„Ich kann Bedürfnisse viel besser online ausdrücken“

Marius Goldhorn: Park, Cover: suhrkamp

Mit Park liefert Marius Goldhorn ein popliterarisches Debüt, das seinesgleichen sucht. Selten war der als Genrebezeichnung eigentlich eher schwammige Begriff der ‚Gegenwartsliteratur‘ präziser anwendbar als auf diesen Roman, der die Leser:innen nicht nur mit auf eine Reise nach Paris und Athen nimmt, sondern auch einen erschreckend genauen Blick auf unsere westliche Welt ermöglicht, in der alle jederzeit online vernetzt sind. Willkommen im Hier und Jetzt.

von NICK PULINA

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Bücher hamstern statt Klopapier – Teil I: Von Krankheiten

Bücher statt KlopapierCamus wohl bekanntestes Werk La Peste residiert derzeit auf Platz 25 der meistverkauften Bücher in Frankreich. Die Verbindung zu dem Ausbruch des Corona-Virus liegt nahe. Weitere Möglichkeiten, statt Klopapier lieber Bücher zu hamstern – selbstverständlich über den Versanddienst der lokalen Buchhandlung –, stellen wir Ihnen in dem ersten Beitrag unserer dreiteiligen Reihe im Folgenden vor.

von ALINA WOLSKI

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Maschinenmenschen im Schönheitswahn

Oskar Panizza: Die Menschenfabrik; Cover: Hoffmann und Campe

Oskar Panizza hat Die Menschenfabrik (1890) noch vor George Orwells 1984 und Aldous Huxleys Brave New World verfasst. Seine Erzählung ist sowohl eine erschreckende Dystopie als auch ein philosophisches Traktat für mehr Menschlichkeit und Ethik in einer auf wirtschaftlichen Erfolg bedachten Welt.

von ALINA WOLSKI

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Gedankenspiel mit Stereotypen

FILMPLAKAT_A Quiet Place

A Quiet Place startet mit großen, letztlich jedoch leeren Versprechungen. Was als aufregend neue Art des Horrors zu beginnen scheint, verkommt innerhalb weniger Minuten zum klassischen Horrorfilm – inklusive Jumpscares, unlogischer Handlung und allzu leicht durchschaubaren Charakteren. Eine gute Filmidee, die keine 90 Minuten füllt.

von THOMAS STÖCK

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„Desaströse Selbstfokussierung“ oder der Selfie-Narziss

Ramona Raabe: Das pathologische Leiden der Bella Jolie, Cover: Dittrich

Selfies sind im 21. Jahrhundert zum Bestandteil des alltäglichen Lebens geworden. In ihrem ersten Buch widmet sich die junge Autorin Ramona Raabe eben diesem Phänomen. Die thematisch längst überfällige Novelle Das pathologische Leiden der Bella Jolie über die Sucht nach der Selbstabbildung, das Einfangen des gegenwärtigen Moments und die Suche nach dem Ich besticht besonders durch den außergewöhnlichen, innovativen Aufbau.

von ALINA WOLSKI Weiterlesen

Fantastische Satire eines Misanthropen

Jonathan Swift: Gullivers Reisen. Cover: Manesse

Ein satirisches Werk als Generalabrechnung mit seinen Landsleuten, religiösen Streitereien und der menschlichen Selbstsucht inklusive mangelnder Empathie – harter Tobak für ein Werk, das vielen heutzutage lediglich als Kinderbuch in Erinnerung geblieben ist. Gelungen ist dieses Kunststück Jonathan Swift mit der Kreation von pseudoutopischen und dystopischen Welten, in der er seiner Fantasie – und seiner Wortgewalt – freien Lauf lässt und so Alt und Jung mit seinem Werk Gullivers Reisen seit Jahrhunderten begeistert, welches nun als Jubiläumsausgabe zum 350. Geburtstag Swifts erschienen ist.

von THOMAS STÖCK Weiterlesen

Politische Prognosen und betrübliche Ereignisse

Hannes Stein – Nach uns die Pinguine. Ein Weltuntergangskrimi Cover: Galiani-Berlin

Staub der explodierenden Atombomben verdunkeln den Himmel der Erde, dabei spielt der Präsident der USA mit der komischen Frisur eine überraschend kleine Rolle – Kashmir ist der Auslöser, Nordkorea der Endgegner. So bleiben nur wenige Menschen übrig nach dem Dritten Weltkrieg. Auf den Falklandinseln versuchen sie, das Beste aus der Situation zu machen. In dieser apokalyptischen Zukunftsversion spielt Hannes Steins neuer Roman Nach uns die Pinguine. Ein Weltuntergangskrimi

von CAROLINE KÖNIGS  Weiterlesen

Das Scheitern der digitalisierten Menschwerdung

COVER_Schönthaler_Vor Anbruch der Morgenröte_Matthes&SeitzIn seinem Erzählband Vor Anbruch der Morgenröte erschafft Philipp Schönthaler eine Gesellschaft, in der die Menschen durch mangelnde Empfindsamkeit füreinander und durch das gleichzeitige Bedürfnis nach der Aufmerksamkeit anderer vereinsamen. Die Parallelität von nahender und bereits stattfindender Dystopie führt vor Augen, wie weit es mit unserer eigenen Gesellschaft bereits gekommen ist. Und während des Lesens ertappt man sich bei der Frage: Bin das ich?

von THOMAS STÖCK Weiterlesen

Die Möglichkeit eines Theaters

Die Mšöglichkeit einer Insel am Theater Dortmund   Foto: Birgit HupfeldNils Voges inszeniert mit dem Künstlerkollektiv sputnic am Schauspiel Dortmund frei nach dem Roman Die Möglichkeit einer Insel von Michel Houellebecq einen live animierten Trickfilm und sprengt damit die Grenzen von Theater, Film und Performance. Nach dem live animierten Film Minority Report oder Mörder der Zukunft (Regie: Klaus Gehre) ein weiterer spektakulärer Technik-Clou auf der Dortmunder Bühne.

von NADINE HEMGESBERG Weiterlesen

Die dunkle Seite des sozialen Zirkus

Dave Eggers - Der Circle   Cover: KiWiIm kreativen Zentrum der Welt zu arbeiten, klingt wie ein Traum. Für Mae wird er Realität, denn sie hat einen der begehrten Jobs im „Circle“ ergattert und findet Stück für Stück heraus, dass die Wirklichkeit noch viel besser ist, als sie es sich vorgestellt hat. Sie fügt sich beinahe nahtlos in eine Welt, die geradezu hypersozial ist. Sie zingt, smilet und kommentiert was das Zeug hält, bis sie schließlich das ultimative Ziel erreicht: Transparenz. Alles ist so schön – das Grauen im Schatten der Schönheit dieser Community kann also nicht weit sein.

von SOLVEJG NITZKE

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