Eine Asienrundreise der anderen Art

Christian Kracht: Der gelbe Bleistift; Cover: Kiepenhauer&Witsch

Christian Kracht nimmt den Leser in Der gelbe Bleistift mit auf eine Reise durch das Asien der späten Neunziger. In fast 20 Reiseberichten, die als Kolumne in der „Welt am Sonntag“ erschienen sind, bahnt er sich seinen Weg von Baku bis nach Tokio durch den bevölkerungsreichsten Kontinent. Die abwechslungsreichen Begegnungen mit den Menschen und Kulturen überraschen ihn immer wieder. Ob strenge Malaien, pakistanische Waffenhändler oder Hippies im indischen Goa – seine Reise ist lesenswerter denn je.

von JAN-NIKLAS DALLEY

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„Was ist eine Mutter ohne Kind?“

Oyinkan Braithwaite: Das Baby ist meins; Cover: Blumenberg

Oyinkan Braithwaites Roman Das Baby ist meins gleicht einer Neuerzählung von König Salomos Urteil. Nur, dass die Handlung nicht im Jahr 1000 v. Chr. spielt, sondern im Jahr 2020 in Laos, Nigeria während des ersten Lockdowns in der Corona-Pandemie. Ein spannender Roman, der sich mit tiefgründigen und gesellschaftlichen Themen auseinandersetzt.

von VANESSA MUSZARSKY

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Im Paris der Erinnerungen auf der Suche nach einer Frau

Patrick Modiano: Unsichtbare Tinte; Cover: Hanser Verlag

Der ungelöste Fall der mysteriösen Noelle Lefebvre lässt Jean Eyben auch noch Jahrzehnte nach deren Verschwinden nicht los. Unwichtige Details werden zur Geheimbotschaft und das Verfassen von Notizen zur Manifestation der Existenz einer längst vergessenen Zeit. Der schlichte Inhalt von Patrick Modianos Unsichtbare Tinte wird durch die wendungsreiche Struktur und den geschliffenen Stil zu einer fesselnden Geschichte, die Spannung ganz ohne action-lastige Elemente erzeugt.

von LEINES BAUMGARDT

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Ein feministisches Plädoyer an die Macho-Männer

Isabel Allende: Was wir Frauen wollen; Cover: Suhrkamp Verlag

In ihrem autobiografischen Buch Was wir Frauen wollen gewährt Isabel Allende dem Leser intime Einblicke in ihr Leben als Feministin, was – wie sie sagt – bereits im Kindergartenalter begann. Das Werk selbst versteht sich als ein Sachbuch über gelebten Feminismus, Geschlechterungleichheit und – vor allem – der Selbstbestimmung der Frauen. In unaufgeregtem Plauderton berichtet die Bestsellerautorin in Anekdoten, was es bedeutet, eine Frau zu sein.

von ISABEL MANTHE

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Vom Schwärmen mit Schnaken

Harry Martinson: Schwärmer und Schnaken; Cover: Guggolz Verlag

In Harry Martinsons Schwärmer und Schnaken werden ausschweifend schwärmende, scheinbar willkürlich gesammelte Naturessays aneinandergereiht, in denen Weisheiten über das Schreiben, sowie Kritik an der Gesellschaft verwoben sind. Ein poetisches Naturbild für Liebhaber.

von VIKTORIA GORETZKI

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Wie ein neues Leben Familien prägt

Jacqueline Woodson: Alles glänzt; Cover: Piper

Der Roman Alles glänzt erzählt die Geschichte einer ungeplanten Schwangerschaft, die nicht nur das Leben der werdenden Mutter, sondern gleich das mehrerer Familien und Generationen auf den Kopf stellt. Denn nicht nur die werdenden Eltern Iris und Aubrey hatten mit fünfzehn Jahren andere Pläne für ihr Leben – auch Iris‘ Mutter ist zunächst voller Verzweiflung: eine Erzählung darüber, wie ein einziger Mensch das Leben mehrerer Generationen verflechten und dessen Verläufe beeinflussen kann. Kurzweilig und doch kraftvoll nimmt Autorin Jacqueline Woodson den Leser mit auf eine emotionale Reise aus verschiedenen Perspektiven.

von ISABELLA NAUEN

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„Wenn ein Berg Brot daliegt, dann existiert die Welt.“

Anatoli Pristawkin: Schlief ein goldnes Wölkchen, Cover: Aufbau Verlag

In seinem Roman Schlief ein goldnes Wölkchen blickt Anatoli Pristawkin zurück in seine Kindheit und schildert mit der Geschichte der Kusmin-Zwillinge zugleich seine eigene wie auch die tausender anderer Waisenkinder rund um das Moskau der 40er Jahre. Eine Geschichte von Heimatlosigkeit, Hunger und der Deportation in den Kaukasus, in dem – vom Tschetschenien-Konflikt geschüttelt – das Versprechen eines neuen Lebens bestenfalls trügerisch erscheint.


von ANDREAS MARTIUS

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„Kämpfen, trotz allem.“

Marco Balzano: Ich bleibe hier; Diogenes

Mit seinem Roman Resto qui gewann Marco Balzano bereits 2018 den Premio Asti d’Appello und 2019 sowohl den Prix Méditerranée étranger als auch den Premio Bagutta. Verdienterweise – denn Balzano gelingt es, mit einfacher Sprache und der Erschaffung einer spannenden Protagonistin das komplexe Schicksal eines gesamten Dorfes zu erzählen. Seit Sommer 2020 ist der Roman nun auch in deutscher Übersetzung unter dem Titel Ich bleibe hier erhältlich. Einzig wer einen ausführlichen Einbezug der übergeordneten historischen Geschehnisse in die Geschichte erwartet, wird wohl eher enttäuscht.

von REEMDA HAHN

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Kolumne: In der lesBar mit Brecht, Bruinier und Laura Weber

Eine lyrische Vorstellung, eine antilyrische These, ein weltbewegendes Gedicht, eine poetische Überführung und Ihre Reservierung in einem Etablissement, in dem die Grenzen der Gattungen überschritten werden: Willkommen in der lesBar, liebe Kolumnauten!

von NICK PULINA

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„Mein Geist verlangte nach einer kleineren Welt“

Ottessa Moshfegh: Der Tod in ihren Händen; Hanser Berlin

Ottessa Moshfegh wagt mit ihrem neuen Roman Der Tod in ihren Händen einen Vorstoß in die Welt der unzuverlässigen Erzähler und schafft eine Protagonistin, deren einsamer Alltag durch den Fund eines Zettels durchbrochen wird, der von einem vermeintlichen Mord berichtet. Was zunächst nach dem Anfang eines klassischen Whodunit-Krimis aussieht, bekommt sehr schnell einen bitteren Beigeschmack. Geht es hier wirklich um die Aufklärung eines Mordes oder sollte eigentlich etwas ganz anderes aufgearbeitet werden?

von NICK PULINA

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