Hinter der Mauer lauern Liebe und Hass

Shakespeares "Romeo und Julia" am Schauspielhaus Bochum Foto: Thomas Aurin

Shakespeares „Romeo und Julia“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Thomas Aurin

Marius von Mayenburg inszeniert am Schauspielhaus Bochum den wohl bekanntesten Theaterklassiker überhaupt: Romeo und Julia. Was ihn am Stoff fasziniert, ist aber weniger die „Love Story“ als die düstere Omnipräsenz des Todes. Dank interessanter Regieeinfälle und engagierter Darsteller gelingt ein starker, unverschnörkelt-eindringlicher Shakespeare-Abend auf Niveau der besten Schaubühnen-Produktionen.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Wer wir sind und wie wir waren

Cover: "Alle Nähe fern" André Herzberg Quelle: Ullstein

 

In seinem neuen Roman Alle Nähe fern gelingt André Herzberg, bekannt als Sänger der DDR-Band Pankow, ein lakonischer – und vermutlich gerade deshalb besonders eindrucksvoller – Abriss deutsch-jüdischer Geschichte im 20. Jahrhundert.

von KATJA PAPIOREK

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Große Gesten?

PM Hoffmann/Bernd Lindner: Herbst der Entscheidung Verlag: Ch. Link

PM Hoffmann/Bernd Lindner: Herbst der Entscheidung Verlag: Ch. Link

 

Ende 1989 gerät die DDR durch friedliche Massenproteste der Bevölkerung ins Wanken, plötzlich öffnet sich der Weg zur Wiedervereinigung. Alle (5) Jahre wieder erinnern verschiedene Medien daran, zunehmend auch Comics. Im Reigen der Wende-Comics ist PM Hoffmanns und Bernd Lindners Herbst der Entscheidung allerdings eine Enttäuschung.

von CHRISTIAN A. BACHMANN

 

 

 

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Ästhetik der Zahnschmerzen, oder: wie einmal Nuss-Nougat-Creme die Mauer zu Fall brachte

Mönch/Lahl/Kahane: Treibsand Quelle: Metrolit VerlagMax Mönch, Alexander Lahl und Kitty Kahane erzählen in Treibsand eine Geschichte der Wende und zeigen damit en passant, wie man historische Comics richtig gut macht.

von CHRISTIAN A. BACHMANN

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Stasi in Elspe

Rolf Bauerdick - Pakete an Frau Blech   Cover: DVA

„‚Scheiße‘, war das einzige Wort, das mir über die Lippen kam.“ In diesem Ausdruck von Selbsterkenntnis muss man wohl den kathartischen Moment in Rolf Bauerdicks Roman Pakete an Frau Blech erkennen, einem Unterhaltungsroman über die deutsch-deutsche Geschichte und ihre Nachwehen. In zwei eng miteinander verwobenen Erzählsträngen verbindet der Autor die Lebensgeschichte des Maik Kleine und die Zeitläufe des bundesdeutschen Weltgeschehens miteinander. Doch Vorsicht: Diese unscheinbare Geschichte ist ein vergiftetes Geschenk.

von PETER GOSSENS Weiterlesen

Standbild eines Männerlebens

Vaterjahre von Michael Kleeberg Quelle: DVAVaterjahre ist der zweite Teil von Michael Kleebergs geplanter Charly-Renn-Trilogie. Der Verlag verspricht ein Buch über den „Weltalltag unserer Epoche“ und die Geschichte eines modernen „Jedermanns“. Gehalten wird das wohl – vom Psychoduell beim Golf bis zum Liebesleben eines Enddreißigers, vom Nazi-Großonkel bis zur angeheirateten DDR-Verwandtschaft. Aber muss man das lesen? Nur das letzte Kapitel, denn der Rest des Romans wird beherrscht von geschwätzigen, langweiligen Passagen.

von FABIAN MAY

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Die schöne Welt der Scheinheiligen

Uwe Kolbe - Die Lüge Cover Quelle: S. FischerUwe Kolbe gelingt mit seinem Roman Die Lüge ein seltenes Meisterstück – ein Buch, das aufwühlt ohne je die strenge Linie seiner Nüchternheit und Kühle zu verlassen; ein faszinierendes Psychogramm zweier Männer, die bewundert gehören für ihre Gradlinigkeit und verabscheut für ihre Moral. Es ist die Geschichte einer Suche nach der Wahrheit, die man am Ende – wie so oft – lieber nicht wahr haben möchte …

von ANNA KREWERTH

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Auf einen literarischen Scherzkeks KW 49

Scherzkekse   Foto: Sylvia KokotGestatten: Hemgesberg. Ich lade Sie hier und heute auf ein gemeines Stück Gebäck, den Scherzkeks der vergangenen Woche ein – die knusprige und humoristische Knabberei aus dem Literaturbetrieb. Setzen Sie sich, es ist genug geschehen in dieser Welt der technischen Prothesen und bibliophilen Seelen, damit wir ein wenig plaudern können: Amazon möchte per Drohne liefern und J. D. Salingers unbekannte Kurzgeschichten werden geleakt.

von NADINE HEMGESBERG

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Irgendwann werden wir wieder so lesen

„Es gibt, Dinge die können gleich erzählt werden, und manche sind unsagbar.“, so heißt es im Debütroman von Daniela Krien. Doch die Leipziger Autorin widerlegt sich selbst: „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ (Graf Verlag) wartet und zögert nicht, sondern erzählt geradeheraus die Geschichte zwischen Marie und dem Henner, bei der vieles verschwiegen und dennoch alles erzählt wird. Kriens Erstlingswerk kreist um die Liebe im Verborgenen, das große Schweigen, und das auf eine Weise, wie wir es lange nicht mehr gelesen haben: Aufrichtiges Erzählen von aufrichtigen Gefühlen.

von LARA KIRFEL

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Ödipus und DDR-Vergangenheit

In ihrem neuen Roman Sturz der Tage in die Nacht nimmt Antje Rávic Strubel, deren vorangegangene Romane bereits mit zahlreichen Preisen wie dem Hermann-Hesse-Preis ausgezeichnet wurden, den Leser mit auf eine Reise auf eine Insel in Schweden und erzählt die Liebesgeschichte zwischen einem jungen Mann und einer sechzehn Jahre älteren Ornithologin und einem Geheimnis, das auf tragische Weise mit der Geschichte der beiden Protagonisten verknüpft ist. Enttäuschenderweise stürzen hier nicht nur die Tage in die Nacht und die von Inez beobachteten Vögel von den Klippen, auch die Lektüre hat wenig mit einem Höhenflug zu tun.

von LOUISA HACKMANN

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