Schuster, bleib bei deinen Leisten

b.36 Schwanensee an der Deutschen Oper am Rhein Foto: Gert Weigelt

b.36 Schwanensee an der Deutschen Oper am Rhein Foto: Gert Weigelt

Ausgerechnet im Jahr von Marius Petipas 200. Geburtstag bringt die Oper am Rhein einen Schwanensee auf die Bühne, der kaum noch etwas mit dem ikonischen Ballettklassiker gemein hat. Während sich das Risiko tänzerisch voll und ganz auszahlt, fehlt der Inszenierung vor allem in den berühmten weißen Akten das Tempo. Martin Schläpfer beweist mit seinem Handlungsballettdebüt, dass seine Leistung als Regisseur noch nicht an sein Schaffen als Choreograf heranreicht.

von STEFAN KLEIN Weiterlesen

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Vivat Venezia!

Johann Strauß' "Eine Nacht in Venedig" am Aalto-Theater Essen Foto: Jörg Landsberg

Johann Strauß‘ „Eine Nacht in Venedig“ am Aalto-Theater Essen Foto: Jörg Landsberg

Altmodisch, zu brav, anspruchslos – die Operette gilt manchem als überholte Gattung. Dass sie quicklebendig ist, zeigt Bruno Klimek mit seiner Inszenierung von Johann Strauß’ Eine Nacht in Venedig am Essener Aalto-Theater in einem Abend voller Witz, Lust(barkeit) und unterhaltsamer Gegenwartskritik.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Zwischen Spaß, Tragik und Trivialität

"Unendlicher Spaß" bei den Ruhrfestspielen 2018 Foto: David Baltzer / Agentur Zenit

„Unendlicher Spaß“ bei den Ruhrfestspielen 2018 Foto: David Baltzer / Agentur Zenit

Mit Unendlicher Spaß erschuf David Foster Wallace 1996 wohl den Roman der Postmoderne: ein geniales Konglomerat aus wahnwitziger Zukunftsvision, einem gigantischen Netz aus nach Sinn- und Wahrhaftigkeit suchenden Figuren, ganz vielen Abhängigkeiten und noch viel mehr Fußnoten. Doch kann man das alles angemessen auf die Bühne bringen? Thorsten Lensings Inszenierung beantwortet diese Frage mit einem klaren Jein und präsentierte die Romanadaption mit tollem Starensemble bei den Ruhrfestspielen.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Narrheiten eines alten Königs

Shakespeares "König Lear" vom Schauspiel Stuttgart bei den Ruhrfestspielen Foto: Thomas Aurin

Shakespeares „König Lear“ vom Schauspiel Stuttgart bei den Ruhrfestspielen Foto: Thomas Aurin

Was tun, wenn die jüngere Generation nach der Krone greift und man selbst nur noch Relikt vergangener Glorie ist? Dass dies nur in der Shakespearehandlung zutrifft, beweist eine Theater-Legende: Nach der Premiere am Schauspiel Stuttgart zeigt Claus Peymann seinen König Lear nun auch bei den Ruhrfestspielen.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Es hätte so gut werden können

Richard Wagners "Siegfried" an der Oper am Rhein Foto: Hans Jörg Michel

Richard Wagners „Siegfried“ an der Oper am Rhein Foto: Hans Jörg Michel

Der Ring dreht sich weiter. Inzwischen ist die Deutsche Oper am Rhein am zweiten Tag des Bühnenfestspiels Der Ring des Nibelungen angelangt. Mit Siegfried steht nun also das insgesamt dritte Werk aus der Ring-Saga Richard Wagners auf dem Spielplan. Während Das Rheingold noch mit spannendem Regiekonzept überzeugte und auf einen sehr guten Ring hoffen ließ, glänzte schon die Walküre fast nur noch musikalisch. Siegfried setzt den Abwärtstrend nun fort, kann jedoch zumindest auf Seiten der Darsteller überzeugen.

von STEFAN KLEIN Weiterlesen

„Desaströse Selbstfokussierung“ oder der Selfie-Narziss

Ramona Raabe: Das pathologische Leiden der Bella Jolie, Cover: Dittrich

Selfies sind im 21. Jahrhundert zum Bestandteil des alltäglichen Lebens geworden. In ihrem ersten Buch widmet sich die junge Autorin Ramona Raabe eben diesem Phänomen. Die thematisch längst überfällige Novelle Das pathologische Leiden der Bella Jolie über die Sucht nach der Selbstabbildung, das Einfangen des gegenwärtigen Moments und die Suche nach dem Ich besticht besonders durch den außergewöhnlichen, innovativen Aufbau.

von ALINA WOLSKI Weiterlesen

Persische Politromanze

Verdis "Nabucco" an der Oper Dortmund Foto: Thomas Jauk, Stage Picture

Verdis „Nabucco“ an der Oper Dortmund Foto: Thomas Jauk, Stage Picture

Mit Verdis Nabucco verabschiedet sich Opernintendant Jens-Daniel Herzog nach sieben Spielzeiten fulminant vom Dortmunder Publikum. Der Abend überzeugt nicht nur musikalisch. Herzog verlegt die sprunghafte Opernhandlung aus dem Babylon und Jerusalem des 6. Jahrhunderts v. Chr. klug in die Islamische Revolution um 1980 – und erntet für seine Regie völlig zu Unrecht so manche Buhrufe von den Premierengängern.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Katastrophaler Klang im Hohlkörper

Andreas van Hooven: Klangkörper. Cover: Books on Demand

Andreas van Hoovens Klangkörper erzählt das Leiden einer jungen, an Parkinson erkrankten Sängerin, die in der Musik ihr Seelenheil sucht. Die vorhersehbare, handlungsarme Geschichte bedient Klischees, während die blass verbleibenden Figuren nicht über die Schwächen des Romans hinwegtäuschen können. Ein Abgesang auf viel Lärm um nichts.

von THOMAS STÖCK Weiterlesen

Jetzt hätte es eigentlich losgehen sollen

Richard Wagners "Die Walküre" an der Oper am Rhein Foto: Hans Jörg Michel

Richard Wagners „Die Walküre“ an der Oper am Rhein Foto: Hans Jörg Michel

Die Deutsche Oper am Rhein hat sich in dieser und in der kommenden Spielzeit vorgenommen, Wagners Mammut-Epos Der Ring des Nibelungen neuinszeniert vom Starregisseur Dietrich W. Hilsdorf auf die Bühne zu bringen. Mit Das Rheingold begann der insgesamt etwa 16 Stunden lange Wagner-Ritt im vergangenen Jahr mit dem sogenannten „Vorabend“, nun steht der „Erste Tag des Bühnenfestspiels“, Die Walküre, auf dem Programm des Düsseldorfer Opernhauses. Während die Sänger glänzen, holt sich Regisseur Hilsdorf bei der Premiere vor allem Buh-Rufe ab.

von STEFAN KLEIN Weiterlesen

„Über den Schatten einer Wolke, über das Lied eines Gedankens“

Vladimir Nabokov – Briefe an Véra Cover: Rowohlt

Liest man die Briefe eines Menschen, so erfährt man Grundlegendes über seine Persönlichkeit. Nabokovs Briefe an seine Frau sind Liebesbekundung, Reisebericht, und Zeitporträt in einem. Was sich als Konstante durch sein Leben zieht, ist die Liebe zu seiner Frau Véra. Ihr Verhältnis wird in den nun erstmals in deutscher Sprache veröffentlichten Briefen an Véra dokumentiert. Im unverkennbar brillanten Nabokov-Duktus eröffnen sie die Tür zu der vertrauten Atmosphäre einer über 50 Jahre währenden Beziehung.

von ALINA WOLSKI Weiterlesen