Die Realität eines Bildungsversprechens

Deniz Ohde, Streulicht; Cover: Suhrkamp

Deniz Ohde schaffte es mit ihrem Debütroman Streulicht direkt auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2020. Und das zurecht: Ruppig und doch feinsinnig schreibt sie über erlebte Ungleichheiten im Bildungssystem, über Zuschreibungen als Arbeiterkind oder Kind einer Migrantin und den Drang, sich davon zu befreien. Unausweichlich hinterlässt der Roman die Frage: Was bedeutet der Bildungsgedanke heute?

von ALINA BRAUCKS

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Auseinanderstreben der Welt

Nora Bossong: Schutzzone; Suhrkamp

Was im Kleinen möglich ist, geschieht auch im Großen. Mit Schutzzone verbindet Nora Bossong das private Schicksal einer heimatlosen Weltenbürgerin mit den Problemen des Internationalen Rechts. Dabei bedient sich die Autorin vermeintlicher Absurditäten, die beim Lesen jedoch einleuchten und ihre Funktion erfüllen. Ein Roman über die Hilflosigkeit der Welt.

von ALINA WOLSKI

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Maschinenmenschen im Schönheitswahn

Oskar Panizza: Die Menschenfabrik; Cover: Hoffmann und Campe

Oskar Panizza hat Die Menschenfabrik (1890) noch vor George Orwells 1984 und Aldous Huxleys Brave New World verfasst. Seine Erzählung ist sowohl eine erschreckende Dystopie als auch ein philosophisches Traktat für mehr Menschlichkeit und Ethik in einer auf wirtschaftlichen Erfolg bedachten Welt.

von ALINA WOLSKI

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Ein Fest der Wollust

"Die Philosophie im Boudoir" am Schauspielhaus Bochum Foto: Birgit Hupfeld

„Die Philosophie im Boudoir“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Birgit Hupfeld

Herbert Fritsch feiert mit seiner Bochumer Neuinszenierung der Philosophie im Boudoir den Marquis de Sade. Ein Bühnen- und Kostümbild für die Götter, stimmige Live-Klaviermusik und Darsteller, die nicht bloß sprachlich, sondern vor allem körperlich alles in die Waagschale werfen – mutige, erfrischende und in ihrer Kohärenz schwer zu übertreffende Abende wie dieser sind das Lebenselixier des Stadttheaters.  

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

„Wir sind geboren, um frei zu sein“

"Freiheit in Krähwinkel" am Schauspielhaus Bochum Foto: Thomas Aurin

„Freiheit in Krähwinkel“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Thomas Aurin

Ein kleines Örtchen namens Krähwinkel soll der Schauplatz einer Revolution werden. Die letzte „große“ Inszenierung des Schauspielhauses Bochums wird zu einem selbstreflektierenden und vielschichtigen Abend, bei dem zurückgeschaut wird: auf die vergangene Spielzeit und auf alle Spielzeiten zuvor. Doch gleichzeitig wird nicht nur in der Vergangenheit verweilt, sondern auch überspitzt, grotesk und mit ein wenig Wehmut in die Zukunft geschaut: auf die neue Spielzeit unter neuer Intendanz mit neuem Ensemble und auf das, was noch kommen wird.

von KEVIN WANCKEL Weiterlesen

I AM WRITING WITH A PURE HEART

nomerMaids' "Wann hast du das letzte Mal auf der Spitze eines Berges Sex gehabt" an der Studiobühne Köln

nomerMaids‘ „Wann hast du das letzte Mal auf der Spitze eines Berges Sex gehabt“ an der Studiobühne Köln

Im Zuge des Theaterszene Europa Festivals beherbergte die Studiobühne Köln das Berliner Kollektiv nomerMaids mit ihrem Stück Wann hast du das letzte Mal auf der Spitze eines Berges Sex gehabt. Panni Néder ist nicht nur Regisseurin des Stückes, das als szenische Lesung einst seinen Anfang nahm, sondern ebenso dessen Verfasserin. Ein mitreißender Sprachfluss, der die Grenzen und utopischen Weiten von Ausdruck und Kommunikation gewitzt und zugleich tiefgründig auslotet.

von SILVANA MAMMONE Weiterlesen

„Desaströse Selbstfokussierung“ oder der Selfie-Narziss

Ramona Raabe: Das pathologische Leiden der Bella Jolie, Cover: Dittrich

Selfies sind im 21. Jahrhundert zum Bestandteil des alltäglichen Lebens geworden. In ihrem ersten Buch widmet sich die junge Autorin Ramona Raabe eben diesem Phänomen. Die thematisch längst überfällige Novelle Das pathologische Leiden der Bella Jolie über die Sucht nach der Selbstabbildung, das Einfangen des gegenwärtigen Moments und die Suche nach dem Ich besticht besonders durch den außergewöhnlichen, innovativen Aufbau.

von ALINA WOLSKI Weiterlesen

Ein nur scheinbar obszönes Würstchen

"ÜBERGEWICHT, unwichtig: UNFORM" am Schauspiel Dortmund Foto: Birgit Hupfeld

„ÜBERGEWICHT, unwichtig: UNFORM“ am Schauspiel Dortmund Foto: Birgit Hupfeld

Sozial schwach wird einmal nicht als politische Worthülse, sondern wörtlich genommen: Die Inszenierung ÜBERGEWICHT, unwichtig: UNFORM, verfasst von Werner Schwab und inszeniert von Johannes Lepper, welche am 17. Dezember am Theater Dortmund Premiere feierte, ist eine bitterböse Vision mit Realitätsanspruch, die einige Fragezeichen im Geist und einen Klumpen im Magen hinterlässt. Eine etwas andere dramatische Erfahrung, mit der das Schauspiel Dortmund mal wieder überrascht.

von SILVANA MAMMONE Weiterlesen

Die Redaktion empfiehlt…

Alle Jahre wieder kommt Weihnachten völlig überraschend, und wie jedes Jahr stöbert man in den letzten Tagen vorm Fest der Liebe durch die Buchhandlung seines Vertrauens auf der Suche nach den letzten Gaben für Freunde und Familie. Wer nun also noch Geschenketipps oder gar Inspiration für die eigene Weihnachtslektüre benötigt, darf sich gerne unsere Lesetipps zu Gemüte führen – wir wünschen schöne Feiertage und einen Sack voller Bücher unterm Baum! Weiterlesen

Viel Aufregung mit toller Moral

Doron Rabinovici – Die Außerirdischen Cover: Suhrkamp

Verfolgungsjagden, politische Intrigen, Außerirdische, das Spiel ums nackte Überleben, eine unmoralische Spielshow und  korrupte Medien – mit diesen Schlagworten könnte man Die Außerirdischen von Doron Rabinovici beschreiben. Man kann es jedoch ebenso gut lassen und sagen, dass dieser Roman ein zu großer Haufen an aufmerksamkeitsheischenden Themen ist.

 

von CAROLINE KÖNIGS  Weiterlesen