Die Beatles als Bindeglied zwischen Generationen

COVER_Peter Smith_Sam, die Beatles und ich_Kiepenheuer & WitschEs ist ein Buch über eine Band, die jedem ein Begriff ist, egal, ob er sie schon in seiner Jugend gehört hat, oder erst Jahrzehnte später geboren wurde. Aber der Roman Sam, die Beatles und ich. Wie ich das Herz meines Sohnes gewann von Peter Smith ist nicht nur ein Buch über die Beatles, sondern beschäftigt sich, wie schon der Titel verrät, vielmehr mit der Beziehung zwischen Vater und Sohn. Peter Smith, der mit der Musik der Beatles aufgewachsen ist, erlebt die Faszination der vier Liverpooler nun gemeinsam mit seinem siebenjährigen Sohn ganz neu.

Von ANNA LENA KNIEPER

Bei dem in diesem Jahr erschienenen, unveränderten Neudruck des Buches aus dem Jahre 2004 handelt es sich weder um ein faktenaufzählendes Sachbuch über die Beatles, noch um eine kitschige Geschichte, wie sich Vater und Sohn nach jahrelangem Schweigen endlich wiederfanden. Stattdessen schildert Peter Smith als Ich-Erzähler der Geschichte, wie bei seinem siebenjährigen Sohn Sam auf einer Autofahrt durch das Hören von Abbey Road die Begeisterung für die Band beginnt und die beiden so eine gemeinsame Leidenschaft finden. Obwohl sich die beiden in Sams frühester Kindheit sehr nahe waren, musste Peter mit der Zeit feststellen, dass er sich immer weiter von seinem Sohn entfernt hatte und sie nichts mehr hatten, was sie beide verband. Das änderte sich in dem Moment, in dem Sam zum ersten Mal mit den Beatles in Kontakt kam.

Die Beatles als fester Bestandteil vom Sams Leben

Zu Beginn des Buches steht eine alltägliche Szene, in der Sam früh morgens zu seinen Eltern ins Bett kommt und diese über die Beatles ausfragt. Welcher Beatle hat wie viele Songs geschrieben? Woher stammt der Name Father McKenzie aus „Eleanor Rigby“? Diese und weitere „Quizfragen“ stellt Sam seinen Eltern und es wird deutlich, dass zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr Peter und Maggie, Sams Mutter, diejenigen sind, die wirklich über die Band Bescheid wissen. Sam, „ein hübscher, netter Junge, der groß für sein Alter ist, alles ganz genau wissen will und ein geradezu übernatürliches Gedächtnis für Fakten besitzt“, steckt in „seiner ersten Liebesaffäre“. Aus den Gesprächen zwischen Vater und Sohn über die Beatles können vermutlich auch Fans der Band noch Neues erfahren.

Ist es am Anfang noch Peter Smith, der nach dem ersten Hören der Musik seinem Sohn von den Musikern und ihrem Werk berichtet, wird später Sam derjenige, der seinem Vater etwas beibringen kann. Im Grunde lernen beide die Beatles und dadurch sich selbst neu kennen. Die Musik der Gruppe ist jedoch nicht alles, was im Buch thematisiert wird. Auch die Beziehungen zwischen den einzelnen Bandmitgliedern, Konflikte, Tod und Sterben und weitere Themen, welche mit den Beatles in Verbindung stehen, spielen eine wichtige Rolle in der Geschichte. Die Gespräche und die gemeinsame Beschäftigung mit den Beatles führen dazu, dass sich zwischen Peter und Sam eine Verbindung entwickelt, die, auch nachdem Sams Begeisterung wieder abflaut, weiterbesteht. Gleichzeitig reflektiert Peter die Beziehung zu seinem eigenen Vater, erkennt sowohl Parallelen als auch Unterschiede und erlangt so einen völlig neuen Blick auf die Beziehung zu seinem eigenen Sohn. Am Ende des Buches nimmt der Leser gemeinsam mit Sam Abschied von der „kindlichen Beatlemania“ in dem Bewusstsein, dass „die Beatles bleiben“, weil man immer wieder zu ihnen zurückkehrt.

Nicht nur für Fans der Beatles

Die Einbeziehung vieler Songtitel und bekannter Momente aus der Geschichte der Beatles bewirken für Kenner der Band bestimmt Momente des Wiedererkennens und Erinnerns an die eigenen Reaktionen und Empfindungen, die vielleicht auch mit denen Peter Smiths übereinstimmen. Bei jemandem, der die Beatles mehr vom Namen und eventuell durch wenige Lieder kennt, stellt sich bei der wiederholten Auflistung von Songtiteln manchmal die Frage, ob das so sinnvoll ist. Gleichzeitig kann man sich aber auch in Sam hineinversetzen, der die Musik und die Personen hinter ihr neu kennenlernt und immer und immer mehr erfahren will, wie auch bei einem selbst die Neugier auf mehr geweckt wird, da man nur über die Musik und ihre Wirkung liest, ohne etwas von ihr zu hören. Interessant wird der Text besonders wegen dem, was über die Beatles hinaus durch diese und ihre Geschichte erzählt wird, ohne dass diese wichtigste Band der Musikgeschichte dabei durch eine andere ersetzt werden könnte. Somit ist es Peter Smith gelungen ein facettenreiches Buch zu schreiben, das ebenso wie die Musik der Beatles die verschiedensten Generationen anspricht und erreicht und diese daher auch über das Lesen miteinander verbinden kann.

 

Peter Smith: Sam, die Beatles und ich. Wie ich das Herz meines Sohnes gewann
Kiepenheuer & Witsch, 206 Seiten
Preis: 12,99€
ISBN: 978-3-462-40040-3

 

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