Der 250. Geburtstag eines jungen Mannes, der der Vergänglichkeit begegnete und in ihr Frieden suchte

Porträt Novalis‘ (1772 – 1801) von Franz Gareis (1775 – 1803), circa 1799; Public Domain

Man ist dem Leben nicht gefeit. Nicht in seinen hellsten Momenten und nicht in seinen dunkelsten. In dieser Erfahrung fand sich auch der junge Dichter Novalis, der nach dem Tod seiner Verlobten der lebendigen Welt abschwor und in lyrischer Vollendung eine Spiritualität der erlösenden Nacht erschuf, die die frühe Blüte der Romantik prägen sollte.

von ANDREAS MARTIUS

Novalis wurde am 2. Mai 1772 auf Schloss Oberwiederstedt als Georg Philipp Friedrich von Hardenberg geboren. Er wuchs in einer streng pietistischen Familie auf und wurde zunächst von Hauslehrern unterrichtet, bevor er später bis 1790 das Gymnasium in Eisleben besuchte und kurz darauf dann ein Jura Studium in Jena begann, welches er 1794 in Wittenberg beendete.
Anstatt aber daraufhin sofort in den Staatsdienst zu wechseln, arbeitete er zunächst als Aktuarius in Tennstadt, wo er die junge Sophie von Kühn kennenlernte und sich 1795 mit ihr verlobte. Diese starb allerdings kaum zwei Jahre später und wurde ihm so – in seiner Trauer – ein Quell poetischer Inspiration, welche sich vor allem in seinen Hymnen an die Nacht niederschlug.

Das endlose Leiden des wachen Lebens und der heilige Friede der ewigen Nacht

Novalis‘ Lebensflucht beginnt mit einem Blick zurück auf die hellen, wachen Tage vor dem Tod seiner Verlobten. Eine Erinnerung an seine junge Braut und das trügerische Glück, das er erfuhr, bevor ihm der Glanz der Welt falsch und matt wurde und er begann, sich nach der Nacht zu sehnen.
Aber was ist die Nacht? Für Novalis ist sie ein Versprechen. Sie verheißt Vergessen, Friede, Flucht. Sie ist gleichbedeutend mit dem Tode, wie der Tag gleichbedeutend mit dem Leben ist und so erhält sie die Ewigkeit einer Paradiesvorstellung. Ein Paradies, das nach seiner Auffassung mit der Auferstehung Jesu in den Himmel aufstrebte und die lebendige, tagerhellte Welt welk zurück ließ. Eine Welt, die er desillusioniert erlebte, nachdem Sophie starb. „[Sein] Herz ist satt – die Welt ist leer.“ Und so erfährt Novalis die Sehnsucht danach, seine Liebste wiederzusehen, die ihn in das Versprechen der Nacht – den friedvollen Tempel eines paradiesischen Todes – hinaufgeleiten soll.
Letztendlich erliegt er am 25. März 1801 einer langen Krankheit und folgt so tatsächlich noch in jungen Jahren seiner Verlobten in die Welt danach.

Meine Empfehlung:

Novalis: Hymnen an die Nacht

LIWI Literatur- und Wissenschaftsverlag, 36 Seiten
Preis: 3,95 Euro
ISBN: 978-3-96542-086-1

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s