Stigma Doppelmörder

Jens Söring: Rückkehr ins Leben; Cover: C. Bertelsmann

Am 17. Dezember 2019 stand Jens Söring auf dem Frankfurter Flughafen und erklärte in die Mikrofone: „Dies ist der schönste Tag meines Lebens“. Der Mann konnte sich gerade das erste Mal seit dem 30. April 1986 frei bewegen. In der Zwischenzeit hatte der heute 55-Jährige im Gefängnis gesessen. Rückkehr ins Leben – Mein erstes Jahr in Freiheit nach 33 Jahren Haft, lautet der Titel des neuen Buchs von Jens Söring.

von STEFAN MANGOLD

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„Im Zweifel für den Angeklagten.“

Ein geistig behinderter Vater wird des Mordes an einem kleinen Mädchen angeklagt. Er wird von seiner Tochter getrennt und zum Tode verurteilt. Kommt es zum Urteil oder geschieht am Ende ein Wunder? Mehmet Ada Öztekins Meisterwerk 7. Koğuştaki Mucize (übersetzt: Wunder in der Gefängniszelle Nummer 7) setzt sich einerseits mit gesellschaftlichen Problemen wie der Todesstrafe oder der Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung auseinander, andererseits löst der Film ein Wechselspiel aus Wut, Freude, Trauer und Frustration beim Zuschauer aus.

von VANESSA MUSZARSKY

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Eine Asienrundreise der anderen Art

Christian Kracht: Der gelbe Bleistift; Cover: Kiepenhauer&Witsch

Christian Kracht nimmt den Leser in Der gelbe Bleistift mit auf eine Reise durch das Asien der späten Neunziger. In fast 20 Reiseberichten, die als Kolumne in der „Welt am Sonntag“ erschienen sind, bahnt er sich seinen Weg von Baku bis nach Tokio durch den bevölkerungsreichsten Kontinent. Die abwechslungsreichen Begegnungen mit den Menschen und Kulturen überraschen ihn immer wieder. Ob strenge Malaien, pakistanische Waffenhändler oder Hippies im indischen Goa – seine Reise ist lesenswerter denn je.

von JAN-NIKLAS DALLEY

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Freiheit, wem Strafe gebührt

FILMPLAKAT_Fatih Akin_Aus dem Nichts_Warner Bros. Pictures

Fatih Akin wirft mit Aus dem Nichts wichtige Fragen auf: Muss ein Film über den NSU zwangsweise den NSU beinhalten? Kann man neonazistische Nagelbombenanschläge auf Deutsch-Türken ohne Diskussionen um V-Männer und Paulchen Panther thematisieren? Für einen guten Film nicht zwingendermaßen.

von CARO KAISER Weiterlesen

Blutleere Orestie

Aischylos' "Orestie" am Schauspielhaus Bochum Foto: Birgit Hupfeld

Aischylos‘ „Orestie“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Birgit Hupfeld

Aischylosʼ wohl berühmtestes Drama um den Atridenfluch, Blutrache und Muttermord gehört seit Langem zu den Theaterklassikern. Es dauerte jedoch knapp 100 Jahre, bis die Orestie auch auf der Bochumer Bühne Einzug hielt. Lisa Nielebock inszeniert die Trilogie nun in den Kammerspielen – statt karg-analytischen 110 Minuten hätte man sich aber mehr Dramatik und mehr Zeit für Spiel und kontextuelles Regiekonzept gewünscht.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Das ist noch nicht das Ende

cover_can-duendar_lebenslang-fuer-die-wahrheitVoll von unglaublicher Besonnenheit und ansteckendem Optimismus strotzen die Tagebuchaufzeichnungen von Can Dündar. Umso unfassbarer ist das, wenn man bedenkt, wo diese entstanden sind: im Gefängnis.

von ESRA CANPALAT Weiterlesen

Ein Krug kommt selten allein

Kleist "Der zerbrochne Krug" am Schauspielhaus Bochum Foto: Hans Jürgen Landes

Kleist „Der zerbrochne Krug“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Hans Jürgen Landes

Anselm Weber, Noch-Intendant des Bochumer Schauspielhauses, widmet sich nach etlichen Bühnenklassikern nun Heinrich von Kleists Lustspiel Der zerbrochne Krug. Zwar gerät der Abend zum kurzweilig-komischen (Sprach-)Vergnügen, auf innovative Regieeinfälle wartet man jedoch abermals vergeblich.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Schuldig oder nicht schuldig – das ist hier die Frage

"Terror" am Düsseldorfer Schauspielhaus Foto: Sebastian Hoppe

„Terror“ am Düsseldorfer Schauspielhaus Foto: Sebastian Hoppe

Diese Spielzeit wird Schirachs Theater-Erstling Terror knapp 20 Mal auf deutschsprachigen Bühnen aus der Taufe gehoben. Die Bühne wird zum Gerichtssaal, die Zuschauer zu Schöffen – zu den alleinigen Bestimmern des Ausgangs. In Düsseldorf wurde die Inszenierung von Kurt Josef Schildknecht nun völlig zu Recht mit stehenden Ovationen bejubelt.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

Geschürte Ängste und die Frage nach Gerechtigkeit der Justiz

Hexenjagd am Schauspielhaus Bochum Foto: Thomas AurinDie erste Arbeit der jungen, mit dem Kurt-Hübner-Preis ausgezeichneten Daniela Löffner feierte am Samstag im Schauspielhaus Bochum Premiere: Arthur Millers Hexenjagd. Löffner inszeniert mit 17-köpfiger Besetzung. Es werden Bezüge zu vielen aktuellen Themen hergestellt, besonders deutlich ist die Justizkritik am NSU-Prozess.

von ALINA SAGGERER

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Ich weiß, was du nächsten Freitag tun wirst

Björn Gabriel als Chief John Anderton   Bild: Birgit HupfeldIm kleinen Studio des Schauspiel Dortmund inszeniert Klaus Gehre Spielbergs Minority Report in Form des Live-Films Minority Report oder Mörder der Zukunft. Viel Technik, witziger Trash und die Erkenntnis, dass Philip K. Dick nie so aktuell war wie heute. Und Klaus Gehre ebenso wie Intendant Kay Voges ein gutes Gespür für wichtige gesellschaftliche Themen beweist.

von NADINE HEMGESBERG Weiterlesen