Doctor’s Diary (3): Das Doktorandenkolloquium

In diesen Wänden wird fleißig diskutiert. Copyright: Leo Tiresias.

Der Austausch mit Gleichgesinnten – auch für die Forschergemeinde ist das Gespräch eine der wichtigsten Möglichkeiten, sich auszutauschen. Natürlich nennen wir das Gespräch nicht einfach Gespräch, sondern latinisieren das Wort zu einem Kolloquium. Im Falle der angehenden Doktoren der Literaturwissenschaft setzt man den Wunschtraum kurzerhand vor das Gespräch und erhält eine wunderbare Möglichkeit, mit der eigenen Arbeit voranzukommen.

von THOMAS STÖCK

Na, heute schon an der Doktorarbeit gesessen? Eine quälende Frage, die das Gewissen einem vorsetzt, wenn man sich abends ins Bett begibt. Nicht immer ist es leicht, seinen Alltag mit der zeitaufwendigen Promotion in Einklang zu bringen. Das schlechte Gewissen ist von vielen Studierenden ein steter Begleiter, denn selbstbestimmtes Lernen und Arbeiten ist eine große Herausforderung für viele Menschen – gerade wenn sie nur das Arbeiten nach Plan aus der Schule gewohnt sind. Deshalb ist es gut, sich äußere Anreize zu setzen. Empfehlen kann ich mit Nachdruck die Möglichkeit, auf einem Doktorandenkolloquium das eigene Thema vorzustellen. Das hat nämlich noch einen weiteren Vorteil: Man kann sich über sein Thema austauschen. Und vom Diskurs lebt die Wissenschaft schließlich, insbesondere die Literaturwissenschaft!

Das Kolloquium in seinem (Ab-)Lauf…

Für promotionsinteressierte Masterstudierende gibt es in einigen Fällen bereits vorab die Möglichkeit, mal reinzuschnuppern, was „die Großen“ sich da so zu erzählen haben. Ich habe sehr schnell die Erfahrung machen können, dass die gelöste Gesprächsatmosphäre zu sehr anregenden Beiträgen sowohl von studentischer als auch von Dozentenseite führt. Freiwillige Promotionswillige dürfen über das Vorankommen ihrer Arbeit einen kleinen Bericht in Form eines Vortrags darbieten. Im Anschluss stellt das Publikum dann Rückfragen, gibt Hinweise zu möglichen Vertiefungen und warnt vor den Fallen, in die man selbst schon getappt ist. So hat man nicht nur die Chance, seine Gedanken und Probleme zu verbalisieren, sondern kriegt auch gleich noch eine ganze Reihe Lösungsvorschläge an die Hand gegeben. Erfolg garantiert!

… hält auch die Lethargie nicht auf

Wer in einem Kolloquium vortragen will, verspürt sehr schnell auch wieder den wohligen Schauer des Zeitdrucks, der einem aus dem studentischen Alltag bei jeder Abgabefrist ereilt hat. Gut, vielleicht ist das ein wenig euphemistisch formuliert. Aber abseits der Riesenportion Stress, die man sich selbst mit einer zusätzlichen Frist induziert, bieten feste Termine doch einen Fixpunkt im Alltag; ein Ziel, auf das es sich hinzuarbeiten lohnt. Dabei hilft der Gedanke, dass der Vortrag im Doktorandenkolloquium keine Perfektion voraussetzt und man selbst das Gespräch in eine Richtung lenken kann, die einem genehm ist. Wo sehe ich selbst Probleme in meiner Herangehensweise? Welche Fragen sind mir selbst gekommen, als ich mich an die Arbeit gemacht habe? Genau diese Dinge sollte man an die Kolloquiengemeinschaft herantragen und siehe da: Hilfe naht.

Ups, jetzt habe ich mich wieder verquatscht. Eigentlich wollte ich heute auch mal wirklich auf das zu sprechen kommen, woran ich seit Monaten arbeite. Davon dann mehr in der nächsten Kolumne, versprochen! Worauf Sie sich dann einstellen können, lesen Sie am besten in meiner Rezension zu Scholastique Mukasongas Frau auf bloßen Füßen nach. Es wird leider keine leichte Lektüre, dafür eine umso wichtigere.

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