Über die Spielarten des Lebens

Valeria Parrella: Versprechen kann ich nichts; Cover: Hanser Verlag

Wie würden Sie Ihre Jugend beschreiben? Vielleicht mit dem Gefühl von grenzenloser Freiheit und großem Tatendrang? Mit ihrem zweiten Roman Versprechen kann ich nichts nimmt die italienische Autorin und Dolmetscherin Valeria Parrella den Leser mit hinter die vergitterten Fenster eines Jugendgefängnisses in Neapel und eröffnet tiefe Einblicke in eine paradoxe Gesellschaft und die Mutterliebe zu einem fremden Kind.

von THEOPHIL LAPPE

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„Kämpfen, trotz allem.“

Marco Balzano: Ich bleibe hier; Diogenes

Mit seinem Roman Resto qui gewann Marco Balzano bereits 2018 den Premio Asti d’Appello und 2019 sowohl den Prix Méditerranée étranger als auch den Premio Bagutta. Verdienterweise – denn Balzano gelingt es, mit einfacher Sprache und der Erschaffung einer spannenden Protagonistin das komplexe Schicksal eines gesamten Dorfes zu erzählen. Seit Sommer 2020 ist der Roman nun auch in deutscher Übersetzung unter dem Titel Ich bleibe hier erhältlich. Einzig wer einen ausführlichen Einbezug der übergeordneten historischen Geschehnisse in die Geschichte erwartet, wird wohl eher enttäuscht.

von REEMDA HAHN

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Brot und Kriege

Giulia Caminito: Ein Tag wird kommen; Klaus Wagenbach

In ihrem dritten Roman Ein Tag wird kommen erzählt die italienische Autorin Giulia Caminito die Geschichte zweier ungleicher Brüder aus ärmlichen Verhältnissen zur Zeit des Ersten Weltkrieges. Dass gerade die Figuren dabei blass bleiben, ist bedauernswert, wird aber durch die Thematisierung der sozialen und gesellschaftlichen Konflikte, mit denen die Figuren zu kämpfen haben, zumindest teilweise aufgewogen. 

von CARO KAISER 

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Bücher hamstern statt Klopapier – Teil I: Von Krankheiten

Bücher statt KlopapierCamus wohl bekanntestes Werk La Peste residiert derzeit auf Platz 25 der meistverkauften Bücher in Frankreich. Die Verbindung zu dem Ausbruch des Corona-Virus liegt nahe. Weitere Möglichkeiten, statt Klopapier lieber Bücher zu hamstern – selbstverständlich über den Versanddienst der lokalen Buchhandlung –, stellen wir Ihnen in dem ersten Beitrag unserer dreiteiligen Reihe im Folgenden vor.

von ALINA WOLSKI

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Eine kitschige Roadstory

 

Martin Vopěnka: Meine Reise ins Ungewisse. Unterwegs mit Benjamin; Cover: Drava

In Meine Reise ins Ungewisse. Unterwegs mit Benjamin versucht Martin Vopěnka, die vielschichtige Gefühlswelt von Vater und Sohn zu beschreiben, die ihre Ehefrau beziehungsweise Mutter verloren haben und sich auf einer Reise ohne Ziel immer näher kommen. Doch der Roman schildert die Emotionen zu direkt, er ist überladen und lässt dem Leser keinerlei Interpretationsspielraum.

von ALINA WOLSKI Weiterlesen

Mitten im Wahnsinn?

"Campiello" am Schauspielhaus Bochum Foto: Birgit Hupfeld

„Campiello“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Birgit Hupfeld

Patient*innen und Mitarbeiter*innen der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin des LWL-Universitätsklinikums Bochum zeigen mit Campiello in der Zeche Eins eine Telenovela für die Bühne. Auf dem „kleinen Platz“ werden italienische Klischees und stereotype Figuren präsentiert, die dort ihr alltägliches Freud und Leid verhandeln. Leider bleibt das Geschehen auf dem Campiello der einzige Inhalt.

von JASMIN GIERLING Weiterlesen

Vivat Venezia!

Johann Strauß' "Eine Nacht in Venedig" am Aalto-Theater Essen Foto: Jörg Landsberg

Johann Strauß‘ „Eine Nacht in Venedig“ am Aalto-Theater Essen Foto: Jörg Landsberg

Altmodisch, zu brav, anspruchslos – die Operette gilt manchem als überholte Gattung. Dass sie quicklebendig ist, zeigt Bruno Klimek mit seiner Inszenierung von Johann Strauß’ Eine Nacht in Venedig am Essener Aalto-Theater in einem Abend voller Witz, Lust(barkeit) und unterhaltsamer Gegenwartskritik.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Ästhetik und Gewalt im Hasenkostüm

"Oresteia" bei den Ruhrfestspiele Foto: Guido Mencari

„Oresteia“ bei den Ruhrfestspiele Foto: Guido Mencari

Wer Aischylos’ Orestie im Theater sehen will, macht sich schon zuvor auf keinen leicht verdaulichen Abend gefasst. Rache, Mord und Familienfluch sind Ingredienzen, die an die Nieren gehen. Der Regisseur Romeo Castellucci hat mit seinem Theaterkollektiv Socìetas Raffaello Sanzio bereits 1995 eine italienischsprachige Oresteia auf die Bühne gebracht – nun führt er sie, dezent aktualisiert, im Rahmen einer Europatournee bei den Ruhrfestspielen wieder auf. Eine drastische Inszenierung, die Bilder statt Worte sprechen lässt.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Zwischen den Stühlen und Nationen

"Amara terra mia - Mein bitteres Land" bei den Ruhrfestspielen Foto: Krusebild

„Amara terra mia – Mein bitteres Land“ bei den Ruhrfestspielen Foto: Krusebild

Amara terra mia – Mein bitteres Land ist nicht nur die Hymne Domenico Modugnos, zu der in den 1950er und 60er Jahren viele italienische Gastarbeiter ihre Heimat verließen, sondern auch der Titel einer Koproduktion des St. Pauli Theaters Hamburg, des Teatro Alfieri Castelnuovo Berardenga, der Théâtres de la Ville de Luxembourg und der Ruhrfestspiele, die nun im Kleinen Theater im Recklinghäuser Festspielhaus Uraufführung hatte. Ein gelungener Abend, der zu Recht mit stehenden Ovationen gefeiert wurde.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

„Das ist (keine) Reklame für mein Haus“

Goldonis "Diener zweier Herren" bei den Ruhrfestspielen Foto: Reinhard Werner

Goldonis „Diener zweier Herren“ bei den Ruhrfestspielen Foto: Reinhard Werner

Mit Goldonis Diener zweier Herren startet die 70. Spielzeit der Ruhrfestspiele in Recklinghausen. Das Motto dieser Theatersaison rund um Migration und Flüchtlingskrise, Mittelmeer – Mare Nostrum?, bleibt zwar weitestgehend unberücksichtigt, das Ensemble des Wiener Burgtheaters in der Regie von Christian Stückl glänzt aber mit derber Spielfreude und gelegentlichen Seitenhieben auf das politische Zeitgeschehen.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen