Nobelpreisträger und Spät-Demokrat

Thomas Mann mit seiner Tochter Erika, seiner Frau Katia sowie seinem Sohn Klaus 1929. In diesem Jahr erhielt er auch den Nobelpreis für Literatur. Foto von Eduard Wasow.

Thomas Mann, der dieses Jahr seinen 147. Geburtstag gefeiert hätte, ist vor allem als Meister der Ironie und für seine gesellschaftskritischen Werke bekannt. Sein größtes Prosawerk die Buddenbrooks gilt als einer der ersten deutschen Gesellschaftsromane. Für selbigen erhielt Mann den Nobelpreis für Literatur.

von CELINA FARKEN

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Das Kafka-Universum

Franz Kafka (1883 – 1924) 1923, dem Jahr vor seinem Tod

„Jemand musste Josef K. verleumdet haben“, lautet der erste Satz von Franz Kafkas berühmtem Roman Der Prozess. Der darin vorkommende ratlose Protagonist, der sich einer Macht gegenübergestellt sieht, die sich weder ihm noch dem Leser offenbart, ist typisch für Kafkas Werke. Zu seinem Todestag lohnt es sich, einen Blick auf jene Texte zu werfen und auf seine Arbeitsweise, die genauso besonders wie sein Werk ist.

von CELINA FARKEN

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Fotografisches Gedächtnis

W. G. Sebald: Austerlitz; Cover: S. Fischer

W. G. Sebald steht für Foto-Text-Kombinationen wie kein zweiter Autor. In seinen Texten verhandelt der nach England ausgewanderte Schriftsteller die Bedeutung der Fotografie für das Gedächtnis. Dabei zeigt sich an den Schwarzweißfotografien das enorme Potenzial von intermedial konstruierten Erzählwerken – und das, obwohl Sebald auch die Grenzen der fotografischen Erinnerung überdeutlich sichtbar macht.

von THOMAS STÖCK

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Kleists schwarz-weiße Welt

Heinrich von Kleist: Die Verlobung in St. Domingo; Cover: epubli

In Die Verlobung in St. Domingo treffen die rassistischen Vorurteile des beginnenden 19. Jahrhunderts auf historische Realitäten. Schwarze Menschen sind per se böse, weiße Menschen sind per se gut – und Hauttönen dazwischen sieht man nicht immer an, auf wessen Seite sie stehen. Wenn Geschichten Geschichte beeinflussen.

von THOMAS STÖCK

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Der 250. Geburtstag eines jungen Mannes, der der Vergänglichkeit begegnete und in ihr Frieden suchte

Porträt Novalis‘ (1772 – 1801) von Franz Gareis (1775 – 1803), circa 1799; Public Domain

Man ist dem Leben nicht gefeit. Nicht in seinen hellsten Momenten und nicht in seinen dunkelsten. In dieser Erfahrung fand sich auch der junge Dichter Novalis, der nach dem Tod seiner Verlobten der lebendigen Welt abschwor und in lyrischer Vollendung eine Spiritualität der erlösenden Nacht erschuf, die die frühe Blüte der Romantik prägen sollte.

von ANDREAS MARTIUS

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Als böse Wetter die Moderne brachten

Timo Feldhaus: Mary Shelleys Zimmer; Cover: Rowohlt

In Timo Feldhaus’ Mary Shelleys Zimmer treffen die literarischen und politischen Granden der 1810er Jahre in einem erstaunlich modernen Ambiente aufeinander. Eine wahrhaftige Klimakrise bricht aus – im doppelten Sinne, denn ursächlich für das „Jahr ohne Sommer“ (1816) ist der Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora ein Jahr zuvor. Vielen Menschen bringt dieses Ereignis Hunger und Leid, Mary Shelley ebnet es den Weg zu ihrem literarischen Kind: Frankensteins Monster. Ein auffallend zeitgenössischer Roman entspinnt sich in diesem historischen Panorama.

von THOMAS STÖCK

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Aller Anfang ist schwer (1): Der fliegende Berg

Christoph Ransmayr: Der fliegende Berg; Cover: S. Fischer

Kann man erzählen, nachdem man stirbt? Genau diesen Eindruck erweckt der erste Satz – erwecken vielmehr die ersten Verse – von Christoph Ransmayrs Epos Der fliegende Berg. Das paradoxale Erzählen des Protagonisten Patrick entführt uns in eine menschenfeindliche Welt, in die eisweißen Höhen des Himalayas.

von THOMAS STÖCK

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Ich denke, doch wer bin ich?

Yannic Han Biao Federer: Tao; Cover: Suhrkamp

In Yannic Han Biao Federers Roman Tao schwingt sich der gleichnamige Protagonist dazu auf, der Vergangenheit seines chinesischstämmigen Vaters nachzuspüren. In Deutschland sind es insbesondere seine Mitmenschen, die sich für seine vermeintlich wahre Herkunft interessieren – sehr zum Leidwesen Taos. Eine handwerklich gut gemachte Erzählung, deren hyperrealistische Aufmachung jedoch nicht jedermanns Sache sein dürfte.

von THOMAS STÖCK

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Die unerklärliche Lächerlichkeit der Zeit

Andreas Stichmann: Eine Liebe in Pjöngjang; Cover: Rowohlt Verlag

Eine Liebe in Pjöngjang des preisprämierten Autors Andreas Stichmann spielt vor der Fassade eines Landes, das Nordkorea darstellen soll. Doch statt sich über eine authentische Erzählung im Herzen eines diktatorischen Regimes zu profilieren, bedient Stichmann lediglich die Topoi seiner Zeit: kurze, attributlose Sätze, unnötige Komposita und irgendwas mit Liebe. Ein Schreibstil zum Abgewöhnen!

von THOMAS STÖCK

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Warum ein guter Erzähler noch keine gute Erzählung macht

Poljak Wlassowetz: Litiotopia; Cover: Kopf & Kragen Literaturverlag

In Bolivien wird das weiße Gold unserer Tage geschürft: Lithium. Nutznießer in Poljak Wlassowetz’ Roman Litiotopia ist die deutsche Familie Federmann, die bereits mit den ersten Konquistadoren das Land in Beschlag genommen hat. Der Kampf des jüngsten Familienzöglings Ferdinand Federmann verkommt jedoch zur Farce, weil Wlassowetz sich nicht entscheiden kann, ob er nun eine Dystopie schreiben will, einen Roman im Stile des magischen Realismus lateinamerikanischer Prägung – oder nicht doch lieber ein Hollywood-reifes Drehbuch.

von THOMAS STÖCK

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