Prophetisches Spektakel

Giacomo Meyerbeers "Le Prophète" am Essener Aalto-Theater Foto: Matthias Jung

Giacomo Meyerbeers „Le Prophète“ am Essener Aalto-Theater Foto: Matthias Jung

Zum ersten Mal in der Geschichte des Essener Aalto-Theaters wird eine Oper von Giacomo Meyerbeer aufgeführt: Le Prophète. Dass der im selben Jahr wie Rossini geborene Komponist samt seiner gewaltigen historischen Sujets so lange in Vergessenheit geraten ist, erscheint nach diesem fünfstündigen Abend fast unbegreiflich, denn die Inszenierung von Vincent Boussard erweist sich – gerade im Musiktheater keine Selbstverständlichkeit – als echter zeitgemäßer Hingucker.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Ein schwarzer Vogel namens Glück

"Love You, Dragonfly" am Theater Bonn Foto: Thilo Beu

„Love You, Dragonfly“ am Theater Bonn Foto: Thilo Beu

Fritz Katers neues Stück Love You, Dragonfly wird von Alice Buddeberg für das Theater Bonn inszeniert und entfaltet in sechs Parallelgeschichten eine bildstarke, poetische Sprache, bleibt jedoch in überkommenen Erzählmustern verhaftet.

von NINA BLÄSIUS Weiterlesen

In den Trümmern menschlicher Abgründe

Kleists "Das Erdbeben in Chili" bei den Ruhrfestspielen Foto: Anke Neugebauer

Kleists „Das Erdbeben in Chili“ bei den Ruhrfestspielen Foto: Anke Neugebauer

Schon im November des letzten Jahres feierte Alice Buddebergs Inszenierung von Das Erdbeben in Chili (1807) in Weimar Premiere. Nun bringt die Regisseurin Kleists Novelle auf die kleine Bühne des Festspielhauses der Ruhrfestspiele und zeigt in gerade mal 60 Minuten, wieviel Grausamkeit, aber auch Humor in der Abhandlung über den Umgang mit der Theodizee und deren unmenschlichen Resultaten stecken kann.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

„Ein letzter Triumph des Geistes über das Gemüse“

Wolfgang Herrndorf – Arbeit und Struktur   Cover: RowohltParadox für den Leser: Arbeit und Struktur von Wolfgang Herrndorf ist ein bewegender und innovativer Text – von dem man sich wünscht, der Autor hätte ihn nie verfassen müssen. Denn der Schreibanlass war die Diagnose eines unheilbaren Gehirntumors im Jahr 2010. Nach Herrndorfs Selbstmord im August des vergangenen Jahres erscheint sein Blog nun bei Rowohlt in Buchform.

 von LINA BRÜNIG

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Joseph Roths Hiob – Ein Roman zwischen Krise und Wunder

Flickr.de; Quelle kellerabteil

Flickr.de; Quelle kellerabteil

Zusammen mit seinem Radetzkymarsch bildet der 1930 erschienene Roman Hiob. Roman eines einfachen Mannes das Hauptwerk Joseph Roths. Moses Joseph Roth (1894-1939) stammt aus einer ostgalizischen Kleinstadt, doch verkehrt schon früh in den Metropolen Europas. Bereits in seinen Erfolgsjahren zeichnet sich sein späterer sozialer Abstieg ab. Roths Werk ist gleichermaßen geprägt vom aktuellen Krisenbewusstsein und der Hoffnung auf ein Wunder.

von LARA THEOBALT

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An der Destruktion gescheitert

Schnell, mit aller Gewalt, im Takt fliegender Projektile zieht Adams Fuge in die Schlacht und versucht, alles zu attackieren, was als sicher und gewiss gilt, letztendlich aber doch nur auf tönernen Füßen steht. Wenn nichts mehr festzustehen scheint und betonierte Grundpfeiler wie Gut und Böse, Freund und Feind, Familie, Glaube, Nationalität und Nationalismus, Liebe und Sexualität einfach nicht standhalten, so muss die Idee der eigenen Identität zusammenbrechen. Mutig probt Steven Uhly mit seinem zweiten Roman den Aufstand und scheitert – nicht nur an der Gewaltigkeit des Unterfangens.

von TOBIAS WEIßENBORN

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