Zwischen Spartakus und Bonaparte

Sudhir Hazareesingh: Black Spartacus; Cover: C. H. Beck

Sudhir Hazareesinghs Biografie Black Spartacus porträtiert den Mann, der in der französischen Kolonie Saint-Domingue die schwarze und kreolische Bevölkerung aus der Sklaverei in die Freiheit führte und der damit den Weg ebnete für die Unabhängigkeit des heutigen Haiti: Toussaint Louverture. Hazareesingh zeigt auf, dass es Toussaint als fähigem General gelang, nacheinander Franzosen, Briten und Spanier bittere Niederlagen zuzufügen. Auch politisch konnte „der schwarze Spartakus“ häufig seinen Willen durch geschicktes und weitsichtiges Handeln durchsetzen, wobei er jedoch seine republikanischen Ideale für die eigene Machtposition verriet. Eine durch ihren Detailreichtum beeindruckende Biografie, die zugleich die Stärken und Schwächen dieses geschichtswissenschaftlichen Genres aufzeigt.

von THOMAS STÖCK

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Hinter den Kulissen des Bauhauses

Jana Revedin: Jeder hier nennt mich Frau Bahaus; Dumont

Zum 100. Bauhaus-Jubiläum 2019 erschien viel Neues, was sich mit dem Baustil der Klassischen Moderne, den prägenden Künstlern und der Kunstschule als solcher beschäftigt. Jana Revedins biografischer Roman Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus wirft einen allumfassenden und doch subjektiven Blick auf und hinter die Fassaden des Bauhauses. Die Protagonistin Ise Frank entlarvt, wie progressiv das Bauhaus unter ihrem Ehemann Walter Gropius tatsächlich war. Der Roman bleibt in diesen Schilderungen leider ziemlich oberflächlich.

von JASMIN GIERLING Weiterlesen

Von Freiheit und Verlust

Cover_KarenKoehler_Wir haben Raketen geangelt_Carl HanserFast täuscht der Titel über die Ernsthaftigkeit der Erzählungen hinweg. Aber Wir haben Raketen geangelt versammelt Geschichten, die nicht bloß in lieben Erinnerungen schwelgen, sondern sich erzählend solchen Situationen annehmen, die zwischen dem Alltäglichen und dem Extremen aufgespannt werden. Indianer und Vespafahrten, Familienportraits und Eremiten sind Themen und formgebende Elemente dieser Kurzgeschichten, denen gemeinsam ist, dass ihre Protagonisten und Erzählerinnen sich der Aufgabe stellen, sich am eigenen (Kinder-)Anspruch zu messen.

von SOLVEJG NITZKE Weiterlesen

Auf ein literarisches Surf ’n’ Turf, KW 9

Jonathan Lethem beim National Book Critics Circle Award   Foto: Wikimedia User David ShankboneHerzlich Willkommen zur dritten Woche über amerikanische Essays! Mein Name ist Fischer und ich bin heute wieder Ihr Reiseleiter. Ich hoffe, Sie halten Ihre Bordkarten bereit, damit wir zügig los kommen. Den ersten Stopp legen wir heute in Claremont, Kalifornien, ein, wo Jonathan Lethem am Pomona College Creative Writing lehrt. Und da wir schon mal in Kalifornien sind, fahren wir danach die Küste entlang Richtung Santa Cruz und treffen hoffentlich Jonathan Franzen. Vorausgesetzt er ist nicht unterwegs, um Vögel zu beobachten. Also, packen Sie ein paar Cracker ein, denn es wird eine lange Etappe.

von KAI FISCHER

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Eine Entdeckung: Der Photograph Claude Simon

Claude Simon - Archipel Nord   Cover: Matthes & SeitzDie historischen Traumata des 20. Jahrhunderts sind die Themen, um die Claude Simons Romane kreisen und für die er 1985 den Nobelpreis verliehen bekam. Doch wie bekannt sind diese nicht leicht lesbaren Texte? Archipel / Nord, eine Auswahl von Prosaskizzen, bietet nun die Gelegenheit, diesen Autor (wieder-) zu entdecken.

von KAI FISCHER

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Die Welt will romantisiert werden

Er träumte mal von einer grenzenlosen Universalpoesie, mal von einer stählernden Karriere im Militärdienst: Novalis (1772–1801) galt lange Zeit als „romantischster“ Schriftsteller der Romantik. Wolfgang Hädecke zeichnet in seiner materialreichen Biographie ein sachliches Bild des Dichters der Hymnen an die Nacht.

von PHILIPP KAMPSCHROER

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