Sechs Kosmopoliten suchen einen Mörder

Maxim Biller – Sechs Koffer Cover: Kiepenheuer & Witsch

Sechs Koffer ist wahrlich alles andere als Unterhaltungslektüre. Das Vermächtnis des Großvaters Schmihl und die Widerfahrnisse der Familie Biller auf dem Weg aus Prag in den Westen zeichnen das Porträt einer nicht gerade sympathischen Familie, die den teils lebensbedrohlichen Schikanen des Kommunismus zu entrinnen sucht. Mit seinem direkten – man ist dazu verleitet zu sagen: beinahe ordinären – Sprachstil bewegt sich Maxim Biller irgendwo zwischen Krimi, Agententhriller und Familientragödie.

von THOMAS STÖCK Weiterlesen

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Narrheiten eines alten Königs

Shakespeares "König Lear" vom Schauspiel Stuttgart bei den Ruhrfestspielen Foto: Thomas Aurin

Shakespeares „König Lear“ vom Schauspiel Stuttgart bei den Ruhrfestspielen Foto: Thomas Aurin

Was tun, wenn die jüngere Generation nach der Krone greift und man selbst nur noch Relikt vergangener Glorie ist? Dass dies nur in der Shakespearehandlung zutrifft, beweist eine Theater-Legende: Nach der Premiere am Schauspiel Stuttgart zeigt Claus Peymann seinen König Lear nun auch bei den Ruhrfestspielen.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Blutleere Orestie

Aischylos' "Orestie" am Schauspielhaus Bochum Foto: Birgit Hupfeld

Aischylos‘ „Orestie“ am Schauspielhaus Bochum Foto: Birgit Hupfeld

Aischylosʼ wohl berühmtestes Drama um den Atridenfluch, Blutrache und Muttermord gehört seit Langem zu den Theaterklassikern. Es dauerte jedoch knapp 100 Jahre, bis die Orestie auch auf der Bochumer Bühne Einzug hielt. Lisa Nielebock inszeniert die Trilogie nun in den Kammerspielen – statt karg-analytischen 110 Minuten hätte man sich aber mehr Dramatik und mehr Zeit für Spiel und kontextuelles Regiekonzept gewünscht.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Der ganz alltägliche Wandel

Doris Anselms Kurzgeschichtenband und in dem Moment holt meine Liebe zum Gegenschlag aus erzählt von jenen Momenten, die das Leben entscheidend verändern. Die Autorin schildert diese gezielt und lässt dabei weder Kinder, noch Businessmen oder Hausfrauen aus: Unterschiedlichste Personen treten nacheinander in den Mittelpunkt, werden dem Leser jedoch nicht nahegebracht, sondern verwundern zunächst und lassen ihn einen Großteil der Figuren negativ und realitätsfremd wahrnehmen. Ein Kurzgeschichtenband, der die Stimmung eines verregneten Herbsttages heraufbeschwört, trostlos und negativ.

von VIVIANE SCHWERTFEGER  Weiterlesen

Hauptsache, es knallt

Mozarts "Titus" am Essener Aalto-Theater Foto: Thilo Beu

Mozarts „Titus“ am Essener Aalto-Theater Foto: Thilo Beu

Ausgerechnet am fünften Doch-Nicht-Geburtstag des Berliner Pannen-Flughafens lädt das Essener Aalto-Theater zur letzten Premiere seiner diesjährigen Spielzeit. Regisseur Frédéric Buhr siedelt die antike Geschichte um den milden Kaiser Titus (zufällig?) an einem stylishen Flughafen in unserer Gegenwart an und präsentiert eine bemüht aktuelle Mozart-Interpretation, die seine Holzhammermethode nicht nötig gehabt hätte, um Aktualität widerzuspiegeln.

von STEFAN KLEIN Weiterlesen

Mord auf der Principal

Lluís Llach - Die Frauen von La Principal Cover: Insel

Lluís Llach – Die Frauen von La Principal Cover: Insel

Das Weingut La Principal ist das größte Anwesen in Ríus, einer kleinen spanischen Provinzstadt. 1940 wird hier ein alter Mordfall aufgerollt, während zugleich eine ungewöhnliche Liebesgeschichte beginnt. Lluís Llachs Die Frauen von La Principal handelt von Unabhängigkeit, Moral und von neuen Wegen, die in der tiefsten Provinz Spaniens während der Herrschaft des Franco-Regimes beschritten werden.

von ANNA BREIDENBACH Weiterlesen

Die Tragik des verfluchten Clowns

Verdis "Rigoletto" im Essener Aalto-Theater Foto: Matthias Jung

Verdis „Rigoletto“ im Essener Aalto-Theater Foto: Matthias Jung

Der Horror-Clown hat nicht nur einen Weg aus den USA nach Europa, sondern auch ins Ruhrgebiet gefunden: Mit Verdis Rigoletto sind auf der Bühne des Essener Aalto-Theaters eine Menge maskierter Fratzen zu sehen und verzerren das Bild des einst harmlosen Spaßmachers. Regisseur Frank Hilbrich zeigt eine größtenteils gelungene Kombination aus der Tragik einer ‚self-fulfilling prophecy‘, Horrormotiven sowie klugen Metaebenen – und eine Menge Luftballons.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Düsteres Porträt einer stürmischen Seele

Verdis "Otello" an der Düsseldorfer Oper am Rhein Foto: Hans Jörg Michel

Verdis „Otello“ an der Düsseldorfer Oper am Rhein Foto: Hans Jörg Michel

In der Düsseldorfer Oper am Rhein wurde die Theatersaison nun mit Otello von Giuseppe Verdi eröffnet. Regisseur Michael Thalheimer widmet sich gänzlich Verdis Interpretation der Shakespeare-Vorlage und zeigt einen in sich Getriebenen, der – ästhetisch toll aufbereitet – an der eigenen Eifersucht zugrunde geht.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Muttertier Medea

"Medea.Matrix" bei der Ruhrtriennale Foto: Ju/Ruhrtriennale

„Medea.Matrix“ bei der Ruhrtriennale Foto: Ju/Ruhrtriennale

Im Rahmen der Ruhrtriennale bringen die Regisseurin Susanne Kennedy und der Installationskünstler Markus Selg den Medea-Mythos auf die Bühne der Gebläsehalle des Landschaftsparks Duisburg-Nord. Wie schon Christoph Schlingensief in seiner Kirche der Angst vor dem Fremden in mir nutzen Kennedy und Selg den Raum als Industriekathedrale und hinterfragen in Medea.Matrix die Rolle der Frau als Gebärende und Mutter.

von ANNIKA MEYER Weiterlesen

Die Entdeckung der Zähigkeit

"Die Dinge, die vorübergehen" bei der Ruhrtriennale Foto: Jan Versweyveld

„Die Dinge, die vorübergehen“ bei der Ruhrtriennale Foto: Jan Versweyveld

Schon letztes Jahr war bei der Ruhrtriennale die Bühnenfassung eines Romans von Louis Couperus zu bestaunen. Die Dinge, die vorübergehen setzt diese Reihe fort – Spielort ist dieses Mal die Maschinenhalle der Zeche Zweckel in Gladbeck. Hier zeichnen Ivo van Hove und die Toneelgroep Amsterdam das schwarz gekleidete Bild eines morbiden Naturalismus. Langatmigkeit scheint erwünscht.

von HELGE KREISKÖTHER Weiterlesen