Türchen 7: Unverhoffte Selbstfindung à la française

Das doppelte Flugzeugflottchen. So in etwa kann man den Handlungskern von Hervé Le Telliers Die Anomalie beschreiben. Ein Flugzeug mitsamt seinen Passagieren gibt es plötzlich zweimal. Wie kann das sein? Wie gehen die Menschen damit um, dass es sie plötzlich doppelt gibt? Und wie reagiert man darauf, wenn man mit seinem eigenen Schicksal konfrontiert wird und seine Handlungen nochmals überdenken kann?

von THOMAS STÖCK

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Türchen 1: Töten fürs Träumen

Na, können Sie nicht schlafen? Falls Ihnen der weihnachtliche Stress wieder einmal zu Kopf steigt und Sie nicht mehr wissen, wo Ihnen selbiger steht: Mit Tahar Ben Jellouns Krimi-Komödie Schlaflos kommen Sie ganz schnell auf andere Gedanken! Mit humorigem Augenzwinkern berichtet uns der namenlose Ich-Erzähler, wie er sich vom Drehbuchautor zum Serienmörder mausert – und das alles nur für eine Mütze voll Schlaf…

von THOMAS STÖCK

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Das Atom-Trauma des 21. Jahrhunderts

Bertrand Galic; Roger Vidal: Fukushima. Die Chronik einer Katastrophe; Cover: Cross Cult Verlag

Die Atomkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 bedeutete eine Zeitenwende in der Atomenergiegeschichte: Viele Länder wandten sich vollständig von der Atomenergie ab, Japan schaltete eine Vielzahl seiner über 50 Generatoren ab und verstärkte die Sicherheitsvorkehrungen gegen einen Super-GAU. Das Eintreten eines solchen beleuchten Bertrand Galic und Roger Vidal in ihrer Graphic Novel Fukushima. Die Chronik einer Katastrophe, wobei sich das Buch nicht recht entscheiden kann, ob es nun sachlich berichten oder ein packendes Abenteuer erzählen will.

von THOMAS STÖCK

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Aller Anfang ist schwer (4): Verlassen

Tahar Ben Jelloun: Verlassen; Cover: Berlin Verlag

Europa –  einst ein Ort, an dem Vertreibung und Verfolgung stattfand, ein Ort, der Fluchtbewegungen auslöste – ist heute eine wichtige Zielregion transkontinentaler Fluchtbewegungen. Spätestens seit der sogenannten „Flüchtlingskrise“ im Jahr 2015 ist der Diskurs über Flucht und Migration nicht mehr wegzudenken. Dennoch sind flüchtende Menschen keinesfalls ein Phänomen der Neuzeit. Auch die Flucht über das Meer ist historisch gesehen ein verbreitetes Phänomen. Doch das einen neuen Ort erreichen, auch einen anderen Ort verlassen heißt, erzählt Tahar Ben Jelloun mit seinem Roman Verlassen.

von ALINA BRAUCKS

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Kann alles, kennt jeden

Jean Cocteau im Jahr 1923, Foto von der Agence de presse Meurisse.

Dichter, Prosautor, Dramatiker, Maler, Drehbuchschreiber, Regisseur, Schauspieler, Bühnenbildner – Jean Cocteau war ein Mann mit vielen künstlerischen Talenten. Ebenso zahlreich wie seine Fertigkeiten waren seine Kontakte und Freundschaften mit anderen Künstlerinnen und Künstlern. Manche dieser Kontakte werfen aus heutiger Sicht durchaus einen Schatten auf Cocteau. Heute wäre er 133 Jahre alt geworden und auch wenn Geburtstage zum Feiern da sind, wollen wir im heutigen Porträt gerade die ambivalenten Aspekte unseres Geburtstagskindes beleuchten.

von CARO KAISER

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Podcast Literatur und Feuilleton – Folge 002: Der Wolf im Märchen

Postkarte „Rotkäppchen und der böse Wolf“ der Schwedin Jenny Nyström, vor 1903.

„Homo hominis lupus.“ Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Der Wolf dient Thomas Hobbes als Metapher für das Schlechte per se. Noch weiter zurück reicht die Redensart vom Wolf im Schafspelz, die wir bereits in der Bibel antreffen. In Europa wurde der Wolf ab dem 16. bis ins 18. Jahrhundert hinein systematisch ausgerottet. Die Verfolgung des Wolfs fällt zusammen mit einer literarischen Entwicklung: Ab dem 17. Jahrhundert werden zuvor mündlich tradierte Märchen schriftlich fixiert. Während in Westeuropa schon kleinen Kindern der Wolf als tierischer Teufel präsentiert wird, existieren jedoch auch positivere Darstellungen des Wolfs. Gemeinsam blicken wir auf auf französische, deutsche, russische und litauische Märchen sowie auf Goethes Reineke Fuchs.

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Leidenschaften eines Botanikers

David Diop: Reise ohne Wiederkehr; Cover: Aufbau Verlag

David Diops Reise ohne Wiederkehr zeigt uns das Leben im Senegal Mitte des 18. Jahrhunderts aus der Perspektive eines weißen Botanikers auf. Der Protagonist Michel Adanson frönt dort seinen Leidenschaften – sowohl in Sachen der Wissenschaft wie auch der Liebe. Schnell entpuppt sich der Roman des Booker-Prize-Trägers als spannungsreicher Abenteuerroman, der leider viel zu schnell vorbei ist.

von THOMAS STÖCK

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Mama, ich begrabe dich

Scholastique Mukasonga: Frau auf bloßen Füßen; Cover: Peter Hammer Verlag

In Frau auf bloßen Füßen erschreibt sich Scholastique Mukasonga den Grabstein für ihre Mutter, den sie ihr nie setzen konnte. Denn ihre Mutter Stefania fiel – wie Mukasongas gesamte Familie und über 800.000 andere Tutsi – dem Völkermord in Ruanda 1994 zum Opfer. Ihre Kindheit lässt Mukasonga in dieser Biografie wiederauferstehen: Traditionen und Aberglaube, die aufkommende Globalisierung – und inmitten dessen die ruandischen Tutsifrauen und die allgegenwärtige Todesangst.

von THOMAS STÖCK

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Gefangen in der Ehehölle

Nassira Belloula: Marias Zitronenbaum; Cover: Verlag Donata Kinzelbach

Die algerische Autorin Nassira Belloula zeigt uns in Marias Zitronenbaum die Leiden einer Landsfrau auf, die als Sechzehnjährige zwangsverheiratet wird. Weil sie sich nicht länger damit abfinden will, nicht einmal einen Schritt vor die Tür ohne Begleitung zu setzen, bricht sie aus ihrem alten Leben aus. Ein feministisches Plädoyer für das Selbstbestimmungsrecht der Frau, das ohne viel Handlung, dafür mit vielen weisen Worten aufwartet.

von THOMAS STÖCK

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Als komische Typen salonfähig wurden

Molière (1622–1673) in der Rolle des Caesar in „Mort de Pompée“, einer Tragödie von Corneille. Paris, musée Carnavalet. Nicolas Mignard, Public domain, via Wikimedia Commons

Ein neuer Tag, ein neues Jubiläum! Heute begeben wir uns ein paar Jahrhunderte zurück in die Zeit des französischen Absolutismus. Molière, Zeitgenosse von Ludwig XIV., Pierre Corneille und Jean Racine, erhob die Komödie zu einer der Tragödie ebenbürtigen Gattung. Heute wäre er 400 Jahre alt geworden.

von THOMAS STÖCK

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