Ein neuer Ruhrpott-Lohengrin

Nachdem es im Dezember 2016 bereits eine aufsehenerregende Lohengrin-Premiere am Essener Aalto-Theater gab, legt Schauspiel- und Musiktheater-Regisseur Ingo Kerkhof nun seine Interpretation dieser wahrscheinlich romantischsten aller Wagner-Opern im Theater Dortmund vor. Atmosphärisch dichte Bilder, aber auch eine beglückende Sängerbesetzung rund um Daniel Behle in der Titelrolle sowie zupackende Dortmunder Philharmoniker sorgen für eine Vorstellung mit einem ungewöhnlich hohen ästhetischen Wert.

Theater Dortmund, Spielzeit 2019-2020, Lohengrin; Romantische Oper in drei Akten von Richard Wagner

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Rettichgeruch als Auslöser des Klassenkampfes

Naive Reiche, ausgebuffte Arme und erstaunlich viel Blut: Parasite, der neue Film des in seinem Heimatland gefeierten südkoreanischen Regisseurs Bong Joon-ho, trumpft mit einer Mischung aus Familiendrama, Komödie und Sozialkritik auf und schafft es, die Schere zwischen Arm und Reich ohne viel Rumgefuchtel des moralischen Zeigefingers anzuprangern. Ein absolut gelungener Film!  

von CARO KAISER Weiterlesen

„So spendet Segen noch immer die Hand“

Friedrich Christian Delius: Die Birnen von Ribbeck; Cover: Rowohlt Berlin

30 Jahre ist es schon her, dass die Berliner Mauer geöffnet wurde. Anhand des beschaulichen Dörfchens Ribbeck im Havelland und Theodor Fontanes bekannter Ballade porträtiert Friedrich Christian Delius 100 Jahre deutscher Geschichte. Ein wahrer Wortschwall ergießt sich so aus dem vielstimmigen Kreis der DDR-Bürger, deren Erinnerungen zwischen Erleichterung und Vorfreude respektive Resignation und Angst vor der Zukunft changieren.

von THOMAS STÖCK Weiterlesen

Lautstarke Bilder

„Dantons Tod“ am Düsseldorfer Schauspielhaus Foto: Thomas Aurin

Mit Dantons Tod in der Regie von Armin Petras eröffnet das Düsseldorfer Schauspielhaus die neue Spielzeit. Es zeigt Georg Büchners Drama über die Französische Revolution in fantastischen Impressionen, die jedoch leider durch überlange Geschrei-Passagen unterbrochen werden. Überraschend beeindruckende Szenen täuschen daher nicht über die monotonen Darstellungen hinweg.

von JASMIN GIERLING Weiterlesen

Samsons Schwachstelle oder: Das Alte Testament auf der Opernbühne

"Samson et Dalila" an der Deutschen Oper am Rhein Foto: Jochen Quast

„Samson et Dalila“ an der Deutschen Oper am Rhein Foto: Jochen Quast

Camille Saint-Saëns dürfte den meisten Musikliebhabern weniger als Opernkomponist, eher als Verfasser von Konzert- bzw. Orchesterstücken bekannt sein – allen voran Le Carnaval des animaux (Der Karneval der Tiere). Mit Samson et Dalila schuf der Franzose aber auch ein Meisterwerk des spätromantischen Musiktheaters, das nun in einer Neuinszenierung in der Deutschen Oper am Rhein zu erleben ist. Die Partitur weiß hier Axel Kober zum Leuchten zu bringen, während Regisseur Joan Anton Rechi eine beeindruckend stimmige Aktualisierung des biblischen Stoffes gelingt.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Die Zeit zwischen Sommer und Tod

COVER_Reclam_Herbstgedichte

Herbstgedichte. Ausgewählt von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell; Cover: Reclam Verlag

Passend zur Jahreszeit bietet das Reclam-Bändchen Herbstgedichte einen Querschnitt der deutschsprachigen modernen Lyrik. Das Wechselspiel von motivischer Varianz bei zugleich einsetzender Kategorisierung der Gedichte fügt sich in ein stimmiges Gesamtkonzept, von dem eigentlich auch Lyriklaien profitieren könnten – würden diese nur nicht auf weiter Herbstesflur allein gelassen…

von THOMAS STÖCK Weiterlesen

Von Streichholzschachteln und wenigen Worten: Lütfiye Güzels sans trophée

 

Lütfiye Güzel: sans trophée. 24 gedichte; Cover: go-güzel-publishing

Mit 24 Gedichten in der Streichholzschachtel zeigt sich Lütfiye Güzel einmal mehr als Virtuosin des Einfachen.

von LARS BANHOLD Weiterlesen

Eine kitschige Roadstory

 

Martin Vopěnka: Meine Reise ins Ungewisse. Unterwegs mit Benjamin; Cover: Drava

In Meine Reise ins Ungewisse. Unterwegs mit Benjamin versucht Martin Vopěnka, die vielschichtige Gefühlswelt von Vater und Sohn zu beschreiben, die ihre Ehefrau beziehungsweise Mutter verloren haben und sich auf einer Reise ohne Ziel immer näher kommen. Doch der Roman schildert die Emotionen zu direkt, er ist überladen und lässt dem Leser keinerlei Interpretationsspielraum.

von ALINA WOLSKI Weiterlesen

Im Tal der Wölfe

Goderdsi Tschocheli: Der Scharlachrote Wolf; Cover: Frankfurter Verlagsanstalt

In seinem Roman Der scharlachrote Wolf lässt Goderdsi Tschocheli die Tradition der georgischen Bergdörfer mit dem Studentenleben im modernen Tiflis verschmelzen. Angst, Aberglauben und die Suche nach Geborgenheit sowie dem eigenen Ich treffen aufeinander. Dem Autor gelingt es dabei überwiegend, die vielschichtigen Emotionen seiner Protagonisten, vor allem aber deren enge Verbindung zum folkloristischen Glauben an Werwölfe und andere Fabelwesen, anschaulich darzulegen. 

von ALINA WOLSKI Weiterlesen

Eine literarische Reise in den Kohlenpott

Philip Behrendt et al.: Literarische Orte im Ruhrgebiet Cover: Klartext

Die Redaktion der Literaturkarte.Ruhr präsentiert mit den Literarischen Orten im Ruhrgebiet den Beweis dafür, dass das Ruhrgebiet bereits seit Jahrhunderten eine überaus vielseitige literarische Geschichte aufweist. Geknüpft sind die Romane, Gedichte, Dramoletten und sonstigen Textformen an Orte, die sich als Ausflugsziele wunderbar in eine Reihe weiterer Attraktionen der Metropole Ruhr eingliedern. Wer seine Lektüre etwa mit einer Shoppingtour, einem Cafébesuch oder einer ausführlichen Wanderung verbinden möchte, kommt hier garantiert auf seine Kosten.

von THOMAS STÖCK Weiterlesen