Wie hast Du’s mit der Religion?

Ayad Akhtars "Geächtet" vom Wiener Burgtheater bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen Foto: Georg Soulek

Ayad Akhtars „Geächtet“ vom Wiener Burgtheater bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen Foto: Georg Soulek

Bei den Recklinghäuser Ruhrfestspielen werden dieses Jahr unter dem Motto „Kopf über, Welt unter“ große, oft unbequeme Fragen und komplexe Themen auf verschiedenste Weise auf der Bühne präsentiert und verhandelt. Ayad Akhtars mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnetes Stück Geächtet könnte damit den Kern der diesjährigen Spielzeit treffen – der Regisseurin Tina Lanik und dem Dramaturgen Florian Hirsch vom Wiener Burgtheater fehlt es jedoch an Mut zur Kürzung und Abstraktion, um den Zuschauer bei all den Abhandlungen über das Für und Wider des Islams, die Frage nach dem individuellen Wert des Glaubens u. v. m. emotional am Ball zu halten.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Wenn sich der Tod ins Leben verliebt

Thees Uhlmanns "Sophia, der Tod und ich" am Schauspiel Essen Foto: Martin Kaufhold

Thees Uhlmanns „Sophia, der Tod und ich“ am Schauspiel Essen Foto: Martin Kaufhold

Am Schauspiel Essen feiert eine Romanadaption Weltpremiere: Sophia, der Tod und ich nach dem Bestseller des Singer-Songwriters Thees Uhlmann. Mit nur fünf Schauspielern und ein wenig Musik gelingt ein kurzweiliger Abend, der ein sehr dunkles, Ängste evozierendes Thema ungewohnt leichtfüßig behandelt und die angetanen Zuschauer mit einem warmherzigen Plädoyer für das Leben nach Hause schickt.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Warum sind Matratzenläden immer in Eckhäusern?

Tim Szlafmyca - Die Relativität der Gleichzeitigkeit

Tim Szlafmyca – Die Relativität der Gleichzeitigkeit

Das nicht so falsche Klischee zeigt, dass Liebesgeschichten, wenn nicht unbedingt von Frauen geschrieben, so doch zumindest aus weiblicher Sicht geschildert und damit auch oft für Leserinnen produziert werden. Tim Szlafmyca hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses Klischee ad acta zu legen: Sein Debütroman Die Relativität der Gleichzeitigkeit erzählt eine romantische Geschichte aus dem Alltag eines jungen Mannes, der zwischen Uni, seinem Küchenfenster und der Lieblingskneipe versucht, das Herz eines Mädchens zu erobern.

von STEFAN KLEIN Weiterlesen

Ein Roman wie ein Feelgood-Movie

Rebecca Martin - Nacktschnecken   Cover: DumontEs gibt Bücher, die werden nie zu den Lieblingen, sie schaffen es nicht in die Kategorie ‚anspruchsvoll‘ und glänzen auch nicht durch ausgefeilte stilistische Höhenflüge. Dennoch besitzen sie einen reizvollen Charme: Sie vermögen, den Leser glücklich zu machen. Rebecca Martins Nacktschnecken ist so ein Buch.

von ANNA KREWERTH

Weiterlesen

Die Kunst der Balance

Ian McEwan - Kindeswohl   Cover: DiogenesWork-Life-Balance – wieder so ein Buzzword – scheint heutzutage den Topf Gold am Ende des Regenbogens zu ersetzen. Man glaubt ganz fest, er sei dort und er müsse wundervoll sein – aber wie ihn erreichen oder gar behalten? Ian McEwans jüngster Roman handelt auf elegante Weise davon, dass Balance kein statischer Zustand (und mithin kein Topf Gold), sondern grundsätzlich dynamisch ist. Ganz entgegen dessen, was der Titel Kindeswohl vermuten lässt, braucht es nicht einmal (eigene) Kinder, um sicherzustellen, dass man ständig in Bewegung bleiben muss, um ein Gleichgewicht herzustellen.

von SOLVEJG NITZKE Weiterlesen

„Astronauten“ oder Ein Scheitern in drei Zitaten

Sandra Gugic - Astronauten   Cover: C.H. BeckEs gibt Romane, die kommen gefühlt zehn Jahre zu spät. Sandra Gugics Debüt Astronauten ist einer dieser Romane. Ihre Figuren: In einem Perspektivenroman umhertreidelnde Astronauten in der bösen Überwachungsmatrix namens Leben und mit dem inszenierten Ich in mannigfaltigen (medialen) Ausprägungen Hadernde. Gähn.

von NADINE HEMGESBERG

Weiterlesen

„Sie können jetzt klatschen“

Andreas Grothgar und Pia Händler im "Baumeister Solness"   Foto: Sebastian Hoppe

Andreas Grothgar und Pia Händler im „Baumeister Solness“ Foto: Sebastian Hoppe

Andreas Grothgar schreit, poltert und rauft sich das nicht vorhandene Haar. Er gibt den autodidaktischen Star-Baumeister Solness in der Inszenierung von Henrik Ibsens Stück unter Regie von Stephan Müller am Schauspielhaus Düsseldorf. Wird die Hybris dem Baumeister am Ende zum Verhängnis?

von NADINE HEMGESBERG

Weiterlesen

Ein lebensbeneinendes Buch

Judith Hermann - Aller Liebe Anfang   Cover: S. FischerJudith Hermann präsentiert in ihrem ersten Roman Aller Liebe Anfang ein beklemmendes Vorortszenario in detachiertem Stil. Der Leser wird hier Zuschauer einer Lebensrealität, die er für kein Geld der Welt nacherleben wollen würde.

von RAMONA SCHERMER

Weiterlesen

Lost in white misery

"Gift" am Schauspielhaus Bochum   Foto: Diana KüsterWas ist Leid? Ist Leid universell? Wie leidet ein Individuum im Angesicht eines unbegreiflichen Ereignisses? Ist Leid vergleichbar? Wie weit darf das persönliche Leiden gehen? Ist geteiltes Leid wirklich halbes Leid oder nicht eher doppeltes? In den Kammerspielen des Schauspielhauses Bochum wirft Lot Vekemansʼ Zwei-Personen-Drama Gift. Eine Ehegeschichte in der Inszenierung von Heike M. Götze mit Bettina Engelhardt und Dietmar Bär Fragen nach Leid und Leiden auf. Ein Abend, der an die Nieren geht.

von SYLVIA KOKOT Weiterlesen