Fantastische Satire eines Misanthropen

Jonathan Swift: Gullivers Reisen. Cover: Manesse

Ein satirisches Werk als Generalabrechnung mit seinen Landsleuten, religiösen Streitereien und der menschlichen Selbstsucht inklusive mangelnder Empathie – harter Tobak für ein Werk, das vielen heutzutage lediglich als Kinderbuch in Erinnerung geblieben ist. Gelungen ist dieses Kunststück Jonathan Swift mit der Kreation von pseudoutopischen und dystopischen Welten, in der er seiner Fantasie – und seiner Wortgewalt – freien Lauf lässt und so Alt und Jung mit seinem Werk Gullivers Reisen seit Jahrhunderten begeistert, welches nun als Jubiläumsausgabe zum 350. Geburtstag Swifts erschienen ist.

von THOMAS STÖCK Weiterlesen

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„Über den Schatten einer Wolke, über das Lied eines Gedankens“

Vladimir Nabokov – Briefe an Véra Cover: Rowohlt

Liest man die Briefe eines Menschen, so erfährt man Grundlegendes über seine Persönlichkeit. Nabokovs Briefe an seine Frau sind Liebesbekundung, Reisebericht, und Zeitporträt in einem. Was sich als Konstante durch sein Leben zieht, ist die Liebe zu seiner Frau Véra. Ihr Verhältnis wird in den nun erstmals in deutscher Sprache veröffentlichten Briefen an Véra dokumentiert. Im unverkennbar brillanten Nabokov-Duktus eröffnen sie die Tür zu der vertrauten Atmosphäre einer über 50 Jahre währenden Beziehung.

von ALINA WOLSKI Weiterlesen

(K)ein Gespenst zum Gruseln

"Das Gespenst von Canterville" am Schauspiel Dortmund Foto: Birgit Hupfeld

„Das Gespenst von Canterville“ am Schauspiel Dortmund Foto: Birgit Hupfeld

Das diesjährige Dortmunder Weihnachtsmärchen ist schön schaurig und setzt wie schon im letzten Jahr auf einen kleinen Clash of Cultures: Im Gespenst von Canterville trifft die amerikanische Familie Otis auf britischen Adel aus vergangenen Zeiten und lehrt dem Schlossgespenst das Fürchten.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Mindestens drei Gründe, Irmina zu lesen

Barbara_Yelin: Irmina_Verlag: ReproduktMit Gift schaffte Barbara Yelin den Durchbruch als Comiczeichnerin. Nun erscheint die erste Graphic Novel, bei der auch das Szenario von ihr stammt: Irmina ist die typisch-untypische Geschichte einer deutschen Frau – beginnend in den 1930er Jahren. Yelin gelingt ein differenziertes Porträt ihrer Protagonistin, das zum Nachdenken anregt.

von MONIKA SCHMITZ-EMANS Weiterlesen

Der Autor in der Krise: Zynische Lektüre über den Buchmarkt

Im Zoo von Howard Jacobson Quelle: DVA„Kochkunst und Mode haben die Literatur weit hinter sich gelassen“: In Zeiten von iPads, Bloggern und Zombieromanen ist es hart für einen Autor zu bestehen, der keine Amazon-Sterne, sondern ein seriöses Publikum gewinnen möchte. Der renommierte Londoner Booker-Preisträger Howard Jacobson karikiert in seinem Roman Im Zoo den sich verändernden britischen Literaturbetrieb des 21. Jahrhunderts mithilfe des exzentrischen Schriftstellers Guy Ableman, der all seine Leser mit Vergnügen verachtet – und der ohne schlechtes Gewissen seine Schwiegermutter liebt.

von ANNA-LENA BÖTTCHER Weiterlesen

Ein Schwindel weltgeschichtlichen Ranges

Köhlmeier: Zwei Herren am Strand Quelle: Hanser VerlagDiese Österreicher mal wieder. Michael Köhlmeier erfindet Charlie Chaplin und Winston Churchill neu: als Freundespaar am Rande des seelischen Abgrunds im Roman Zwei Herren am Strand. Auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises hat es das Buch jedoch nicht geschafft. Zu Unrecht: Das literarische Vorhaben ist kühn und die Umsetzung liest sich großartig.

von FABIAN MAY

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Wo ‚Paradies‘ draufsteht, ist nicht unbedingt ‚Paradies‘ drin

Sofka Zinovieff: Athen, Paradiesstraße   Cover: dtvMarcel Proust sagte einst: „Das einzige Paradies ist das verlorene Paradies“. Das trifft auch auf das House on Paradise Street in Sofka Zinovieffs Roman zu. Seit der deutschen Besetzung Griechenlands im 2. Weltkrieg, dem Bürgerkrieg und der Oberisten Diktatur ist das Leben in Griechenland nicht mehr dasselbe. Ein tiefer Riss spaltet das Land und in der Paradies Straße sogar eine ganze Familie.

Von VERENA SCHÄTZLER

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Der Bankrott des Klischees

Jonas Lüscher - Frühling der Barbaren   Cover C.H. BeckJonas Lüscher lässt in seinem Debüt England untergehen und die Gattung der Novelle auferstehen. Traditionell konstruiert, besteht Frühling der Barbaren aus einer Rahmen- und einer Binnenerzählung, geht als Darstellung einer „sich ereigneten unerhörten Begebenheit“ (Goethe) aber nicht über eine stereotype Inszenierung vermeintlicher Ursachen und Folgen eines fiktiven Staatsbankrotts des Vereinigten Königreichs hinaus.

von KATJA PAPIOREK

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