Märchenmusik mit Knusperhexe

Humperdincks "Hänsel und Gretel" am Aalto-Theater Essen Foto: Saad Hamza

Humperdincks „Hänsel und Gretel“ am Aalto-Theater Essen Foto: Saad Hamza

In der (vor-)weihnachtlichen Regie der Mezzosopranistin Marie-Helen Joël bringt das Essener Aalto-Theater Hänsel und Gretel kindgerecht auf die Bühne. Die musikalische Qualität des Abends führt einmal mehr vor Augen, dass Humperdincks Märchenspiel in drei Bildern durchaus keine Banalität ist, sondern ein ernst zu nehmendes Werk des post-wagnerianischen Musiktheaters.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen

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Erschütternder Wandel einer Persönlichkeit durch den Einfluss von Manipulation

John Boyne - Der Junge auf dem Berg Cover: Fischer

John Boyne – Der Junge auf dem Berg Cover: Fischer

Mit Der Junge auf dem Berg hat John Boyne nach Der Junge im gestreiften Pyjama (2006) einen weiteren Jugendroman geschrieben, der sich mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust beschäftigt. Das Buch handelt von dem Jungen Pierrot, der in Paris aufgewachsen ist und nach dem Tod seiner Eltern auf den Berghof, die Sommerresidenz Adolf Hitlers, zu seiner dort arbeitenden Tante Beatrix kommt. Aus dem kleinen französischen Jungen Pierrot, dessen bester Freund der Jude Anshel war, wird hier der deutsche Peter, der stolzes Mitglied der Hitlerjugend wird.

von ANNA LENA KNIEPER Weiterlesen

Menschen, die Pech hatten

COVER_Leonie Ossowski_Weckels Angst_PiperEin Jugendlicher bemerkt in der Strafanstalt, dass sein Leben keinen Sinn ergibt, weigert sich zum ersten Mal seine Zellenmitbewohner oral zu befriedigen, wird von ihnen so schikaniert, dass er ineinander gehackte Nadeln schluckt und stirbt. Dieser Jugendlicher ist Weckel und der Titelheld von Leonie Ossowski Weckels Angst. Mannheimer Erzählungen. Seine Geschichte sowie jene von sieben seiner Bekannten werden so individuell und detailreich beschrieben, dass es unmöglich wird, die Figuren in die Schublade „jugendliche Straftäter“ zu stecken.

von CAROLINE KÖNIGS Weiterlesen

Weiblich, arbeitslos, Eigenbrötler sucht: männlich, reich, adlig

COVER_Sevgi Soysal_Tante Rosa_BinookiSevgi Soysals Erzählband Tante Rosa von 1968 über eine exzentrische und anachronistisch selbstbestimmte Frau im Süden Nachkriegsdeutschlands ist in einer Neuübersetzung und –auflage im Binooki-Verlag erschienen. Ein Text der zeigt, dass auch weibliche Figuren Material für eine Ein-Mann-Show hergeben. 

Von CAROLIN KAISER Weiterlesen

Die Beatles als Bindeglied zwischen Generationen

COVER_Peter Smith_Sam, die Beatles und ich_Kiepenheuer & WitschEs ist ein Buch über eine Band, die jedem ein Begriff ist, egal, ob er sie schon in seiner Jugend gehört hat, oder erst Jahrzehnte später geboren wurde. Aber der Roman Sam, die Beatles und ich. Wie ich das Herz meines Sohnes gewann von Peter Smith ist nicht nur ein Buch über die Beatles, sondern beschäftigt sich, wie schon der Titel verrät, vielmehr mit der Beziehung zwischen Vater und Sohn. Peter Smith, der mit der Musik der Beatles aufgewachsen ist, erlebt die Faszination der vier Liverpooler nun gemeinsam mit seinem siebenjährigen Sohn ganz neu.

Von ANNA LENA KNIEPER Weiterlesen

Vater sein, Kind sein – glücklich sein

Liebesgeschichte mal anders: Jochen Schmidts Zuckersand ist eine bittersüße Liebeserklärung eines Vaters an den Sohn. Mit skurrilen Marotten und einer wehmütigen Melancholie um die eigene Kindheit nimmt Schmidt seine Leser mit auf eine Expedition zur Erforschung des Alltags mit Kind.

von ELISA TINNAPPEL Weiterlesen

„Abhauen gibt’s nicht. Wär schön. Aber geht nicht.“

Adolf Winkelmann: Junges Licht // Quelle: Weltkino

 

Der Dortmunder Adolf Winkelmann hat mit Ralf Rothmanns Junges Licht einen der eindringlichsten Ruhrgebiets-Romane verfilmt. Der Film über eine Kindheit im Ruhrgebiet der Sechziger will sehr viel. Hier und da nervt er auch. Aber in der Erinnerung wird er immer besser.

von FABIAN MAY

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Erwachsen werden mit Florian Berg

COVER_Marklein_Florian Berg ist sterblich_BlumenbarWenn ein phänomenaler Janko Marklein als Chronist die Abgründe der westdeutschen Jugend nachzeichnet, wird deutlich, dass diese, genau wie der Protagonist in seinem Debüt Florian Berg ist sterblich, voller Widersprüche ist. Die westdeutsche Jugend scheint keine Probleme zu haben, aber davon sehr viele!

von VERENA SCHÄTZLER Weiterlesen

„Weʼre all mad here“ – Das MiR wird zum Wunderland

"Alice in Wonderland" im MiR Foto: Costin Radu150 Jahre nach Erscheinen von Lewis Carrolls Kinderbuchklassiker Aliceʼs Adventures in Wonderland zeigt uns Choreograf Luiz Fernando Bongiovanni, dass die Geschichte ums Erwachsenwerden, sich selbst Finden und Fantasie noch immer Facetten hat, die es lohnen, im Jahr 2015 auf eine Theaterbühne gebracht zu werden. Während man sich bei vielen alten Stoffen fragt, warum sie aus der Mottenkiste gekramt wurden und welche Berechtigung es gibt, ihnen einen bemüht aktuellen Ansatz aufzudrücken, sitzt man im Musiktheater im Revier und wünscht sich nach zwei Stunden unterhaltsamen Balletts mehr Alice, mehr weißes Kaninchen und vor allem mehr Luiz Fernando Bongiovanni.

von STEFAN KLEIN Weiterlesen

Eine Hochzeit und zig Todesfälle

"Leas Hochzeit" am Schauspielhaus Bochum Foto: Hans Jürgen LandesNein, ganz so makaber geht es in Leas Hochzeit nicht zur Sache. Doch Judith Herzbergs Stück thematisiert den Holocaust und die Folgen für die Überlebenden auf bitterböse und doch erstaunlich leichtfüßige Art und Weise. Regisseur Eric de Vroedt zeigt nun in seiner Inszenierung in den Bochumer Kammerspielen Figuren, die zwischen Verdrängung und Verarbeitung changieren und denen es nur schwerlich gelingt, gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen