Fotografisches Gedächtnis

W. G. Sebald: Austerlitz; Cover: S. Fischer

W. G. Sebald steht für Foto-Text-Kombinationen wie kein zweiter Autor. In seinen Texten verhandelt der nach England ausgewanderte Schriftsteller die Bedeutung der Fotografie für das Gedächtnis. Dabei zeigt sich an den Schwarzweißfotografien das enorme Potenzial von intermedial konstruierten Erzählwerken – und das, obwohl Sebald auch die Grenzen der fotografischen Erinnerung überdeutlich sichtbar macht.

von THOMAS STÖCK

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Der Förderpreis Ruhr geht an… Esra Canpalat! – „Ich schreibe, weil ich nicht anders kann.“

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Die Preisträgerin, Esra Canpalat Bildrechte: Laila Schubert

Esra Canpalat war lange Jahre Redaktionsmitglied bei literaturundfeuilleton. Nun erhielt sie den mit 5.000 Euro dotierten Förderpreis Ruhr 2021 für ihren Text Wahlrosshaut. In diesem Zuge freuen wir uns, dass sie sich Zeit genommen hat, diesem Medium, auf dem sie früher selbst veröffentlicht hat, ein Interview zu geben. Darin spricht sie darüber, was sie bewogen hat, ihren Sieger-Text zu verfassen, sie thematisiert Diversität im Literaturbetrieb, die Bedeutung des Schreibens für sie selbst und was sich in der universitären Wissenschaft ändern sollte.

von ALINA WOLSKI Weiterlesen

Reflex statt Reflexion

Amanda Lasker-Berlin: Iva atmet; Cover: Frankfurter Verlagsanstalt

Als ihr Vater stirbt, taucht eine junge Frau in die Geheimnisse ihrer Familiengeschichte ein, durch die sie in die deutsche Vergangenheit der Völkermorde in der Kolonial- und der NS-Zeit verstrickt ist. Gelingt es der Protagonistin von Iva atmet (2021), sich aus dieser Verstrickung zu befreien? Darauf gibt der Roman von Amanda Lasker-Berlin keine zufriedenstellende Antwort.

von BERNHARD STRICKER

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Aus dem Süden was Neues

Goran Ferčec: Wunder wird es hier keine geben; Cover: Residenz Verlag

Goran Ferčecs Roman Wunder wird es hier keine geben ist eine dunkle Reflexion des Konflikts im ehemaligen Jugoslawien: Unstimmigkeiten in der Einheit, eine bizarre Resolution und eine unappetitliche Geschichte. Dennoch führt sie am Ende genau dorthin, wo sie hingehört.

von NICK BIBIC

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Im Paris der Erinnerungen auf der Suche nach einer Frau

Patrick Modiano: Unsichtbare Tinte; Cover: Hanser Verlag

Der ungelöste Fall der mysteriösen Noelle Lefebvre lässt Jean Eyben auch noch Jahrzehnte nach deren Verschwinden nicht los. Unwichtige Details werden zur Geheimbotschaft und das Verfassen von Notizen zur Manifestation der Existenz einer längst vergessenen Zeit. Der schlichte Inhalt von Patrick Modianos Unsichtbare Tinte wird durch die wendungsreiche Struktur und den geschliffenen Stil zu einer fesselnden Geschichte, die Spannung ganz ohne action-lastige Elemente erzeugt.

von LEINES BAUMGARDT

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Die Suche nach der verlorenen Freiheit

Aka Morchiladze: Reise nach Karabach, Cover: Weidle

„Gut“ oder „schlecht“ sind keine Kategorien, in die man den Roman Reise nach Karabach des Georgiers Aka Morchiladze einordnen kann. Vielmehr handelt es sich um ein derbes, nüchternes Werk mit Höhen und Tiefen, das von seiner Geschlossenheit lebt und besonders im Nachklang brilliert.                                    

von ALINA WOLSKI Weiterlesen

Ein Mann und sein Bettlaken

Ist die Vorherrschaft der durchsichtigen Männer und kleinen, gruseligen Mädchen gebrochen? In seinem neuen Film A Ghost Story entscheidet sich Regisseur David Lowery dazu, Geister wieder ganz klassisch darzustellen: Bettlaken, zwei Gucklöcher. Aber Vorsicht: Was nach Horror-Komödie klingt, ist in Wirklichkeit ein melancholisches Drama über Tod und Erinnerung.  

von CARO KAISER  Weiterlesen

Märchenschloss der bebilderten Bücher

Bilderbuchmuseum in Troisdorf

Im ruhigen Troisdorf südöstlich von Köln lagern wahre Schätze. Hier befindet sich Europas einziges Museum für künstlerische Bilderbuchillustrationen. Durch stetig wechselnde Ausstellungen, Führungen und Workshops gewinnen die Besucher einen Einblick in die verschiedensten Bilderbücher. 

von VIVIANE SCHWERTFEGER  Weiterlesen

Vater sein, Kind sein – glücklich sein

Liebesgeschichte mal anders: Jochen Schmidts Zuckersand ist eine bittersüße Liebeserklärung eines Vaters an den Sohn. Mit skurrilen Marotten und einer wehmütigen Melancholie um die eigene Kindheit nimmt Schmidt seine Leser mit auf eine Expedition zur Erforschung des Alltags mit Kind.

von ELISA TINNAPPEL Weiterlesen

Komik ist Tragik in Spiegelschrift

COVER_Meyerhoff_Lücke_KiWiJoachim Meyerhoff gelingt mit Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke erneut der Spagat zwischen hochkomischer Familiengeschichte und einfühlsamer Trauerbewältigung. Mehr noch als im Vorgänger Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war, pendelt er gekonnt zwischen künstlerischer Selbstbetrachtung und der Darstellung längst verstorbener Verwandter.

von LINA BRÜNIG Weiterlesen