Gefangen im System – Schwarzsein zwischen Kapitalismus und Kolonialgeschichte

Natasha Brown: Zusammenkunft; Cover: Suhrkamp

Der so schmale wie eindrucksvolle Roman Zusammenkunft von Natasha Brown erzählt von reichen Schwiegereltern, einer schockierenden Diagnose und vor allem davon, was es bedeutet, als schwarze Frau in Großbritannien erfolgreich zu sein. Natasha Brown skizziert eine Protagonistin, die – wie auch die Autorin einst – im Bankenwesen Londons arbeitet. Der Roman beschreibt die Alltäglichkeit von Rassismus und Sexismus in dieser Branche und lässt die Leser*innen spüren, welche schrecklichen Auswirkungen diese nach sich zieht.

von KAREN ELIAS

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Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – Kolonialismus aus neuer Perspektive

Nana Oforiatta Ayim: The God Child; Cover: Bloomsbury

Ghanaische Geschichte verpackt in einem autobiographischen Roman: Mit ihrem Debüt The God Child trägt Nana Oforiatta Ayim dazu bei, postkoloniale Strukturen bewusst zu machen und arbeitet dabei nicht nur die Geschichte ihrer Heimat, sondern auch die ihrer eigenen Familie auf. Geschichten, die enger verwoben sind, als man zunächst vermuten würde.

von SHARLEEN WOLTERS

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Doctor’s Diary (5): 1 Million Tote in 100 Tagen

Viele der ruandischen Traditionen sind durch die Kolonialisierung verlorengegangen. Dazu zählen auch die traditionellen Frisuren, amasunzu genannt.

Wer den Völkermord in Ruanda verstehen will, muss einen Blick in die Geschichte des Landes werfen. Und siehe da: Kolonialismus, Pseudowissenschaft, Machtausübung zu Lasten der Bevölkerung und am Ende überlässt man die Afrikaner sich selbst. Ruanda ist ein Paradebeispiel für die (Post-)Kolonialpolitik der europäischen Staaten – versagt haben sie alle. Inklusive der ruandischen Mehrheitsbevölkerung, die sich von den rassistischen Fantasien der Machthaber einlullen ließ.

von THOMAS STÖCK

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Leidenschaften eines Botanikers

David Diop: Reise ohne Wiederkehr; Cover: Aufbau Verlag

David Diops Reise ohne Wiederkehr zeigt uns das Leben im Senegal Mitte des 18. Jahrhunderts aus der Perspektive eines weißen Botanikers auf. Der Protagonist Michel Adanson frönt dort seinen Leidenschaften – sowohl in Sachen der Wissenschaft wie auch der Liebe. Schnell entpuppt sich der Roman des Booker-Prize-Trägers als spannungsreicher Abenteuerroman, der leider viel zu schnell vorbei ist.

von THOMAS STÖCK

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Kleists schwarz-weiße Welt

Heinrich von Kleist: Die Verlobung in St. Domingo; Cover: epubli

In Die Verlobung in St. Domingo treffen die rassistischen Vorurteile des beginnenden 19. Jahrhunderts auf historische Realitäten. Schwarze Menschen sind per se böse, weiße Menschen sind per se gut – und Hauttönen dazwischen sieht man nicht immer an, auf wessen Seite sie stehen. Wenn Geschichten Geschichte beeinflussen.

von THOMAS STÖCK

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Zwischen Spartakus und Bonaparte

Sudhir Hazareesingh: Black Spartacus; Cover: C. H. Beck

Sudhir Hazareesinghs Biografie Black Spartacus porträtiert den Mann, der in der französischen Kolonie Saint-Domingue die schwarze und kreolische Bevölkerung aus der Sklaverei in die Freiheit führte und der damit den Weg ebnete für die Unabhängigkeit des heutigen Haiti: Toussaint Louverture. Hazareesingh zeigt auf, dass es Toussaint als fähigem General gelang, nacheinander Franzosen, Briten und Spanier bittere Niederlagen zuzufügen. Auch politisch konnte „der schwarze Spartakus“ häufig seinen Willen durch geschicktes und weitsichtiges Handeln durchsetzen, wobei er jedoch seine republikanischen Ideale für die eigene Machtposition verriet. Eine durch ihren Detailreichtum beeindruckende Biografie, die zugleich die Stärken und Schwächen dieses geschichtswissenschaftlichen Genres aufzeigt.

von THOMAS STÖCK

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Mama, ich begrabe dich

Scholastique Mukasonga: Frau auf bloßen Füßen; Cover: Peter Hammer Verlag

In Frau auf bloßen Füßen erschreibt sich Scholastique Mukasonga den Grabstein für ihre Mutter, den sie ihr nie setzen konnte. Denn ihre Mutter Stefania fiel – wie Mukasongas gesamte Familie und über 800.000 andere Tutsi – dem Völkermord in Ruanda 1994 zum Opfer. Ihre Kindheit lässt Mukasonga in dieser Biografie wiederauferstehen: Traditionen und Aberglaube, die aufkommende Globalisierung – und inmitten dessen die ruandischen Tutsifrauen und die allgegenwärtige Todesangst.

von THOMAS STÖCK

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Warum ein guter Erzähler noch keine gute Erzählung macht

Poljak Wlassowetz: Litiotopia; Cover: Kopf & Kragen Literaturverlag

In Bolivien wird das weiße Gold unserer Tage geschürft: Lithium. Nutznießer in Poljak Wlassowetz’ Roman Litiotopia ist die deutsche Familie Federmann, die bereits mit den ersten Konquistadoren das Land in Beschlag genommen hat. Der Kampf des jüngsten Familienzöglings Ferdinand Federmann verkommt jedoch zur Farce, weil Wlassowetz sich nicht entscheiden kann, ob er nun eine Dystopie schreiben will, einen Roman im Stile des magischen Realismus lateinamerikanischer Prägung – oder nicht doch lieber ein Hollywood-reifes Drehbuch.

von THOMAS STÖCK

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Gedärme und abgehackte Hände

David Diop: Nachts ist unser Blut schwarz; Cover: Aufbau Verlag

In Nachts ist unser Blut schwarz erzählt David Diop von einem jungen senegalesischen Soldaten, der für Frankreich im Ersten Weltkrieg kämpft. Die Brutalität des Kriegsalltags und der Tod seines besten Freunds treiben den Protagonisten Alfa Ndiaye in einen Blutrausch, der nicht nur die feindlichen deutschen Soldaten in Angst und Bange versetzt. Der Roman überzeugt besonders durch die bisher wenig beachtete Perspektive eines sogenannten „Senegalschützen“ sowie der Thematisierung der Verknüpfungen zwischen Kolonialismus, Krieg, Gewalt, Wahnsinn und Rassismus. Das tröstet auch über langatmigere Passagen hinweg.

Von CARO KAISER

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Reflex statt Reflexion

Amanda Lasker-Berlin: Iva atmet; Cover: Frankfurter Verlagsanstalt

Als ihr Vater stirbt, taucht eine junge Frau in die Geheimnisse ihrer Familiengeschichte ein, durch die sie in die deutsche Vergangenheit der Völkermorde in der Kolonial- und der NS-Zeit verstrickt ist. Gelingt es der Protagonistin von Iva atmet (2021), sich aus dieser Verstrickung zu befreien? Darauf gibt der Roman von Amanda Lasker-Berlin keine zufriedenstellende Antwort.

von BERNHARD STRICKER

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