Im Griff der Filmindustrie

F. Scott Fitzgerald - Für Dich würde ich sterben Cover: Hoffmann und Campe

F. Scott Fitzgerald – Für Dich würde ich sterben Cover: Hoffmann und Campe

F. Scott Fitzgerald verbrauchte sich in jeglicher Hinsicht: emotional an der Liebe zu seiner Frau Zelda, schriftstellerisch an seinen erzählerischen Auftragsarbeiten und gesundheitlich an seiner Trunksucht, die in einem tödlichen Herzinfarkt resultierte. Trotz seiner Exzesse hinterließ er fünf Romane und über 160 Erzählungen, ein literarisches Reservoir, das einige der wichtigsten Werke des 20. Jahrhunderts enthält. Nun erschienen bei Hoffmann und Campe größtenteils noch unveröffentlichte Erzählungen in dem Band Für dich würde ich sterben, der ein neues Licht auf den Autor der Lost Generation und sein Schaffen Ende der 1930er Jahre wirft. Er zeigt, dass Fitzgerald aus seinem Leben schöpfte wie bisher, und dass er zu wesentlich mehr in der Lage gewesen wäre, als diese Erzählungen es suggerieren mögen.

von JONAS PODLECKI Weiterlesen

Wut, Rage und Frustration

"Wut/Rage" bei den Ruhrfestspielen Foto: Krafft Angerer

„Wut/Rage“ bei den Ruhrfestspielen Foto: Krafft Angerer

Als eine der zwei letzten Premieren der diese Spielzeit sehr politischen und überaus erfolgreichen Ruhrfestspiele wurde nun – zumindest in dieser Konstellation – eine Uraufführung aus dem Hamburger Thalia Theater auf die große Bühne in Recklinghausen gebracht: Sebastian Nüblings und Julia Lochtes Konglomerat Wut/Rage von Elfriede Jelinek bzw. Simon Stephens mag thematisch harmonieren, scheitert jedoch an der exzessiven Wiedergabe, die oft den brisanten Inhalt der Textfragmente ver- und überspielt.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Wenn die Paranoia um sich greift

Arthur Millers "Hexenjagd" am Schauspiel Düsseldorf Foto: Sebastian Hoppe

Arthur Millers „Hexenjagd“ am Schauspiel Düsseldorf Foto: Sebastian Hoppe

Das Düsseldorfer Schauspielhaus bringt Arthur Millers Hexenjagd auf die Bühne. In der Regie des Russen Evgeny Titov entwickelt das Stück mitunter einen düsteren Sog, verblasst aber insgesamt wegen seiner etwas ideenlosen Imitation konventioneller cineastischer Effekte. 14 leidenschaftliche Schauspieler berühren das Publikum ungeachtet ihrer schablonenhaften Rollentypen.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

„Das hier ist die neue Welt“

Fiston Mwanza Mujila - Tram 83 Cover: Zsolnay

Fiston Mwanza Mujila – Tram 83 Cover: Zsolnay

In seinem für den Man Booker Prize nominierten Debütroman Tram 83 entwirft der in Graz lebende kongolesische Autor Fiston Mwanza Mujila ein sprachgewaltiges, modernes Sodom. Nun wurde der bereits 2014 erschienene Roman vom Französischen ins Deutsche übertragen.

von LEONARD MERKES Weiterlesen

Hauptsache, es knallt

Mozarts "Titus" am Essener Aalto-Theater Foto: Thilo Beu

Mozarts „Titus“ am Essener Aalto-Theater Foto: Thilo Beu

Ausgerechnet am fünften Doch-Nicht-Geburtstag des Berliner Pannen-Flughafens lädt das Essener Aalto-Theater zur letzten Premiere seiner diesjährigen Spielzeit. Regisseur Frédéric Buhr siedelt die antike Geschichte um den milden Kaiser Titus (zufällig?) an einem stylishen Flughafen in unserer Gegenwart an und präsentiert eine bemüht aktuelle Mozart-Interpretation, die seine Holzhammermethode nicht nötig gehabt hätte, um Aktualität widerzuspiegeln.

von STEFAN KLEIN Weiterlesen

Wie hast Du’s mit der Religion?

Ayad Akhtars "Geächtet" vom Wiener Burgtheater bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen Foto: Georg Soulek

Ayad Akhtars „Geächtet“ vom Wiener Burgtheater bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen Foto: Georg Soulek

Bei den Recklinghäuser Ruhrfestspielen werden dieses Jahr unter dem Motto „Kopf über, Welt unter“ große, oft unbequeme Fragen und komplexe Themen auf verschiedenste Weise auf der Bühne präsentiert und verhandelt. Ayad Akhtars mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnetes Stück Geächtet könnte damit den Kern der diesjährigen Spielzeit treffen – der Regisseurin Tina Lanik und dem Dramaturgen Florian Hirsch vom Wiener Burgtheater fehlt es jedoch an Mut zur Kürzung und Abstraktion, um den Zuschauer bei all den Abhandlungen über das Für und Wider des Islams, die Frage nach dem individuellen Wert des Glaubens u. v. m. emotional am Ball zu halten.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Menschenopfer für die Freiheit

"Prometheus/Egmont" bei den Ruhrfestspielen Foto: Krusebild

„Prometheus/Egmont“ bei den Ruhrfestspielen Foto: Krusebild

Die Ruhrfestspiele setzen den Feinden der Demokratie in einer Lesung mit Sebastian Koch die Freiheits-Märtyrer Prometheus/Egmont entgegen. Die Aussicht, die das ergibt, ist wenig erträglich. Doch es sind eben ernste Zeiten, sagt der Regisseur.

von FABIAN MAY Weiterlesen

Die Totalerschöpfung der Utopie

Andrej Platonow - Die Baugrube Cover: Suhrkamp

Andrej Platonow – Die Baugrube Cover: Suhrkamp

Anders als seine Zeitgenossen Michail Bulgakow oder Boris Pasternak, blieb Andrej Platonow als sowjetischer Schriftsteller in Deutschland bis heute weitgehend unbekannt. Insofern wurde auch seinem bekanntesten Roman Die Baugrube diese Nichtbeachtung zuteil. Dabei handelt es sich um ein literarisches Jahrhundertwerk, das einen Vergleich mit den Romanen von Kafka, Joyce und Beckett nicht zu scheuen braucht. Der Suhrkamp Verlag legte im Dezember vergangenen Jahres erstmals eine präsentable deutsche Übersetzung vor, und eines wird offensichtlich: Was Platonow mit seiner Sprache fertigbringt, ist ein Kunststück, das in der russischen Literatur bis heute seinesgleichen sucht.

von JONAS PODLECKI Weiterlesen

Selbstkreierte Lügenpresse

Jan Neummans "Bombenstimmung" bei den Ruhrfestspielen Foto: Luca Abbiento

Jan Neummans „Bombenstimmung“ bei den Ruhrfestspielen Foto: Luca Abbiento

Was tun, wenn die Leserzahl der eigenen Zeitung fortwährend abnimmt? Wenn in der Redaktion der ostdeutschen Kleinstadt keine bedeutenden Nachrichten mehr eintreffen und die Fusion mit einem größeren Blatt droht? Man erschafft sich die Schlagzeilen einfach selbst und liefert damit als Lügenpresse Kanonenfutter für die Rechten. Was nach politischer Brisanz klingen könnte, ist in Jan Neumanns Auftragswerk Bombenstimmung zu einer soliden, aber harmlosen und zum Teil überzogenen Komödie geworden – was nicht zuletzt an Hasko Weber liegt, der jetzt die Uraufführung mit seinem Weimarer Ensemble bei den Ruhrfestspielen inszenierte.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Mord auf der Principal

Lluís Llach - Die Frauen von La Principal Cover: Insel

Lluís Llach – Die Frauen von La Principal Cover: Insel

Das Weingut La Principal ist das größte Anwesen in Ríus, einer kleinen spanischen Provinzstadt. 1940 wird hier ein alter Mordfall aufgerollt, während zugleich eine ungewöhnliche Liebesgeschichte beginnt. Lluís Llachs Die Frauen von La Principal handelt von Unabhängigkeit, Moral und von neuen Wegen, die in der tiefsten Provinz Spaniens während der Herrschaft des Franco-Regimes beschritten werden.

von ANNA BREIDENBACH Weiterlesen