Wenn die Paranoia um sich greift

Arthur Millers "Hexenjagd" am Schauspiel Düsseldorf Foto: Sebastian Hoppe

Arthur Millers „Hexenjagd“ am Schauspiel Düsseldorf Foto: Sebastian Hoppe

Das Düsseldorfer Schauspielhaus bringt Arthur Millers Hexenjagd auf die Bühne. In der Regie des Russen Evgeny Titov entwickelt das Stück mitunter einen düsteren Sog, verblasst aber insgesamt wegen seiner etwas ideenlosen Imitation konventioneller cineastischer Effekte. 14 leidenschaftliche Schauspieler berühren das Publikum ungeachtet ihrer schablonenhaften Rollentypen.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Ein Krug kommt selten allein

Kleist "Der zerbrochne Krug" am Schauspielhaus Bochum Foto: Hans Jürgen Landes

Kleist „Der zerbrochne Krug“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Hans Jürgen Landes

Anselm Weber, Noch-Intendant des Bochumer Schauspielhauses, widmet sich nach etlichen Bühnenklassikern nun Heinrich von Kleists Lustspiel Der zerbrochne Krug. Zwar gerät der Abend zum kurzweilig-komischen (Sprach-)Vergnügen, auf innovative Regieeinfälle wartet man jedoch abermals vergeblich.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Vergoldete Verlorenheit

Hauptmanns "Rose Bernd" am Schauspielhaus Bochum Foto: Arno Declair

Hauptmanns „Rose Bernd“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Arno Declair

Wie schon in der letzten Spielzeit bringt Regisseur Roger Vontobel mit Rose Bernd ein Hauptmann-Stück auf die Bühne des Bochumer Schauspielhauses. Auch diesmal überzeugt Jana Schulz in der titelgebenden Hauptrolle: Sie spielt eine Frau, die als Spielball zwischen zu viel fordernden Männern Stärke beweist, letztendlich aber an den Zwängen der Gesellschaft zerbricht.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

„Das Soloinstrument in der Symphonie der Sterbenden“

Philippe Claudel - Die grauen Seelen   Cover: RowohltIn einer Zeit, in der sich für die tagtäglichen Verstümmelungen und Verletzungen keine Worte, für die Toten keine Würde und keine Anerkennung mehr finden und keine überschaubare Zahl mehr nennen lässt, sind es ausgerechnet die Einzelschicksale der Hinterbliebenen, die ihre ganz eigenen, kaum zu begreifenden Katastrophen darstellen. Philippe Claudel zeichnet in Die grauen Seelen das Bild des Alltags von Menschen, die ihren Alltag durch den Krieg verloren haben.

von MELINA LOSCHEN

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SEX SEX SEX

Sibylle Berg - Der Tag, als meine Frau einen Mann fand   Cover: Hanser VerlagSie ist, wenn man es mit einer dieser vom Feuilleton so heißgeliebten Vossianischen Antonomasien sagen möchte, das Trüffelschwein unter den Romanciers am schmuddeligen emotionalen Abgrund der heterosexuellen Paarbeziehung (und nicht nur da). Sibylle Bergs neuen Roman Der Tag, als meine Frau einen Mann fand muss man erst einmal aushalten können. Er liest sich mit all seinen fast aphoristischen Sätzen wie das kleine Poesiealbum des monogamen Scheiterns und des koitalen Irrsinns. Kurz: ein Genuss.

von NADINE HEMGESBERG

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Von Eheleuten, Eseln und Primaten

Szenen einer Ehe Premiere in Dortmund: Claudia Bauer inszeniert Szenen einer Ehe nach Ingmar Bergmanns sechsteiliger Serie von 1973. Marianne und Johan führen zu Beginn eine vermeidlich glückliche und harmonische Ehe, welche durch Johans abruptes Geständnis einer Affäre eine Kette von (Re-)Aktionen und Gefühlen auslöst. Schonungslos wird das Publikum mit dutzenden Fragen an das Konzept Ehe konfrontiert und mit diversen Ästhetiken und Techniken überflutet.

von ALINA SAGGERER

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Eine athermische Erfahrung

Saccomanno_Der Angestellte Cover KiWiVon der Hölle, nicht aus sich herauszukommen, erzählt der in Argentinien berühmte Guillermo Saccomanno (*1948) in seinem Roman Der Angestellte. Doch den großspurigen Ankündigungen von KiWi wird er nicht gerecht. Dafür sorgen mit vereinten Kräften seine entfremdete Sprache und die Nullsummenhandlung.

von FABIAN MAY

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Konventionelles Beziehungsspektakel

Francesca Segal - Die Arglosen   Cover: Kein&AberIn Francesca Segals Debütroman Die Arglosen (The Innocents, 2012) werden wir mitten in die Verstrickungen, Traditionen und Dynamiken einer großen, lauten und liebenswerten jüdischen Familie befördert. Eine spannungsgeladene Dreiecksbeziehung bildet die Basis für Segals Roman, doch das eigentlich Fesselnde ist die sich entfaltende Familiengeschichte.

von KATHARINA WINTER

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