Ernten, was man sät

Robert Seethaler - Das Feld Cover: Hanser Berlin

Robert Seethaler – Das Feld Cover: Hanser Berlin

Die Stimmen der Toten zum Sprechen zu bringen, hat Tradition. Doch die diversen Rückkehrer und Besucherinnen aus dem Jenseits haben selten Gutes zu verkünden. Das lässt sich auch Seethalers Erzählerinnen und Erzählern nicht unbedingt unterstellen, doch was sie von den Geistern alter Könige, Schlossgespenstern und anderen Wisperern aus der Totenwelt unterscheidet, ist, dass sie auch nach ihrem Tod nicht viel mehr wissen und erzählen können als vorher. Seethalers Das Feld gelingt es dadurch nicht nur, ‚gewöhnliche‘ Geschichten zur Sprache kommen zu lassen, er lotet einmal mehr die Grenzen des Erzählens selbst aus.

von SOLVEJG NITZKE Weiterlesen

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Zielloser Lenz

"Lenz" vom Théâtre National du Luxembourg und Les Théâtres de la Ville de Luxembourg bei den Ruhrfestspielen Foto: Bohumil Kostohryz

„Lenz“ vom Théâtre National du Luxembourg und Les Théâtres de la Ville de Luxembourg bei den Ruhrfestspielen Foto: Bohumil Kostohryz

Bei den Ruhrfestspielen zeigt die Koproduktion des Théâtre National du Luxembourg und Les Théâtres de la Ville de Luxembourg, dass Büchners Lenz zeitlos (und) packend ist – aber leider auch, dass es für einen überzeugenden Theaterabend nicht ausreicht, sich nur auf die guten Leistungen eines Schauspielers zu verlassen.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Kerzenlicht im Nebelmeer

COVER_Ada Dorian_Betrunkene Bäume_UllsteinBetrunkene Bäume führt seine Leser auf eine Reise ins Dunkle. Die Figuren geben wenig von sich preis, Ort und Zeit scheinen zu verschwimmen. Gerade wenn man meint, man durchblicke das Geflecht an Beziehungen, wartet am Ende der Seite eine neuerliche Überraschung. Doch mit dem Lüften des Schleiers verliert Ada Dorians Erzählung auch ihren Charme – gerade das Ende enttäuscht und wirft die Frage auf, ob die gesamte Geschichte nicht mehr als eine Nebelkerze ist.

von THOMAS STÖCK Weiterlesen

Menschen, die Pech hatten

COVER_Leonie Ossowski_Weckels Angst_PiperEin Jugendlicher bemerkt in der Strafanstalt, dass sein Leben keinen Sinn ergibt, weigert sich zum ersten Mal seine Zellenmitbewohner oral zu befriedigen, wird von ihnen so schikaniert, dass er ineinander gehackte Nadeln schluckt und stirbt. Dieser Jugendlicher ist Weckel und der Titelheld von Leonie Ossowski Weckels Angst. Mannheimer Erzählungen. Seine Geschichte sowie jene von sieben seiner Bekannten werden so individuell und detailreich beschrieben, dass es unmöglich wird, die Figuren in die Schublade „jugendliche Straftäter“ zu stecken.

von CAROLINE KÖNIGS Weiterlesen

Weiblich, arbeitslos, Eigenbrötler sucht: männlich, reich, adlig

COVER_Sevgi Soysal_Tante Rosa_BinookiSevgi Soysals Erzählband Tante Rosa von 1968 über eine exzentrische und anachronistisch selbstbestimmte Frau im Süden Nachkriegsdeutschlands ist in einer Neuübersetzung und –auflage im Binooki-Verlag erschienen. Ein Text der zeigt, dass auch weibliche Figuren Material für eine Ein-Mann-Show hergeben. 

Von CAROLIN KAISER Weiterlesen

Das Scheitern der digitalisierten Menschwerdung

COVER_Schönthaler_Vor Anbruch der Morgenröte_Matthes&SeitzIn seinem Erzählband Vor Anbruch der Morgenröte erschafft Philipp Schönthaler eine Gesellschaft, in der die Menschen durch mangelnde Empfindsamkeit füreinander und durch das gleichzeitige Bedürfnis nach der Aufmerksamkeit anderer vereinsamen. Die Parallelität von nahender und bereits stattfindender Dystopie führt vor Augen, wie weit es mit unserer eigenen Gesellschaft bereits gekommen ist. Und während des Lesens ertappt man sich bei der Frage: Bin das ich?

von THOMAS STÖCK Weiterlesen

Im Griff der Filmindustrie

F. Scott Fitzgerald - Für Dich würde ich sterben Cover: Hoffmann und Campe

F. Scott Fitzgerald – Für Dich würde ich sterben Cover: Hoffmann und Campe

F. Scott Fitzgerald verbrauchte sich in jeglicher Hinsicht: emotional an der Liebe zu seiner Frau Zelda, schriftstellerisch an seinen erzählerischen Auftragsarbeiten und gesundheitlich an seiner Trunksucht, die in einem tödlichen Herzinfarkt resultierte. Trotz seiner Exzesse hinterließ er fünf Romane und über 160 Erzählungen, ein literarisches Reservoir, das einige der wichtigsten Werke des 20. Jahrhunderts enthält. Nun erschienen bei Hoffmann und Campe größtenteils noch unveröffentlichte Erzählungen in dem Band Für dich würde ich sterben, der ein neues Licht auf den Autor der Lost Generation und sein Schaffen Ende der 1930er Jahre wirft. Er zeigt, dass Fitzgerald aus seinem Leben schöpfte wie bisher, und dass er zu wesentlich mehr in der Lage gewesen wäre, als diese Erzählungen es suggerieren mögen.

von JONAS PODLECKI Weiterlesen

Kein Garten der Lüste

COVER_Ruijters_Hieronymus_Bosch_AvantMarcel Ruijters versucht in seiner gleichnamigen Graphic Novel, das Leben Hieronymus Boschs möglichst vollständig darzustellen. Das gelingt für Boschs Umwelt – das Besondere und Fantastische seines Werks unterschlägt Ruijters jedoch.

von CAROLIN KALINOWSKI Weiterlesen

Stoischer Realismus

COVER_Williams_Butcher's Crossing_dtvDie Wiederentdeckung von John Williams’ lange nur als Geheimtipp gehandeltem Roman Stoner (1965) sorgte 2013 im deutschen Feuilleton für Furore . Seit Kurzem liegt nun auch Williams’ früherer Roman Butcher’s Crossing (1960) in deutscher Übersetzung vor. Wenn es sich bei diesem Western auch um einen ganz anderen Roman handelt als bei Stoner, so verdient er doch eine keineswegs weniger enthusiastische Aufnahme.

von BERNHARD STRICKER
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Phänomenologie des einsamen Mannes

Haruki Murakami - Von Männern, die keine Frauen haben   Cover: DuMontStarliterat Haruki Murakami bleibt sich treu. In den sieben „long short stories“ aus seinem neuen Erzählband geht es um die Abwesenheit von existenziell wichtigen Dingen: Frauen. Wer auf Murakamis ruhigen Stil steht, wird es mögen.

von FABIAN MAY Weiterlesen