Deutsch-ägyptische Trauerbewältigung

Annabel Wahba: Chamäleon; Cover: Eichborn Verlag

Der Tod ist ein treuer Begleiter (auto-)biografischen Erzählens. Auch Annabel Wahbas Familienporträt Chamäleon ist aus dem traurigen Anlass entsprungen, dem an Krebs erkrankten Bruder André mit einem Blick auf die eigene Familiengeschichte das Leid zu lindern. Das gelingt der vortrefflichen Erzählerin durch Exkurse in die deutsch-ägyptische Geschichte sowie durch das Aufzeigen der Verflechtungen von zwei auf den ersten Blick differenten Welten.

von THOMAS STÖCK

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Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – Kolonialismus aus neuer Perspektive

Nana Oforiatta Ayim: The God Child; Cover: Bloomsbury

Ghanaische Geschichte verpackt in einem autobiographischen Roman: Mit ihrem Debüt The God Child trägt Nana Oforiatta Ayim dazu bei, postkoloniale Strukturen bewusst zu machen und arbeitet dabei nicht nur die Geschichte ihrer Heimat, sondern auch die ihrer eigenen Familie auf. Geschichten, die enger verwoben sind, als man zunächst vermuten würde.

von SHARLEEN WOLTERS

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Shylock, Ikone des Antisemitismus

Der für seine Antihelden-Darstellungen bekannte Schauspieler Ernst von Possart als Shylock, etwa um 1904.

„Ein Pfund Fleisch“: Diese Forderung ist der grausame Ruf nach Gerechtigkeit eines Menschen, dem übel mitgespielt wird. Die Figur Shylock erblickte um 1600 im Kaufmann von Venedig das Licht der Shakespeare’schen Bühnenwelt und steht bis heute wie keine zweite für das Schicksal der jüdischen Bevölkerung. Was uns Shylock noch heute zu erzählen hat, davon zeugt das heutige Porträt.

von THOMAS STÖCK

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Aller Anfang ist schwer (2): Was das Leben kostet

Deborah Levy: Was das Leben kostet; Cover: Hoffmann und Campe

Jedes Buch ist irgendwann einmal zu Ende und man blättert die letzte Seite um. Doch was ist ein gutes Ende? Deborah Levy beginnt ihren Roman Was das Leben kostet mit einer Überlegung zum Happy End. Ein Anlass um mit Aller Anfang ist schwer darüber nachzudenken, wie kompliziert es ebenfalls sein kann, ein gutes Ende zu finden. Happy oder Un-happy End? Was stellt uns mehr zufrieden?

von ALINA BRAUCKS

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Der verführerische Klang rostiger Wasserrohre

Tove Ditlevsen: Gesichter; Cover: Aufbau

Nachdem 2021 mit der hochgelobten Kopenhagen-Trilogie (Kindheit, Jugend und Abhängigkeit) ein regelrechtes Tove-Ditlevsen-Jahr im deutschsprachigen Feuilleton gefeiert wurde, ging es im Februar dieses Jahres schon mit der nächsten Neuübersetzung und Veröffentlichung aus dem Œuvre der 1976 verstorbenen dänischen Autorin weiter. Gesichter (dän. Originaltitel: Ansigterne, erstmals veröffentlicht 1968) erzählt die Geschichte einer gefeierten Kinderbuchautorin mit Schreibblockade, Eheproblemen – und jeder Menge schauriger Paranoia.

von CARO KAISER

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Türchen 22: Chimären des Todes

Die Weihnachtszeit ist voll von überlieferten Geschichten über nicht reale Wesen und Dinge, an die man glauben muss – zumindest in der Kindheit. Es beginnt mit dem Christkind oder dem Nikolaus, die die Geschenke bringen, eine Zeit der fantastischen Welten und diffusen Schattenräume. Die britische Autorin Hilary Mantel schreibt in ihrer Autobiografie Von Geist und Geistern über diese verschwimmende Grenze zwischen Realität und dem nicht rational fassbaren Rand der Geisterwelt.

von LISA THEISSEN

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Frauenleichen zu verkaufen

Yukio Mishima: Leben zu verkaufen; Cover: Kein & Aber Verlag

Mehr als 50 Jahre nach seiner Erscheinung in Japan gibt es nun erstmals eine deutsche Übersetzung von Yukio Mishimas spätem Roman Leben zu verkaufen. Die skurrile Geschichte um einen jungen Mann, der sein Leben an andere Menschen verkauft, bleibt leider unter den Möglichkeiten seiner ungewöhnlichen Prämisse. Außerdem: weibliche Pos.

Von CARO KAISER

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Revolution in Kinderschuhen

Volha Hapeyeva: Camel Travel; Droschl Verlag

In ihrem Roman Camel Travel lässt die belarussische Autorin Volha Hapeyeva Kindheitserinnerungen aus der Sowjetunion der 80er und 90er Jahre wieder aufblühen, und lässt den Leser dabei an dem Leben eines kleinen Mädchens teilhaben, welches seine ganz eigene Revolution führt. Zwanzig kurze Erzählungen zeichnen ein Bild von dem Leben eines Kindes, das zwischen individuellem Bewusstsein und sowjetischen Idealen steht – und somit einen Drahtseilakt zwischen kollektiven Kindheitserinnerungen sowie sowjetischen Eigenheiten vollführt.

von KRISTINA KUBITZA

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Ein feministisches Plädoyer an die Macho-Männer

Isabel Allende: Was wir Frauen wollen; Cover: Suhrkamp Verlag

In ihrem autobiografischen Buch Was wir Frauen wollen gewährt Isabel Allende dem Leser intime Einblicke in ihr Leben als Feministin, was – wie sie sagt – bereits im Kindergartenalter begann. Das Werk selbst versteht sich als ein Sachbuch über gelebten Feminismus, Geschlechterungleichheit und – vor allem – der Selbstbestimmung der Frauen. In unaufgeregtem Plauderton berichtet die Bestsellerautorin in Anekdoten, was es bedeutet, eine Frau zu sein.

von ISABEL MANTHE

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Marcel, der Mensch

Thomas Anz: Marcel Reich-Ranicki. Sein Leben; Insel Taschenbuch

Am 2. Juni 2020 würde Marcel Reich-Ranicki seinen 100. Geburtstag feiern. In Erinnerung geblieben ist der bedeutendste deutsche Buchkritiker der Nachkriegszeit als „Literaturpapst“, für seine Verrisse war er berühmt-berüchtigt. Thomas Anz setzt mit seiner Biografie Marcel Reich-Ranicki. Sein Leben dem 2013 Verstorbenen ein lesenswertes Denkmal für sein Lebenswerk. Fakten und Anekdoten über Reich-Ranickis Leben, literarische Querverweise auf seine eigenen Werke und die Auseinandersetzung mit der Kritik am Kritiker zeigen ihn in seinen zahlreichen Facetten.

von THOMAS STÖCK Weiterlesen