Cleopatrick – Der Traum vom Rockstar-Dasein

Cleopatrick aus Kanada versetzten das Kölner Studio in Ekstase

Cleopatrick aus Kanada versetzten das Kölner Studio in Ekstase

Zwei Jungs aus Cobourg, Kanada, entschließen sich 2017, dem Ernst der Musikbranche entgegenzutreten und präsentieren ihre ersten Lieder auf Spotify, in der Hoffnung, irgendwann groß rauszukommen. Ein Jahr später kündigen sie ihre Jobs, sind auf ihrer ersten Europa-Tour und können ihr Glück noch gar nicht in Worte fassen. Ich darf Luke Gruntz und Ian Fraser an ihren beiden ersten Tagen in Köln begleiten und das erste Deutschland-Konzert der aufstrebenden Rocker im Studio 672 miterleben.

von KAMILA DOBNER

Spotify kann ein Türöffner für aufstrebende Musiker sein. So ist es auch den 21 Jahre alten Musikern Luke und Ian ergangen, die bereits seit der Grundschule befreundet sind. Gemeinsam begannen sie auf ihren ersten Gitarren zu spielen, Ian entschied jedoch schnell, dass er auch andere Instrumente spielen wollte und versuchte sich auch am Schlagzeug. 2015 gründeten beide die Band Cleopatrick. Da die Suche nach einem Bassisten im kleinen Cobourg scheiterte, lernte Luke mithilfe von zwei Amps und Pedalboards, gleichzeitig Gitarre und Bass zu spielen. Wenn man es nicht live sieht und hört, glaubt man nicht dran!

Die Ruhe vor dem Sturm

Am Abend vor dem Konzert verabrede ich einen Termin mit der Managerin der Jungs vor dem Station-Hostel for Backpackers. Sie erzählt mir, wie aufgeregt die beiden seien und dass sie eigentlich nie vorhatte, eine so junge Band zu managen. Doch nachdem sie Luke und Ian kennenlernte und ihre Musik hörte, konnte sie nicht anders als die Zusammenarbeit zuzusagen. Sie seien professionell, klug und total auf ihre Musik fokussiert, was bei anderen Musikern in dem Alter nicht selbstverständlich sei. Gemeinsam mit ihrem angehenden Tourmanager und Freund stoßen die Jungs zu uns und wir unterhalten uns über die Bandgründung, Kanada und dessen musikalische „Exportschlager‟. Luke erklärt mir, wie er es schafft, Gitarre und Bass auf einem Instrument zu vereinen. Die Gitarre wird hierbei an zwei verschiedene Amps angeschlossen, der eine, der den Bass-, und der andere, der den Gitarrensound abspielt. Mithilfe mehrerer Pedalboards kann er, je nach Bedarf, den Sound steuern. Das Signal wird hierbei aufgetrennt, und so hört man zwei Instrumente zugleich. Die Musik von Cleopatrick erinnert mich sehr an Highly Suspect und die von Royal Blood, wo der Bassist dieselbe Technik auf der Bassgitarre anwendet.

Die Jungs sind dank Allison Hagendorf, Global Head von Spotify-Rock, auf die New Noise Playlist gekommen. Luke hatte ihr eines ihrer Lieder geschickt und eine halbe Stunde später bekam er die Zusage und einen Platz in der beliebten Playlist.

Spotify als Sprungbrett zum Ruhm

Am nächsten Tag ist ab 20 Uhr Einlass im Studio 672. Für eine Independent Band, die gerade erst aufsteigt, sind sehr viele Zuschauer erschienen. Sie sind meist um die 20 und kennen Cleopatrick von Spotify. Den Auftakt des Abends machen ViLLA NOiSE, eine Indie-Band aus Köln. Sie spielen melodischen Rock, der mit elektronischen Klängen unterstützt wird. Mich erinnern ViLLA NOiSE an Catfish and the Bottlemen mit einem Hauch von Muse. Neben sehr rockigen Songs wie Until That Day und Stories überzeugen sie auch mit langsamen Liedern wie Everything oder I Don’t Mind. Ein durchaus gelungener Vorreiter für Cleopatrick.

Nachdem ViLLA NOiSE fertig sind, bauen Luke und Ian selbst ihre Bühne um, während ihr Publikum vor Aufregung ganz starr ist. Nach dem Aufbau starten sie mit ihrem Set. Anfänglich haben sie noch Schwierigkeiten, den Sound anzupassen und man kann ihnen die Aufregung ansehen. Das Publikum scheint die Probleme nicht wahrzunehmen oder es ist ihnen egal. Cleopatrick drehen mit Daphne Did It auf. Das Lied überzeugt durch starke Riffs und ist ein Garant für ein tanzwütiges Publikum. Das Gefühl im Raum ist überwältigend. Ian spielt ab und zu im Stehen Schlagzeug, um einen Überblick über die Menge zu bekommen, und schüttelt fassungslos den Kopf. Nach jedem Lied bedanken sich beide immer wieder. Sie hätten nach eigener Aussage nichts Cooles zu sagen und haben sowas noch nie erlebt. Cleopatrick spielen alle Lieder, die man auf Spotify finden kann, und das Publikum ist so textsicher, wie sie es sonst nur von ihren Freunden kennen. Selbst als sie From The Ritz To The Rubble der Arctic Monkeys covern, singen alle mit. Von Hometown über Bernard Trigger und The Depths: Das Studio 672 wird immer heißer und die Menge springt immer höher. Cleopatricks Lieder handeln nicht, wie üblicherweise, von Liebe und Herzschmerz, sondern auch von Freundschaft, Jugend und dem Erwachsenwerden. Nicht nur auf musikalischer Ebene sind sie stark und neu. Auch ihre Texte lassen ihre Hörer die eigene Jugend wieder aufleben und überzeugen mit vielerlei rhetorischen Mitteln, wie großartigen Enjambements und Metaphern, die man so schon lange nicht mehr gehört hat. Überraschenderweise freuen sich alle am meisten über die neueste Single der Band Youth, was Managerin Vanessa sehr wundert, da es bei Weitem noch nicht so viele Klickzahlen erreicht hat wie Hometown, der bisher größte Hit. Cleopatrick stellen außerdem zwei neue Lieder vor, die erst nach der Tour aufgenommen und veröffentlicht werden: Sanjake und Seventeen.

Nachdem das Set durch ist, geben die Jungs noch eine Zugabe und spielen den Publikumswunsch Chromeo. Das Lied erinnert stark an die Leichtigkeit der Arctic Monkeys, die mitunter ein Einfluss der Jungs sind. Cleopatrick scheinen überrascht, dass sie lauthals zu noch einer weiteren Zugabe aufgefordert werden. Letztendlich schließen sie das Konzert mit einem ihrer vom Klang her düsteren Lieder Belly Button Blues ab. Das Lied zeigt klare Elemente der Anfänge von Black Sabbath mit ihren bluesigen Klängen.

Cleopatrick schaffen es, die Rockmusik neu zu definieren, was wahrscheinlich dadurch zu begründen ist, dass sie sich als Band keinem Genre verbunden fühlen. Von klassischen Riffs und Soli bis hin zu Stoner-Elementen über Grunge und Alternative-Rock ist alles Bestandteil ihrer Musik. Ihren Einfluss nehmen sie aus allen Bereichen, wie auch dem Hip-Hop. Das hört man ihnen bei all den Gitarrenriffs nicht direkt an, aber was man sich eingestehen muss, ist, dass sie sich an keine Konventionen halten. In dem Sinne: „Fuck whatever you think rock is. It’s different now‟ – Cleopatrick.

 

Überzeugt Euch selbst von Cleopatrick: https://spoti.fi/2NpXVyR

 

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