La Le Lu – Nur die Frau im Mond schaut zu

"Frau Luna" an der Oper Dortmund Foto: Björn Hickmann

„Frau Luna“ an der Oper Dortmund Foto: Björn Hickmann

In der vergangenen Spielzeit entführte die Oper Dortmund ihre Zuschauer mit Paul Abrahams Operette Die Blume von Hawaii auf eine paillettenbesetzte Glitzerversion des beliebten Reiseziels und überzeugte damit Kritik und Besucher gleichermaßen. Die Erwartungen an die diesjährige Operetten-Premiere waren also hoch und die Vorzeichen standen gut. Paul Linckes Revue-Operette Frau Luna sollte das Publikum auf einen schillernden Ball auf dem Mond entführen. Doch der Erdtrabant zeigt sich in Erik Petersens Inszenierung leider nicht von seiner Schokoladenseite.

von STEFAN KLEIN

Fritz Steppke (Bonko Karadjov) ist sein Mechanikerdasein in Berlin zuwider und träumt davon, den Mann im Mond zu besuchen. Nach langem Basteln an seinem Expressballon schnappt er sich seine Freunde Lämmermeier (Morgan Moody) und Pannecke (Marvin Zobel) als Begleitung für die ungewöhnliche Reise. Von ihnen unbemerkt, hat sich Panneckes schrullige Verlobte Frau Pusebach (Johanna Schoppa) an den Ballon gehangen und reist mit zum Mann im Mond.

Am Ziel angekommen, stellt die Berliner Reisegruppe schnell fest, dass der Mann im Mond eigentlich eine Frau ist (Emily Newton), die weiß, wie man große Feste feiert. Die Berliner dürfen als Gäste dem großen Planetenball der Frau Luna beiwohnen und lernen, dass es zuhause eigentlich doch am schönsten ist.

Große Stimmen – Kleines Spiel

Leider wird Frau Luna in Dortmund nicht als Konzert gezeigt. Nun sind die einzelnen Nummern der Revue zwar alle bei weitem keine Evergreens und Hits wie Lieder aus manch anderer Operette, doch gesanglich kann man den Darstellern nichts vorwerfen. Es ist eine Freude, Emily Newton, Julia Amos (in einer Doppelrolle als Mondgroom und Marie), Kammersänger Hannes Brock (Prinz Sternschnuppe) und Bonko Karadjov singen zu hören. Auch alle anderen Solisten klingen wunderbar und helfen dem Publikum durch die oftmals trägen Lieder. Leider sind bei der Premiere die Texte nicht immer alle verständlich, da Mikrofone nicht rechtzeitig angestellt werden oder auch das Orchester hier und da die Stimmen übertönt.

Was man zwischen den Liedern jedoch zu hören bekommt, ist oft nur schwer zu ertragen. Die (genrebedingt) flachen Dialoge werden von den „Berlinern“ mit hölzernen Berliner Dialekten und mit wenig Motivation heruntergesprochen. Auch optisch hat die Inszenierung weniger zu bieten, als es zu erwarten war. Zwar machen die Mondgrazien ihre Sache als Tänzerinnen gut, doch sobald die Sänger in eine Choreografie einsteigen sollen, wirken auch die simplen Bewegungen (Choreografie: Kati Farkas) sehr bemüht. Dirk Weiler durfte sich als Zeremonienmeister Theophil eine eigene Stepp-Nummer choreografieren, doch auch diese scheint über ein paar Grundschritte nicht hinauszukommen.

"Frau Luna" an der Oper Dortmund Foto: Björn Hickmann

„Frau Luna“ an der Oper Dortmund Foto: Björn Hickmann

Kopfüber nicht untergegangen

Für Emily Newton ist dies die letzte Spielzeit an der Oper Dortmund (wie übrigens auch für Hannes Brock, der mit Sicherheit schmerzlich vermisst werden wird), sie wird als Frau Luna noch mal richtig gefordert. Sie muss mit Dirk Weiler steppen, gefährlich lange Paillettenkleider die Showtreppe hoch- und runtertragen und vor allem kopfüber an Tüchern hängend im knappen Kleid singen (Bühne und Kostüme: Tatjana Ivschina). All das macht sie ordentlich. Natürlich merkt man ihr an, dass sie weder Tänzerin noch Akrobatin ist, doch die Mühe zahlt sich durch die euphorischen Reaktionen des Publikums aus. Das Luftballett von Frau Luna und den beiden Akrobatinnen Petra Idelberger und Petra Tobies ist in jedem Fall ein optisches Highlight und etwas, das man auf einer Opernbühne doch eher selten zu Gesicht bekommt.

Während die meisten Solisten mehr gesanglich überzeugen als besonders motiviert zu wirken, sind es ausgerechnet Newton und Brock, die beiden Abgänger des Ensembles, deren Spielfreude und Einsatz selbst das schwächste Ausgangsmaterial unterhaltsam werden lassen.

Mit Frau Luna hat sich die Oper Dortmund keinen Gefallen getan. Leider kann sich Erik Petersens Inszenierung nicht einreihen in die vielen gelungenen Opern-, Musical- und Operetten-Inszenierungen der vergangenen und auch aktuellen Spielzeit. Da es Operetten heute immer schwerer haben, ein Publikum zu finden, wäre es schön gewesen, diese traditionsreiche Theatersparte auch für ein jüngeres Publikum attraktiv zu machen. Im Falle von Frau Luna sollten Operettenneulinge vielleicht lieber zuhause bleiben und auf eine Wiederaufnahme der Blume von Hawaii oder Roxie warten.

 

Informationen zur Inszenierung

 

Nächste Vorstellungen:
Freitag, der 26. Januar 2018
Sonntag, der 4. Februar 2018
Freitag, der 9. Februar 2018

 

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