch im weiteren Verlauf der Ruhrtriennale als Begegnungszentrum fungieren. Viele Festival-Besucher schauen sich dieses Kunstdorf auch an, bevor sie sich auf das abgetrennte Festivalgelände begeben.

Kulisse

Um 18 Uhr legen dann schon auf dem international und regional konzeptionierten Goethebunker Outdoor Floor die ersten DJs auf. Erst noch ein wenig verhalten beginnen die Besucher sich langsam auf der Tanzfläche zu den Sets von Simon Hildebrandt und später von Ahmet Sisman zu bewegen. Zu verlockend scheint die Kombination aus Musik und Kulisse, um lange still zu stehen: Unterm illuminierten Wasserturm neben den Kühltürmen tanzt es sich eben auch bei leichtem Nieselregen gut. So lässt eine Besucherin verlauten, die Musik sei äußerst tanzbar, und hebt besonders den später auflegenden Pantha Du Prince hervor. Neben diesem treiben dann noch diverse andere Künstler die Menge durch die Nacht: Barnt, Roman Flügel, Rødhåd u.a.

Caribou bei Ritournelle

Caribou bei Ritournelle“ der Ruhrtriennale an der Jahrhunderthalle. Foto: Marcus Simaitis

Vibration

Der Bass durchdringt den Körper, dass sich selbst die Härchen auf Armen und im Nacken aufstellen, wie ein Herzschlag durchpulst er die riesige Halle und lässt Stahlkonstruktionen und Körper vibrieren. – Neben dem hörbaren und spürbaren Exzess wird auch visuell aufgefahren: Das Lichtspiel in der Halle ist hier mehr als bloße, dem Rhythmus angepasste Beleuchtung, folgt es doch anscheinend einer ausgefeilten Dramaturgie, die nicht nur durch die Bühnenaufbauten und die riesigen in der Mitte der Halle gelegenen Mischpulte die dahinter stehende Präzision erkennen lässt. Scheinwerfer, LEDs, Lichtkegel, Stroboskop, Flutlicht, blau, weiß, orange, lila, jede Band hat ihr eigenes Konzept.

In der ehemaligen Maschinenhalle steht mit City Slang ein Independent-Musiklabel aus Berlin im Fokus, das mit der Bandbreite der bei ihm vertretenen Künstler weniger Wert auf mögliche Etikettierung eines Stils als vielmehr auf ihre Einzigartigkeit legt. Auftakt und Weltpremiere zugleich bildet HeCTA, eine Formation um Kurt Wagner, Ryan Norris und Scott Martin (bekannt auch als Mitglieder von lambchop). In ihrem Auftritt kulminieren Song-Elemente, Stand-Up und elektronische Musik und sprengen beinahe die Grenzen des Hörbaren. Nach einer kurzen Umbaupause bieten The Notwist wiederum progressiven elektronischen Sound, diesmal aber arrangiert und performt mit Singer-Songwriter-Qualitäten. Den Abschluss auf dem Indoor-Floor bilden unter dem Namen Caribou der kanadische Musiker Dan Snaith und Band mit einer Collage aus digitalen Pop- und Klassik-Klängen, Bass-Sounds und psychedelisch wirkenden Einsprengseln.

Insgesamt bot sich den tanzwütigen Besuchern ein fulminanter Abend in wunderschönster Industriekulisse. Warum bei den Sets allerdings keine weiblichen DJs vertreten waren, erschließt sich nicht ganz. Vielleicht haben auch die 40€ für die reguläre Karte einige Interessierte abgeschreckt. Dennoch kann Ritournelle als ein besonderes und durchaus gelungenes Auftakt-Event gesehen werden, bei dem ein sehr gemischtes und auch zufriedenes Publikum auf gute elektronische Musik und eine tolle Location stieß.

Link zur Veranstaltung
Weitere Veranstaltungen der Ruhrtriennale am Spielort Jahrhunderthalle (Auswahl):
80 Jahre Terry Riley, 29. August, 19:30
ZEIT Forum Kultur, 06. September, 11:00
Das Rheingold, 12. September, 18:30
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