Verschobene Dichtkunst, die herausragt

Adam Zagajewski: Asymmetrie. Gedichte. Cover: Carl Hanser

Adam Zagajewski unternimmt in seinem Gedichtband Asymmetrie den Versuch einer inkongruenten Ästhetik. Thematisch variieren seine Gedichte zwischen zumeist biografisch angelegten Charakterisierungen von Größen aus Kunst und Wissenschaft, hochpersönlichen Erzählungen sowie nicht zuletzt metaphorisch aufgeladenen Lobeshymnen auf seine literarischen Vorbilder. Zagajewskis pointenreiche Sprache geleitet durch ein exzellentes Zeugnis engagierter Literatur.

von THOMAS STÖCK Weiterlesen

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Viel Aufregung mit toller Moral

Doron Rabinovici – Die Außerirdischen Cover: Suhrkamp

Verfolgungsjagden, politische Intrigen, Außerirdische, das Spiel ums nackte Überleben, eine unmoralische Spielshow und  korrupte Medien – mit diesen Schlagworten könnte man Die Außerirdischen von Doron Rabinovici beschreiben. Man kann es jedoch ebenso gut lassen und sagen, dass dieser Roman ein zu großer Haufen an aufmerksamkeitsheischenden Themen ist.

 

von CAROLINE KÖNIGS  Weiterlesen

Erschütternder Wandel einer Persönlichkeit durch den Einfluss von Manipulation

John Boyne - Der Junge auf dem Berg Cover: Fischer

John Boyne – Der Junge auf dem Berg Cover: Fischer

Mit Der Junge auf dem Berg hat John Boyne nach Der Junge im gestreiften Pyjama (2006) einen weiteren Jugendroman geschrieben, der sich mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust beschäftigt. Das Buch handelt von dem Jungen Pierrot, der in Paris aufgewachsen ist und nach dem Tod seiner Eltern auf den Berghof, die Sommerresidenz Adolf Hitlers, zu seiner dort arbeitenden Tante Beatrix kommt. Aus dem kleinen französischen Jungen Pierrot, dessen bester Freund der Jude Anshel war, wird hier der deutsche Peter, der stolzes Mitglied der Hitlerjugend wird.

von ANNA LENA KNIEPER Weiterlesen

Und er war eben doch ein Nazi

Per Leo: Flut und Boden // Quelle: Klett-Cotta

 

Als Historiker ist der Autor Per Leo damit vertraut, sich auf Spurensuche in der Vergangenheit zu machen. In seinem literarischen Debüt Flut und Boden. Roman einer Familie taucht er bis zu den Anfängen des 20. Jahrhunderts hinab, um von dort aus die Geschichte seiner eigenen Familie zu ergründen. Auslöser hierfür, aber nicht alleiniger Fokus des Romans, sind sein Großvater Friedrich und dessen Nazivergangenheit.

 

von GREGOR J. REHMER

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Eisenbahnen und Holocaust

Thomas Josef Wehlim: Eisenbahnzüge Quelle: Edition Rugerup

Lars Müller hat ein Haus am Rhein geerbt. Das Haus seines Onkels ist „ziemlich viel wert“, wie sein Freund Steffen, Immobilienmakler von Beruf, sofort feststellt. Doch hinter der Tür erwartet die beiden eine Überraschung: eine Modellbahnanlage, die sich über das ganze Haus erstreckt und zum Leben keinen Platz lässt.

von PETER GOSSENS

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Dem Nazi in den Kopf geschaut

Tote Zonen von Simon PasternakLange Zeit galt es als Tabu, einen Roman über den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg aus der Perspektive der Täter zu schreiben. Mit Tote Zonen präsentiert der dänische Autor Simon Pasternak einen der wenigen deutschen Täter-Ich-Erzähler, der 1943 als Polizist die Verbrechen an Juden, Partisanen und der weißrussischen Bevölkerung miterlebt. Die Suche nach dem Mörder eines hohen SS-Tiers und nach Raubgold machen ihm aber wesentlich mehr zu schaffen.

von GREGOR J. REHMER Weiterlesen

Wer wir sind und wie wir waren

Cover: "Alle Nähe fern" André Herzberg Quelle: Ullstein

 

In seinem neuen Roman Alle Nähe fern gelingt André Herzberg, bekannt als Sänger der DDR-Band Pankow, ein lakonischer – und vermutlich gerade deshalb besonders eindrucksvoller – Abriss deutsch-jüdischer Geschichte im 20. Jahrhundert.

von KATJA PAPIOREK

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Keine Deutung, sondern Behauptung

COVER_Jan_Himmelfarb_Sterndeutung_C.H.BeckSchlimm, wenn ein Roman nicht berührt. Schlimmer, wenn ein Roman über die Shoa den Leser kaltlässt: Jan Himmelfarb legt mit Sterndeutung ein Debüt vor, das reflektiert vom jüdischen Leben zwischen Drittem Reich und Nachwendezeit erzählen will – und sich hoffnungslos in seinen eigenen Ansprüchen verheddert.

von LINA BRÜNIG Weiterlesen

Selfie mit Hitlerbärtchen

COVER_Funk_Winternähe_SFischerEin Selfie erlaubt es, einen Blick auf sich selbst zu werfen. In Mirna Funks Debütroman Winternähe wird ein Selfie der Protagonistin Lola zum Ausgangspunkt für einen Blick auf ihre Identität, auf Berlin, Tel Aviv und auf Fragen nach der deutsch-jüdischen Vergangenheit und dem Nahost-Konflikt. Überschattet wird das alles durch ein fieses kleines rechteckiges Bärtchen.

von GREGOR J. REHMER Weiterlesen

Zwischen Massenmord und Alltagsproblemen

Martin Amis - Interessengebiet Cover: PiperThomsen, der obstruktive Mitläufer, Paul Doll, der Kommandant des Kat Zets, und Szmul, der Sonderkommandoführer – in einem namenlosen Konzentrationslager versuchen alle drei ihre Interessen zu wahren: Sand ins Getriebe werfen, Sex mit der eigenen Frau und ein reibungsloser Ablauf der Selektion, oder einfach nur blankes Überleben. In seinem neuen Roman Interessengebiet berichtet Martin Amis aus den sehr unterschiedlichen Ich-Perspektiven dieser drei Männer.

von GREGOR J. REHMER Weiterlesen