Doctor’s Diary (2): Promotionsstipendienbewerbung

Ob Auguste Rodins berühmte Statue Le Penseur auch einen Studierenden zeigt, der über die Finanzierung seiner Promotion nachdenkt?

Bleiben wir in dieser Kolumne zur Abwechslung (Vorsicht: Ironie!) bei den ellenlangen Wörtern und werfen einen Blick in den langweiligen Promotionsalltag, der sich der Finanzierung widmet! Hierbei gibt es je nach Studiengang unterschiedliche Möglichkeiten, die sich im Falle der Geisteswissenschaften jedoch schnell erschöpfen. Die beste Möglichkeit für viele Studierende ist die Bewerbung um ein Stipendium.

von THOMAS STÖCK

Wer in einem geisteswissenschaftlichen Fach promoviert, der macht dies in den seltensten Fällen um des Geldes willen. Nun gut, für eine Professur benötigt man zuerst eine Promotionsschrift, sodass für die wenigen Auserwählten unter uns, die es tatsächlich auf einen der begehrten Lehrstühle schaffen, eine solche Arbeit der erste Meilenstein ist. Doch was ist mit dem Gros der Promovenden, die dort nicht landen? Noch vor dem eigentlichen Beginn der Arbeit an der Promotion sollte man sich genau überlegen, wie man die kommenden drei Jahre (Minimum, in vielen Fällen mehr!) über die Runden kommt. Auch die Wahrscheinlich-keine-baldigen-Professoren-Studierenden, zu denen ich mich zähle, müssen sich Gedanken ums Finanzielle machen. Welche Möglichkeiten es für uns Geisteswissenschaftler gibt, möchte ich im Folgenden aufzeigen.

Von A wie Anstellung bis S wie Stipendium

Der wahrscheinlich „einfachste“ Weg ist der, an einem Lehrstuhl als wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt zu werden. Im Idealfall ergänzt man das Arbeiten an einem theoretisch komplexen Dissertationsthema durch praktische Erfahrungen in Lehre, Vorträgen und weiteren Projekten. Ist man am Lehrstuhl angestellt, geht man jedoch das Risiko ein, dass die Promotion unter dem Workload zu leiden hat, der für das Anstellungsverhältnis zu erbringen ist. Nur wie gelangt man auf eine solche Position? Nur die Besten der Besten erhalten überhaupt die Chance an den Lehrstühlen angestellt zu werden – und in vielen Fällen beginnen die Anstellungsverhältnisse schon im Bachelor- oder Masterstudium. Aufgrund der ausbleibenden Förderungen für geisteswissenschaftliche Studiengänge gibt es meistens nicht mal eine Handvoll Plätze, auf die sich die Studienabsolventen bewerben. Glück und gute Beziehungen – für eine Anstellung braucht man wohl beides.

Auch ein wenig Glück benötigt man für eine Beschäftigung im Rahmen eines Graduiertenkollegs, von denen es mittlerweile eine größere Zahl gibt. Wohl die größte Herausforderung ist in diesem Fall, ein Graduiertenkolleg zu finden, in das man sich thematisch gut eingliedern kann. An der Fakultät für Philologie der RUB gibt es genau ein solches Graduiertenkolleg.

Für viele Studierende bleibt also nur der Weg, sich um ein Promotionsstipendium zu bewerben. Das führt nicht nur zu Wortungetümen wie unserem heutigen Titel, sondern auch zu einer langen Wartezeit. Die meisten der parteinahen Stiftungen, wie etwa die Heinrich-Böll- oder die Rosa-Luxemburg-Stiftung, schreiben nur halbjährlich ihre Förderungen aus. Das Bewerbungsverfahren dauert zusätzlich etwa ein Semester, sodass für viele Studis eine lange Zeit der Überbrückung ansteht – und dies stets mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass man vielleicht nicht genommen wird. Im Falle der Studienstiftung des Deutschen Volkes werden immerhin die Hälfte der Bewerber auch zu einem Stipendium zugelassen. Das ist weit mehr als bei den Bewerbern in Bachelor- und Masterstudium. Und kriegt man Geld, hat man viel Zeit, denn nebenbei zu arbeiten ist auf zehn Wochenstunden im universitären Kontext oder auf fünf Wochenstunden abseits der Uni begrenzt.

An die Arbeit!

Wer eine Dissertation verfassen will, muss sich also schon sehr früh darüber Gedanken machen, wie man diese finanzieren kann. Dank der derzeitigen Inflationsraten wird es eine zunehmend größere Herausforderung, sich bis zur Zusage eines Stipendiums über Wasser zu halten. Man sollte also voll und ganz hinter der Idee stehen zu promovieren, denn die finanzielle Bürde ist enorm. Selbst wohlüberlegte Entscheidungen führen zu Übergangsphasen, in der man jeden Euro umdrehen muss. Die Planungen für die wissenschaftliche und berufliche Zukunft laufen auf Hochtouren, der Job zur Finanzierung der Promotion will bestritten werden – und dann gibt es da noch die schönen Projekte wie literaturundfeuilleton, denen man seine Aufmerksamkeit schenkt. Es gibt also viel zu tun, um die Wartezeit zu überbrücken, ob denn die Bewerbung um eine der drei genannten Konstellationen auch Erfolg zeitigt.

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