Modernes Theater geht auch ohne schockierende Effekte

„Eugen Onegin“ im Opernhaus Dortmund Foto: Anke Sundermeier

Puschkins Eugen Onegin gilt als der typisch russische Versroman des 19. Jahrhunderts. Das literarische Werk über die Rolle von Literatur, den überflüssigen Menschen und die Frage nach dem richtigen Augenblick für das wahre Glück verwandelte Tschaikowski 1878 in die gleichnamige Oper. An diese russische Komposition wagt sich die Oper Dortmund nun erfolgreich und künstlerisch innovativ. Als vollkommen überzeugend kann sie jedoch nicht bezeichnet werden; dazu verliert sie den russischen Ursprung des Werks ein wenig zu stark aus dem Blick.

von ALINA WOLSKI Weiterlesen

Advertisements

Vom Aufgang der Sonne…

"Sonnenaufgangsautomat" der scheinzeitmenschen Foto: Jörg Gröger

„Sonnenaufgangsautomat“ der scheinzeitmenschen Foto: Jörg Gröger

Pünktlich zur Herbstsaison liefert das Künstler*innenkollektiv scheinzeitmenschen mit der Installation Sonnenaufgangsautomat eine gute Alternative zu den hiesigen Sonnenbänken – nicht nur, um Licht zu tanken, sondern auch, um den bevorstehenden Winterdepressionen helle Momente entgegenzusetzen. Kunst versus Solarium also? Nicht ganz. Trotz diverser Parallelen funktioniert die Arbeit weniger auf einer körperlichen als vielmehr auf einer geistigen Ebene.

von CHRISTOFER SCHMIDT Weiterlesen

Die Beatles als Bindeglied zwischen Generationen

COVER_Peter Smith_Sam, die Beatles und ich_Kiepenheuer & WitschEs ist ein Buch über eine Band, die jedem ein Begriff ist, egal, ob er sie schon in seiner Jugend gehört hat, oder erst Jahrzehnte später geboren wurde. Aber der Roman Sam, die Beatles und ich. Wie ich das Herz meines Sohnes gewann von Peter Smith ist nicht nur ein Buch über die Beatles, sondern beschäftigt sich, wie schon der Titel verrät, vielmehr mit der Beziehung zwischen Vater und Sohn. Peter Smith, der mit der Musik der Beatles aufgewachsen ist, erlebt die Faszination der vier Liverpooler nun gemeinsam mit seinem siebenjährigen Sohn ganz neu.

Von ANNA LENA KNIEPER Weiterlesen

Wie hast Du’s mit der Religion?

Ayad Akhtars "Geächtet" vom Wiener Burgtheater bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen Foto: Georg Soulek

Ayad Akhtars „Geächtet“ vom Wiener Burgtheater bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen Foto: Georg Soulek

Bei den Recklinghäuser Ruhrfestspielen werden dieses Jahr unter dem Motto „Kopf über, Welt unter“ große, oft unbequeme Fragen und komplexe Themen auf verschiedenste Weise auf der Bühne präsentiert und verhandelt. Ayad Akhtars mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnetes Stück Geächtet könnte damit den Kern der diesjährigen Spielzeit treffen – der Regisseurin Tina Lanik und dem Dramaturgen Florian Hirsch vom Wiener Burgtheater fehlt es jedoch an Mut zur Kürzung und Abstraktion, um den Zuschauer bei all den Abhandlungen über das Für und Wider des Islams, die Frage nach dem individuellen Wert des Glaubens u. v. m. emotional am Ball zu halten.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Wenn sich der Tod ins Leben verliebt

Thees Uhlmanns "Sophia, der Tod und ich" am Schauspiel Essen Foto: Martin Kaufhold

Thees Uhlmanns „Sophia, der Tod und ich“ am Schauspiel Essen Foto: Martin Kaufhold

Am Schauspiel Essen feiert eine Romanadaption Weltpremiere: Sophia, der Tod und ich nach dem Bestseller des Singer-Songwriters Thees Uhlmann. Mit nur fünf Schauspielern und ein wenig Musik gelingt ein kurzweiliger Abend, der ein sehr dunkles, Ängste evozierendes Thema ungewohnt leichtfüßig behandelt und die angetanen Zuschauer mit einem warmherzigen Plädoyer für das Leben nach Hause schickt.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Warum sind Matratzenläden immer in Eckhäusern?

Tim Szlafmyca - Die Relativität der Gleichzeitigkeit

Tim Szlafmyca – Die Relativität der Gleichzeitigkeit

Das nicht so falsche Klischee zeigt, dass Liebesgeschichten, wenn nicht unbedingt von Frauen geschrieben, so doch zumindest aus weiblicher Sicht geschildert und damit auch oft für Leserinnen produziert werden. Tim Szlafmyca hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses Klischee ad acta zu legen: Sein Debütroman Die Relativität der Gleichzeitigkeit erzählt eine romantische Geschichte aus dem Alltag eines jungen Mannes, der zwischen Uni, seinem Küchenfenster und der Lieblingskneipe versucht, das Herz eines Mädchens zu erobern.

von STEFAN KLEIN Weiterlesen

Ein Roman wie ein Feelgood-Movie

Rebecca Martin - Nacktschnecken   Cover: DumontEs gibt Bücher, die werden nie zu den Lieblingen, sie schaffen es nicht in die Kategorie ‚anspruchsvoll‘ und glänzen auch nicht durch ausgefeilte stilistische Höhenflüge. Dennoch besitzen sie einen reizvollen Charme: Sie vermögen, den Leser glücklich zu machen. Rebecca Martins Nacktschnecken ist so ein Buch.

von ANNA KREWERTH

Weiterlesen

Die Kunst der Balance

Ian McEwan - Kindeswohl   Cover: DiogenesWork-Life-Balance – wieder so ein Buzzword – scheint heutzutage den Topf Gold am Ende des Regenbogens zu ersetzen. Man glaubt ganz fest, er sei dort und er müsse wundervoll sein – aber wie ihn erreichen oder gar behalten? Ian McEwans jüngster Roman handelt auf elegante Weise davon, dass Balance kein statischer Zustand (und mithin kein Topf Gold), sondern grundsätzlich dynamisch ist. Ganz entgegen dessen, was der Titel Kindeswohl vermuten lässt, braucht es nicht einmal (eigene) Kinder, um sicherzustellen, dass man ständig in Bewegung bleiben muss, um ein Gleichgewicht herzustellen.

von SOLVEJG NITZKE Weiterlesen

„Astronauten“ oder Ein Scheitern in drei Zitaten

Sandra Gugic - Astronauten   Cover: C.H. BeckEs gibt Romane, die kommen gefühlt zehn Jahre zu spät. Sandra Gugics Debüt Astronauten ist einer dieser Romane. Ihre Figuren: In einem Perspektivenroman umhertreidelnde Astronauten in der bösen Überwachungsmatrix namens Leben und mit dem inszenierten Ich in mannigfaltigen (medialen) Ausprägungen Hadernde. Gähn.

von NADINE HEMGESBERG

Weiterlesen