Gedärme und abgehackte Hände

David Diop: Nachts ist unser Blut schwarz; Cover: Aufbau Verlag

In Nachts ist unser Blut schwarz erzählt David Diop von einem jungen senegalesischen Soldaten, der für Frankreich im Ersten Weltkrieg kämpft. Die Brutalität des Kriegsalltags und der Tod seines besten Freunds treiben den Protagonisten Alfa Ndiaye in einen Blutrausch, der nicht nur die feindlichen deutschen Soldaten in Angst und Bange versetzt. Der Roman überzeugt besonders durch die bisher wenig beachtete Perspektive eines sogenannten „Senegalschützen“ sowie der Thematisierung der Verknüpfungen zwischen Kolonialismus, Krieg, Gewalt, Wahnsinn und Rassismus. Das tröstet auch über langatmigere Passagen hinweg.

Von CARO KAISER

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Epische Liebeserklärung ans Heldentum

Anne Weber: Annette, ein Heldinnenepos; Cover: Matthes & Seitz Berlin

Annette, ein Heldinnenepos ist eine in Versen verfasste Biografie der Freiheitskämpferin Anne Beaumanoir. Anne Weber zeigt offen ihre Bewunderung für die Protagonistin, deren real existierendes Vorbild sie als lebendige Heldin verehrt, ohne ihre menschlichen Schwächen auszublenden. Das hat ihr jüngst den Deutschen Buchpreis eingehandelt.

von STEFAN JAKOB

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Ich backe mir einen Roman…

Guillaume Musso: La vie secrète des écrvains; Calmann-Lévy

Angesichts der zahlreichen Lobeshymnen auf La vie secrète des écrivains kann man viel von diesem Roman erwarten – doch dem hohen Anspruch wird er nicht gerecht. Er ist widersprüchlich, sprachlich insbesondere bezogen auf die Thematik nicht ausgeklügelt genug und macht jedes Mitdenken der Leserschaft obsolet. Guillaume Mussos fatalster Fehler: Er hält sich nicht an das Rezept, das er selbst in seinem Roman vorgibt.

von ALINA WOLSKI

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Bücher hamstern statt Klopapier – Teil I: Von Krankheiten

Bücher statt KlopapierCamus wohl bekanntestes Werk La Peste residiert derzeit auf Platz 25 der meistverkauften Bücher in Frankreich. Die Verbindung zu dem Ausbruch des Corona-Virus liegt nahe. Weitere Möglichkeiten, statt Klopapier lieber Bücher zu hamstern – selbstverständlich über den Versanddienst der lokalen Buchhandlung –, stellen wir Ihnen in dem ersten Beitrag unserer dreiteiligen Reihe im Folgenden vor.

von ALINA WOLSKI

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Schwanengesang eines Mittvierzigers

Michel Houellebecq: Serotonin Cover: DuMont

Michel Houellebecq: Serotonin Cover: DuMont

Vier Jahre nach seinem viel diskutierten, längst für die Bühne und das Fernsehen adaptierten Bestseller Unterwerfung legt der Skandalautor Michel Houellebecq seinen neuen, unerwartet intimen Roman vor: Serotonin. Viel ist im Feuilleton auch über diesen bereits gesagt und geschrieben, sein Autor als genialer „Seismograph“ und „Visionär“ bejubelt worden. Dabei offenbart Serotonin unübersehbare literarische Schwächen, Einfallslosigkeit – und mitunter geistige Blutleere.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Schachmatt nach 1001 Nacht

Abo Iaschaghaschwili: Royal Mary. Ein Mord in Tiflis. Aus dem Georgischen von Lia Wittek; Cover: Edition.fotoTAPETA

Abo Iaschaghaschwili lässt Tiflis erschaudern: Ein Serientäter scheint in der Stadt sein Unwesen zu treiben. Dabei kommt schnell der Verdacht auf, dass es sich nur um ein großes Spiel handelt. Royal Mary. Ein Mord in Tiflis kann sich derweil nicht entscheiden, ob er nur ein guter Krimi oder zugleich auch hohe Literatur sein möchte.

von ALINA WOLSKI Weiterlesen

Jeder Champignon eine Prosaminiatur

Jean-Philippe Delhomme – Die Sache mit der Literatur Cover: liebeskind

Was denkt sich wohl ein Autor? Ein Problem, mit dem sich zahlreiche Leser auseinandersetzen – ebenso wie Jean-Philippe Delhomme. Seine Cartoons, stets mit einer in Ich-Form verfassten Bildunterschrift versehen, präsentieren humorvoll selbstverliebte Autoren, rücksichtslose Kritiker und genervte Journalisten. Ein Bildband mit kleinem Schönheitsfehler.

von THOMAS STÖCK

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I AM WRITING WITH A PURE HEART

nomerMaids' "Wann hast du das letzte Mal auf der Spitze eines Berges Sex gehabt" an der Studiobühne Köln

nomerMaids‘ „Wann hast du das letzte Mal auf der Spitze eines Berges Sex gehabt“ an der Studiobühne Köln

Im Zuge des Theaterszene Europa Festivals beherbergte die Studiobühne Köln das Berliner Kollektiv nomerMaids mit ihrem Stück Wann hast du das letzte Mal auf der Spitze eines Berges Sex gehabt. Panni Néder ist nicht nur Regisseurin des Stückes, das als szenische Lesung einst seinen Anfang nahm, sondern ebenso dessen Verfasserin. Ein mitreißender Sprachfluss, der die Grenzen und utopischen Weiten von Ausdruck und Kommunikation gewitzt und zugleich tiefgründig auslotet.

von SILVANA MAMMONE Weiterlesen

Showdown in Nordkorea

Jean Echenoz – Unsere Frau in Pjöngjang Cover: Hanser Berlin

In Zeiten neuer Spannungen zwischen den USA und Nordkorea, in denen selbst vor nuklearen Drohungen per Tweet nicht mehr zurückgeschreckt wird, kommt Jean Echenoz’ gewitzter neuer Roman Unsere Frau in Pjöngjang wie gerufen. Der französische Geheimdienst schickt eine attraktive Frau in die abgeschirmte „Volksrepublik“, um die dortigen Machthaber auszuhorchen. Am Ende läuft alles aus dem Ruder, und selbst der Erzähler verliert die Übersicht – Spionage könnte kaum unterhaltsamer sein.

 

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Traumwelten der Gegenwartskunst: Wie Jean-Max Colard die Grenze zwischen Traum und Kunstkritik auflöst

Jean-Max Colard – Die Ausstellung meiner Träume Cover: Wolff Verlag

2016 erschienen Jean-Max Colards poetische Traumnotate unter dem Titel Die Ausstellung meiner Träume im Berliner Wolff Verlag. Die von Christian Steinau herausgegebene Übersetzung zeigt auf, wie ein Kunstkritiker, Literaturwissenschaftler und Kurator in Personalunion seine Eindrücke aus dem Kunstbetrieb als Schriftsteller in Kunstliteratur verwandelt.  

von KATHARINA KRÄHENBÜHL Weiterlesen