Nobelpreisträger und Spät-Demokrat

Thomas Mann mit seiner Tochter Erika, seiner Frau Katia sowie seinem Sohn Klaus 1929. In diesem Jahr erhielt er auch den Nobelpreis für Literatur. Foto von Eduard Wasow.

Thomas Mann, der dieses Jahr seinen 147. Geburtstag gefeiert hätte, ist vor allem als Meister der Ironie und für seine gesellschaftskritischen Werke bekannt. Sein größtes Prosawerk die Buddenbrooks gilt als einer der ersten deutschen Gesellschaftsromane. Für selbigen erhielt Mann den Nobelpreis für Literatur.

von CELINA FARKEN

Thomas Mann wurde am 6. Juni 1875 in Lübeck geboren, er begann bereits als Schüler mit dem Schreiben und fertigte Prosaskizzen sowie Aufsätze für die Zeitschrift Der Frühlingssturm. Monatszeitschrift für Kunst, Literatur und Philosophie an, die er selbst mit herausgab. In den Jahren zwischen 1898 und 1900 ging er einer Tätigkeit als Lektor bei der satirischen Zeitschrift Simplicissimus nach. Das Literatentum ist im Hause Mann übrigens keine Seltenheit – auch sein größerer Bruder Heinrich feierte schriftstellerische Erfolge. Die beiden Brüder könnten kaum gegensätzlicher sein, zum einen literarisch, da beide sich voneinander abzusetzen versuchten, dennoch in einigen Texten aufeinander referierten. Zum anderen auch politisch: Thomas Mann anfangs noch Monarchist, sein Bruder Heinrich Demokrat. Letzterer kritisierte nach dem Ersten Weltkrieg in seinem Essay Zola die allgemeine Kriegsbegeisterung und auch seinen Bruder Thomas, was sogar zum zeitweisen Bruch zwischen beiden führte.

Im Exil

Mann setzte sich das erste Mal 1930 in seiner Rede Deutsche Ansprache. Ein Appell an die Vernunft in Berlin kritisch mit der NS-Bewegung auseinander und versuchte, das deutsche Volk zu überzeugen, sich gegen diese aufzulehnen. War er zuvor noch ein Kritiker der liberalen Demokratie gewesen, wurde er in den 1920er Jahren zum Befürworter der Weimarer Republik. Nach einer Vortragsreise 1933 kehrte Mann nicht mehr nach Deutschland zurück. Von da an lebte er zunächst in der Schweiz und wanderte schließlich in die USA aus, deren Staatsbürgerschaft er erhielt. Hier wandte er sich an die deutsche Bevölkerung in seiner Rundfunk-Sendereihe Deutsche Hörer!, in der er erneut zum Widerstand gegen das NS-Regime aufrief. 1949 kehrte er zum ersten Mal für einen Besuch nach Deutschland zurück. In seinen letzten Jahren ließ er sich in der Schweiz nieder. Für Mann galt allerdings: „Wo ich bin, ist Deutschland. Ich trage meine deutsche Kultur in mir. Ich lebe im Kontakt mit der Welt und betrachte mich selbst nicht als gefallenen Menschen.“

„Verfall einer Familie“

Manns wohl größtes Prosawerk Buddenbrooks erschien 1901 in einer zweibändigen Ausgabe. 1929 erhielt er für den Roman den Nobelpreis für Literatur aufgrund seines Status als „klassisches Werk der zeitgenössischen Literatur“ (so die Begründung des Nobel-Komitees) – wobei an dieser Stelle auch Manns Der Zauberberg zur Debatte stand, den eines der Mitglieder des Nobelpreiskomitees jedoch schlichtweg nicht mochte, sodass die Wahl auf Buddenbrooks fiel, das deutlich früher erschienen war. Den Roman zeichnen eine kritische Einstellung gegenüber dem Bürgertum und ein ironischer Tonfall aus, wie er für Mann typisch ist. Thematisiert wird der Zerfall einer reichen Kaufmannsfamilie über vier Generationen hinweg. Eine typische großbürgerliche Familie, die sich immer mehr zum Künstlertum hingezogen fühlt und daran zugrunde geht. Besonders hervorsticht die genaue Darstellung von Manns Heimatstadt Lübeck. Auch erkennt man in den Nebenfiguren viele Lübecker Persönlichkeiten wieder, was dort allerdings für Unmut sorgte. Wer ironische Texte gemischt mit Gesellschaftskritik mag, ist bei Thomas Mann gut aufgehoben.

Meine Empfehlungen:

Thomas Mann: Buddenbrooks. Verfall einer Familie.
Fischer, 768 Seiten
Preis: 16,00 Euro
ISBN:
9783596294312

Thomas Mann: Der Zauberberg
Fischer Taschenbuch, 1008 Seiten
Preis: 18,00 Euro
ISBN: 9783596294336

2 Gedanken zu „Nobelpreisträger und Spät-Demokrat

  1. Das Debüt eines etwa Mitte-20jährigen als größtes Prosawerk zu bezeichnen wirkt auf den ersten Blick irgendwie falsch, aber ich denke hier stimmt es. Der beinahe Jugendroman ist zumindest kompositorisch das reifste, wirkt fast wie ein Alterswerk. Danach werden die Romane thematischer orientiert, aber auch erzählerisch unausgewogener.

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