„Das hier ist die neue Welt“

Fiston Mwanza Mujila - Tram 83 Cover: Zsolnay

Fiston Mwanza Mujila – Tram 83 Cover: Zsolnay

In seinem für den Man Booker Prize nominierten Debütroman Tram 83 entwirft der in Graz lebende kongolesische Autor Fiston Mwanza Mujila ein sprachgewaltiges, modernes Sodom. Nun wurde der bereits 2014 erschienene Roman vom Französischen ins Deutsche übertragen.

von LEONARD MERKES Weiterlesen

Sie sind entlassen, Krause

"Top Dogs" am Schauspiel Essen Foto: Martin Kaufhold

„Top Dogs“ am Schauspiel Essen Foto: Martin Kaufhold

Getreu dem Spielzeitmotto „Werte zählen“ feierte im Schauspiel Essen das Stück Top Dogs Premiere. Regisseur Christoph Roos kennt das Haus, inszenierte hier bereits erfolgreich Die Buddenbrooks, Michael Kohlhaas und Faust. Die amüsierende Managersatire bringt er kurzweilig, ohne viel Wesens, auf den Punkt.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Von kleinen und großen Geschäften

"Familiengeschäfte" am Schauspielhaus Bochum Foto: Thomas Aurin

„Familiengeschäfte“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Thomas Aurin

Mit der Inszenierung von Alan Ayckbourns Familiengeschäfte verwandelt Regisseur Marius von Mayenburg das Schauspielhaus Bochum in eine Hochburg von Verrat, Intrigen und – Gelächter. Von Mayenburg präsentiert eine erfrischende Komödie, die mit einer gelungenen Prise Schauer à la David Lynch und Splatter à la Tarantino das Publikum bestens unterhält.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Horváth und die Abrissbirne des Kapitalismus

"Kasimir und Karoline - Glauben Lieben Hoffen" am Thalia Theater Hamburg Foto: Krafft Angerer

„Kasimir und Karoline – Glauben Lieben Hoffen“ am Thalia Theater Hamburg Foto: Krafft Angerer

Gerade erst ist Jette Steckel mit dem Faust ausgezeichnet worden, nun bringt sie am Thalia Theater wild collagiert gleich zwei Stücke in einem von Ödön von Horváth auf die Bühne: Kasimir und Karoline – Glauben Lieben Hoffen. Ein Versuch, der der Regisseurin in der zweiten Hälfte des Stückes entgleitet.

von NADINE HEMGESBERG Weiterlesen

Schweizerische Verschwörungen

Martin Suter - Montecristo   Cover: DiogenesDie Schweiz bietet neben Bergen, Käse mit vielen Löchern und treffsicheren Nationalhelden einigen Anlass, interessante Geschichten zu erzählen, denn mitten in Europa schlägt sein finanzielles Herz. Im Umfeld von Finanzkrisen, Steuerdaten-CDs und Geheimdienstskandalen findet sich das kleine Land einmal mehr im Zentrum einer Welt, deren Regeln den Nichteingeweihten – und damit dem größten Teil jeder potentiellen Leserschaft – mehr als obskur erscheinen. Martin Suter mag mit Montecristo der einzige Romancier sein, dem es gelingt, aus dieser Situation einen eleganten Verschwörungsplot zu spinnen, ohne der Versuchung zu erliegen, gleich ein Tom-Cruise-Film-gerechtes Drehbuch abzuliefern.

von SOLVEJG NITZKE Weiterlesen

Nie ganz Kunst und nie ganz Leben

Eine strahlende Zukunft von Richard Yates Quelle: DVAEhegeschichten gibt es viele. Die meisten handeln davon, wie es schief geht. Da ist Eine strahlende Zukunft keine Ausnahme, aber die Art, wie sie schief geht, ist spannend. Irgendwo zwischen Mad Men, American Beauty und Carnage entwickelt Richard Yates hier zwei Lebensgeschichten, die eine Weile gemeinsam verlaufen und das in einer äußerst aufregenden Zeit: Direkt nach dem Krieg scheint jeder Weg in eine strahlende Zukunft zu führen, trotzdem verharren Michael und Lucy lediglich als Zuschauer ihres eigenen. Ein hervorragender Roman – 30 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung nun endlich auch in deutscher Übersetzung.

von SOLVEJG NITZKE

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Feuerwerk der Ideen auf engem Raum

Daniel Kehlmann - F   Cover: RowohltDie meisten werden bei Daniel Kehlmann wohl an DieVermessung der Welt denken, doch sein neuer Roman F hat nicht besonders viel mit diesem Vorgänger gemein. Wer sich auf eine weitere humorvolle Erzählung einstellt, wird enttäuscht, denn F ist voll dunkler, nichtgreifbarer Vorahnungen und unheilvoller Träume.

von KATHARINA WINTER

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Der Bankrott des Klischees

Jonas Lüscher - Frühling der Barbaren   Cover C.H. BeckJonas Lüscher lässt in seinem Debüt England untergehen und die Gattung der Novelle auferstehen. Traditionell konstruiert, besteht Frühling der Barbaren aus einer Rahmen- und einer Binnenerzählung, geht als Darstellung einer „sich ereigneten unerhörten Begebenheit“ (Goethe) aber nicht über eine stereotype Inszenierung vermeintlicher Ursachen und Folgen eines fiktiven Staatsbankrotts des Vereinigten Königreichs hinaus.

von KATJA PAPIOREK

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Es ist Zahltag in Athen. Und wer nicht zahlt, wird umgebracht!

Petros Markaris - ZahltagAm 6. Dezember 2012 erklärte Griechenlands Premier Antonis Samaras im Interview mit einer deutschen Boulevardzeitung, “Steuerflucht ist eines unserer größten Struktur-Probleme.“ Dies hatte der Krimi-Autor Petros Markaris schon im Jahr zuvor erkannt. In Περαἰωση (dt. Zahltag), dem zweiten Roman der Trilogie über die Bankenkrise und dem insgesamt achten Krimi des Ermittlers Kostas Charitos, erfährt der Leser, wie man säumige Steuerzahler am besten zur Kasse bittet. Hätte Samaras diese Anleitung gelesen, dann hätte er gewusst, was zu tun ist. Oder er hat sich auch nur an den Klappentext gehalten: «Το μυθιστόρημα δεν συνιστάται για απομιμήσεις!» (Nicht zur Nachahmung empfohlen!)

Von VERENA SCHÄTZLER

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Von Dichtern und Heringen

Island, 1912: Wiesen, Schafe Holzhütten und betrunkene Dichter. Die Übersetzung von Thórbergur Thórdarsons Roman Islands Adel (S. Fischer) öffnet ein Fenster in ein längst vergangenes Leben. Ein Ausschnitt aus dem Leben eines Protagonisten, der zufällig den Namen des Autors trägt und schreibt: Ich.

von MARCEL WIDJAJA

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